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"Der Ohrring des Nibelduck": Donald Duck trifft Richard Wagner 13

“Der Ohrring des Nibelduck”: Donald Duck trifft Richard Wagner


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Vielleicht nicht unbedingt ein Novum, aber doch ungewöhnlich: Das Micky-Maus-Magazin macht durch eine Geschichte auf sich aufmerksam, die nicht an ein aktuelles Ereignis (wie etwa ein Jubiläum oder eine Sportveranstaltung) geknüpft ist. Die Geschichte heißt “Der Ohrring des Nibelduck” und damit ist die Richtung schon klar.

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In Italien gibt es solche, nennen wir sie mal “story driven events”, öfters und in letzter Zeit verstärkt. Bei uns gab es das in Form von “Monat der Superschurken” oder “Die Ducks in Deutschland” oder, wenn wir auf das LTB schauen, “Tatort Entenhausen”.

Nun also eine klassische Thematik im Micky Maus-Magazin 8/2024, und das in mehrfacher Hinsicht – die Nibelungensage ist uralt, die Oper von Richard Wagner ein wichtiges Stück deutscher Kultur und Parodien haben im Disney-Comic Tradition.


Enten als Helden in anderen Welten

Aufhänger der Story “Der Ohrring des Nibelduck” ist ein Ring, den Dagobert Duck bei den Schätzen von König Ludowig in Schloss Neu-Entstein gefunden hat und den jetzt Daniel Düsentrieb und Primus von Quack untersuchen sollen. Dagobert vermutet nämlich, dass der Ring zum Schatz des Nibelduck gehört, über den Komponist Richard Quakner einst eine Oper geschrieben hat.

Der Drache Fafner greift das Zwergenheer von Alberich an

Moment: Ludwig und Neuschwanstein – war da nicht gerade was vom selben Künstlerduo? Genau, offenbar steht “Der Ohrring des Nibelduck” in Verbindung zu der Geschichte aus LTB 580, auch wenn darauf nicht weiter eingegangen wird und die Übersetzung (“Neu-Entstein” / Neuschwanstein) es auch eher übertüncht. (Ludwig II. war ein glühender Anhänger und Förderer von Wagner; Schloss Neuschwanstein war von Wagners Opern inspiriert.)

Transparenzhinweis: Wir haben für diesen Artikel ein Presseexemplar erhalten, vielen Dank an Egmont Ehapa. Die Abenteuer von Donald Duck, Micky Maus und Co. erscheinen alle zwei Wochen im Micky Maus Magazin. Aktuelle Rezensionen, News und Hintergründe gibt es jederzeit in unserer Comic-Rubrik.


Der Ohrring des Nibelduck jedenfalls hat magische Kräfte und entführt unsere vier Helden in die mythische Welt von Quakners Oper. Dabei wird Donald Duck zum Helden Siegfried, Daniel Düsentrieb zum Schmied Mime und Primus von Quak zum Riesen Fasolt. Nur Dagobert Duck scheint derselbe geblieben zu sein, doch die Suche nach dem Gold vorbei an Schlössern und einem Drachen zum Fluss „Rhaus“ wird auch ihn verändern.

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Der Ring der Nibelungen – ist das gut gelungen?

Verarbeitet werden hauptsächlich Motive aus dem ersten Teil der Nibelungen-Tetralogie, “Das Rheingold”, Siegfried allerdings taucht erst gegen Ende der zweiten Oper “Die Walküre” auf. Die Geschichte der Brüder Fafner und Fasolt wird im Comic auf den Kopf gestellt. Und auch wenn in der komplexen Opernhandlung wenige Figuren eindeutig positiv besetzt sind, ist Mime eher kein Held.

Der Stoff hat fraglos Potenzial, aber die Umsetzung ruft in dieser Form eher verhaltene Begeisterungsstürme hervor. Alleine schon das Fehlen jeglicher Frauen macht stutzig: Sind nicht die Rheintöchter und die Walküren wichtige Figuren des Opernzyklus?


„Unser Ziel war es, eine Geschichte zu kreieren, die nicht nur unterhält, sondern auch die Fantasie unserer Leserinnen und Leser anregt. Mit diesem Nibelungen-Abenteuer haben wir eine einzigartige Mischung aus Mythologie und spannender Comic-Unterhaltung geschaffen.“

Johannes Kanty, verantwortlicher Redakteur des Micky Maus-Magazins

Auch aus Sicht des Comiclesers gibt es Seltsames: Sowohl Primus als auch Düsentrieb wirken in der Geschichte ein wenig verschenkt. Dass der eine zum Riesen und der andere zum teils transparenten Zwerg wird, wirkt eher bizarr als lustig. Und die speziellen Charaktereigenschaften der beiden kommen nicht sonderlich zum Tragen. Dagobert wiederum passt recht gut in das Thema und Donald als unfreiwilliger Held ist eine recht charmante Besetzung.

Am Ende hapert es jedoch am meisten bei der Länge. Auf zehn Seiten kann man einfach keine vernünftige Geschichte mit derlei Ansatz erzählen. Gerade Wagners Opern haben ja den Ruf, endlos zu sein. Am Nibelungenzyklus hat er selbst über zwanzig Jahre gearbeitet; eine Aufführung aller vier Teile am Stück würde einen halben Tag dauern. Die beiden Adaptionen im LTB tragen dem auch Rechnung: “Reingold” aus LTB 66 ist fast achtzig Seiten lang, “Der magische Ring” aus LTB 148 sogar über 100.

Sehr positiv zu erwähnen sind allerdings die Zeichnungen von Paco Rodriguez, der teils beeindruckende Szenerien schafft, welche auch noch schön koloriert sind. Das sorgt mit dafür, dass die Geschichte vielleicht doch etwas länger in Erinnerung bleibt, obwohl die Handlung nicht wirklich die Chance hat, in Gang zu kommen.


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(Interessant vielleicht noch: Dagoberts im Laufe der Geschichte zunehmend extremes Verhalten erinnert an Gollum – was aber nicht so unpassend ist, hat J.R.R. Tolkien die Welt von “Herr der Ringe” doch auch unter Einfluss der germanisch-skandinavischen Mythen erschaffen.)

Dagobert deutet auf den Fluss "Rhaus". An seinem Hals hängt der Ohrring des Nibelduck.
Dagobert Duck: Ganz der Alte… oder?

Götterdämmerung

Das Micky Maus Magazin ist schon seit Jahren Sorgenkind: Die Reduktion der Schlagzahl von einer wöchentlichen zu einer zweiwöchentlichen Erscheinungsweise war kaum zu verhindern, hat es aber auch unattraktiv gemacht, eine Geschichte über drei Ausgaben hinweg zu erzählen, sodass es fast nur noch kürzere Comics gibt. Selten gibt es noch längere Geschichten, die auch in weiteren Ausgaben fortgeführt werden.

Auch in diesem Heft ist das der Fall: Neben “Der Ohrring des Nibelduck” gibt es zwar natürlich noch weitere Geschichten, um Wagner geht es da allerdings bereits nicht mehr.


Die Idee, mit einer Parodie Aufmerksamkeit zu erzeugen, ist grundsätzlich sehr gut. Auch dass dieser noch ein redaktioneller Teil zur Seite gestellt wird, welcher der jungen Leserschaft noch ein bisschen Hintergrund vermittelt, ist mehr als lobenswert. Immerhin ist die Nibelungensage ja deutsches Kulturgut. Dass es Bemühungen gibt, diese in die Disney-Comics einzubauen, ist eine immer willkommene Idee. Die Umsetzung kratzt aber leider lediglich an der Oberfläche, da könnte man noch viel mehr machen. Bleibt trotzdem die Hoffnung, dass man weiterhin Neues im Micky Maus-Magazin versucht.

Richard Wagner wird übrigens auch nächstes Jahr wohl noch eine Rolle spielen. Egmont Comic Collection wird nämlich voraussichtlich im Januar 2025 ein Taschenbuch namens “Donald Duck und der Ring der Diebelungen” veröffentlichen – dem Titel nach dürfte es einen Nachdruck von “Der magische Ring” enthalten (“Das Gold der Diebelungen” ist im LTB Titel von Teil 1). Es gibt auch noch eine bislang nicht auf Deutsch veröffentlichte Geschichte, die im Titel auf “Rheingold” Bezug nimmt, aber ob die enthalten sein wird, das wissen momentan wohl nur die Götter.

Das Micky Maus-Magazin 8/2024 ist seit dem 29. März 2024 im Handel erhältlich, aber auch im Egmont-Shop. Alle Bilder: © Disney / Egmont Ehapa Media, Berlin


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Spectaculus

Ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger.
Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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