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Lohnt es sich noch, VTuber zu werden?

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Der Trend um die beliebten VTuber konnte sich in den letzten Jahren immer weiter halten und die ersten erreichten sogar mehrere Millionen Abonnenten. Das Angebot an VTuber ist seitdem exponentiell gewachsen – 2021 wurde die Zahl an ihnen auf etwa 16.000 geschätzt, es dürften seitdem noch einige tausend mehr geworden sein. Da stellt sich die Frage: Lohnt es sich überhaupt noch ein VTuber zu werden, ist der wirkliche Hype vorbei und die Großen machen es unter sich aus?

Es ist tatsächlich so, dass wohl die meisten VTuber unter dem Radar bleiben – schließlich sind die größten VTuber nicht selten von Agenturen wie Hololive und ähnlichen, zuerst noch im Japanischen, dann auch im Englischen. Es gibt aber auch deutsche VTuber, die recht bekannt sind, die größte dürfte wohl die Streamerin und Sängerin „Jinja“ sein, die auf ihrem Kanal „JinjaOwo“ mittlerweile etwa 75.000 Abonnenten hat. Darüber hinaus gibt es aber auch YouTuber, die sich im Nachhinein einen Avatar erstellt haben, zum Beispiel GermanLetsPlay oder maudado.

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Der internationale „Markt“ an VTubers weitet sich aktuell aus

Auffällig war lange Zeit, dass gerade Agenturen wie Hololive im Grunde die einzigen VTuber gestellt haben, während sich abseits davon kaum etwas getan hat – natürlich gab es mit den PNGTubern schon immer eine Unterkategorie, die wahrscheinlich noch länger existiert, trotzdem konnte man leicht das Gefühl haben, ein Bekanntwerden ist ohne Agentur gar unmöglich. Die Ankündigungen und Debüts der Streamer sorgen schließlich bei jedem Start einer neuen Karriere für genügend Aufwind und zügigen Erfolg, dafür geben die Protagonisten aber auch einen ordentlichen Teil ihrer Einnahmen ab.

Lange war es ohne die notwendige Technik und Ausstattung, die die Agenturen bereitstellten, extrem kompliziert den VTuber-Skin darstellen zu können. Heute gibt es hierfür jedoch immer mehr Technik, die es Anwendern leicht macht, selbst tätig zu werden und den Skin selbst gestalten und nutzen zu können. Das ist wahrscheinlich auch der größte Grund dafür, warum das Genre in den letzten Jahren immer mehr explodiert.

Man kommt allerdings schon an ein Problem, wenn man das Ganze als „Genre“ bezeichnet, denn das ist nicht nur falsch, es ist sogar grob fahrlässig, weil es den Hauptpunkt misst.

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VTuber sind schon lange keine Seltenheit mehr

VTuber sind kein Genre, es ist eine Technik

Denn in den letzten Jahren hat sich alles rund ums VTubing und VTuber werden durch den großen Einfluss einiger Agenturen so entwickelt, dass man alles darum als eigenes Genre gesehen hatte – durch den Aufbruch der Szene ist dies jetzt aber nicht mehr so. Während die Streamer schon immer recht frei mit ihren Inhalten waren, muss man den Vorgang gemäß seiner Technik betrachten – aber was bedeutet das?

Grundsätzlich ist VTubing kein eigenes Genre, sondern die Möglichkeit, bzw. Technik, auf eine Facecam zu verzichten, aber trotzdem eine zu nutzen. Viele Creators wollen in der modernen Welt lieber anonym bleiben – das Internet ist hier seit Gründung im Zwiespalt zwischen Berühmtheit und Anonymität, wer berühmt sein wollte, musste sich lange Zeit auch zeigen. Durch YouTube, Twitch und Co. wurde es aber möglich, auch ohne Facecam bekannt zu werden, oft jedoch nicht so sehr wie Creators, die eine Kamera nutzen.

Und hier kommt eben die Technik des VTubings ins Spiel: Sie ermöglicht, sich zu zeigen, ohne sich zu zeigen. Bewegung, Gesichtsexpressionen, das alles wird möglich, ohne sich selbst in der Kamera zu zeigen – natürlich braucht man trotzdem eine Kamera, damit das Programm die Expressionen auf den Avatar projizieren kann – wie das genau geht, haben wir hier erklärt.

VTuber sind so eigentlich Facecam-Nutzer, die jedoch ihren virtuellen Avatar anstelle ihres eigentlichen Gesichts zeigen. Das beste Beispiel für jemanden, der sich lange Zeit nicht gezeigt hat, dann aber doch auf die Leinwand trat in Form eines virtuellen Avatars, dürfte wohl GermanLetsPlay sein.

Wer das alles als Genre sieht, wird zudem anfällig für unzureichende Kritik. Nicht wenige reagieren regelmäßig auf VTuber, um sich über diese pauschal lustig zu machen oder diese genauso pauschal zu loben. Dabei gibt es nicht „die VTuber“. Seit dem Aufbruch der Technik für die Darstellung kann man das kaum noch so generalisiert einteilen.

Aber wird der Markt weiter wachsen? Lohnt sich das alles noch?

Natürlich wird dann auch klar, dass nicht „VTubing“ die Nische ist, bei der man sich fragen muss, ob sie noch weiter wächst, sondern das, was man als VTuber machen möchte. Möchte ich Kunst in einem Livestream erstellen und mich währenddessen in Form eines virtuellen Avatars zeigen? Möchte ich Spiele spielen und meinen virtuellen Avatar dabei nutzen? Klar wird dann jedoch auch, dass einfach „VTuber werden“ nicht mehr ausreicht – doch was ist damit gemeint?

Das bedeutet, dass man sich heutzutage schon mehr einfallen lassen muss, um bekannt zu werden. Ein Fehler, den viele machen, weil sie denken, dass einen virtuellen Avatar zu haben, schon reiche, um bekannter zu werden – das ist aber nicht mehr der Fall. Wer Reichweite will, muss sich Mühe geben und zum Beispiel neben einem virtuellen Avatar durch gutes Editing, witzigen Humor, besonderes Engagement oder weiteres auffallen.

Die meisten Leute verpassen die Gelegenheit, weil sie in einen Overall gekleidet ist und nach Arbeit aussieht.

Thomas Edison

Umso einzigartiger die Idee ist, desto eher wird man damit dann auch Erfolg erzielen können. Und wie immer ist es auch wichtig, die Ausdauer zu haben, das Ganze eine Zeit lang zu machen und somit mehr Momentum aufbauen zu können.

Fazit

Das bedeutet konkret, dass es sich sehr wohl noch lohnt, VTuber zu werden. Es gibt sogar eine Sache, die man konkret noch verbessern kann, denn die deutsche Community an VTubern ist in ihrer Fülle noch sehr dezentral, unorganisiert, undurchsichtig und nicht besonders groß – es gibt zwar Communitys, die sich durchaus gut vernetzt haben, zum Beispiel durch Projekte wie BeautV, in dem sich einige #GerVTube-Creators beheimateten haben, trotzdem ist der große Markt noch zu erschließen.

Deutschland ist immerhin nicht dafür bekannt, immer am allerbesten mit neuen Dingen zurechtzukommen – immer dann, wenn neue Phänomene auftreten, seien es die Eisenbahn, Trickfilme, Comics, Videospiele, das Internet oder VTuber, tut man sich damit schwer – und gerade diese Grenzen wären aufzubrechen, damit ein virtueller Avatar zu einer tolerierten Alternative einer Facecam werden kann, der er eigentlich heute schon ist. Nicht überall ist das jedoch so angekommen.

VTuber sind am Ende des Tages immerhin genauso Creators wie alle anderen auch, aber sie zeigen sich eben nicht unbedingt oder andauernd, dabei können sie mit immer besser werdender Technik sogar die Kleidung ihres Avatars regelmäßig wechseln, verschiedene Accessoires tragen und teilweise sogar schon in voller Gestalt auftreten. Doch dafür braucht es nach wie vor, gerade im deutschen Bereich, Vorreiter, die andere mit ihrem Content inspirieren und sich nicht einfach „nur“ mit einem VTuber-Avatar zufriedengeben, sondern ihre ganze Kreativität einsetzen.

Avatar-Foto

Redaktion

Redaktion der Comicschau. Mehr Informationen finden sich auf der Seite des Teams.

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