LTB Mini-Pocket 6

Preis: 4,95 €, 308 S.

Rache ist süß

Die Freude darüber, eine von Massimo De Vita gezeichnete Geschichte zu lesen, verfliegt schnell, wenn man merkt, wie hanebüchen der Inhalt ist. Donalds Position wird hier zwar von allen Seiten als falsch dargestellt, aber diesmal bin ich ganz auf seiner Seite.

Tick, Trick und Track werden von einem Grobian namens Rudi Ruppig beleidigt und verlangen nun von Donald, dass er sich dafür rächt – was dieser sehr nachvollziehbar (!) ablehnt! Zitat: “Glaubt ihr im Ernst, ich hätte Lust, wegen so einer Lappalie eine Schlägerei anzuzetteln?” Daraufhin ruft Tick mit verstellter Stimme bei Ruppig an und beleidigt ihn. Der, überzeugt davon, dass ihr Onkel ihn angerufen hat, schickt zwei Schläger, die Donald in seinem Garten aufsuchen und ihn zwanzig Minuten lang verprügeln. Donald ist nun verständlicherweise extrem sauer auf seine Neffen, doch da kommt Onkel Dagobert vorbei und verlangt ebenfalls, dass Donald die “Familienehre” reinwaschen muss…

Familienehre. Alleine bei diesem Wort wird mir übel. Im Namen der Familienehre sind schon Menschen gestorben. Sorry, aber mit so etwas kann ich rein gar nichts anfangen! Die emotionale Logik der Geschichte ist in meinen Augen völlig missraten, da hilft auch der recht ordentliche Schluss nicht viel. Vielleicht bin ich auch deswegen kein großer Fan des frühen Phantomias, bei dessen Geschichten ja auch dauernd von Rache u.ä. die Rede ist.

Fatale Fähigkeiten

Einen kniffligen, leicht unheimlichen Kriminalfall liefert Marco Bosco hier – großartig umgesetzt von Giuseppe Dalla Santa: Innerhalb kurzer Zeit verschwinden Leute, tauchen danach mit Gedächtnisverlust wieder auf, scheinen aber nicht so ganz die alten zu sein. Als es Rudi Ross erwischt, ist Micky in heller Aufregung und versucht, der Sache auf den Grund zu gehen. Kurz darauf ist Micky selbst verschwunden!! Nun ist es an Kommissar Hunter und Inspektor Issel, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen…

Der galoppierende Maulgaul

Einerseits unglaubwürdige, andererseits liebenswürdige Geschichte. Es beginnt ganz klassisch mit einer Wette zwischen Dagobert Duck und Mac Moneysac. Dagobert, von Moneysac provoziert, meint, er könne aus jeder müden Mähre ein echtes Rennpferd machen. Der Südafrikaner dreht ihm Herkules an, dessen Name eher irreführend wirkt. Denn der Gaul scheint einige Probleme zu haben, vor allem psychologischer Natur. Allerdings zeigen sich im Trainingsverlauf unerwartete Talente… Moneysac bleibt das wiederum nicht verborgen, weshalb er wiederum Störmanöver inszeniert.

So weit, so gut. Aber dass das Pferd (siehe Titel) mit entsprechender Motivation zum Maulgaul mutiert, der sich durch die Erde unter den Hindernissen durchwühlt (!) und dabei noch die anderen Rennpferde, die die Hindernisse ganz klassisch überhüpfen, in puncto Geschwindigkeit schlägt, finde ich dann doch etwas unrealistisch.

Manriques Zeichnungen erinnern manchmal vage an Pasquale, sind aber viel schöner anzuschauen und verglichen mit späteren Werken desselben Zeichners (s.u.: “Eine Sahnetorte für Sacharien”) angenehm detailliert.

Die Schatten der Vergangenheit

Kommissar Hunter kommt zurück in seine frühere Heimatstadt Doggenbach. Mit ihm macht auch Micky Urlaub. Doch kaum dass die beiden im Hotel eingecheckt haben, geschieht ein Raub: Ein Gemälde wird von einer unheimlichen Gestalt gestohlen, die sich als Nachfahre des “Scharlachroten Malers” zu erkennen gibt. Der echte Scharlachrote Maler, Paul Pikbubo, war einst aus dem Dorf verjagt worden, allerdings waren die Anschuldigungen gegen ihn erfunden – den Menschen waren er und die Motive seiner Bilder unheimlich. Nun will jemand ihn rächen und stiehlt dafür die wenigen, vor Kurzem erst wieder aufgetauchten noch existierenden Bilder des Künstlers. Was steckt dahinter?

Absolut nicht vorhersehbare Story von Top-Autor Bruno Sarda, die Micky als Detektiv enorm fordert und erst nach langem Überlegen aufgelöst wird – und am Ende noch mit einer faustdicken Überraschung aufwartet.

Enrico Faccini hat die Geschichte in freundlichen, aber (noch) nicht übertrieben karikaturistischen Bildern umgesetzt. Von mir aus hätte er gerne so weitermachen können, seine Zeichnungen hier sind noch schön klassisch, obwohl die Gesichtsausdrücke schon recht typisch Faccini sind. Besonders die Landschaften gefallen mir hier. Für die Motive und Umsetzung der Gemälde muss ich Faccini sogar noch mal extra loben – schade, dass diese im Mini-Format nicht wirklich gut zur Geltung kommen.

Eine Sahnetorte für Sacharien

Der Emir von Saharien ist für einen Staatsbesuch in Entenhausen. Um sein Vertrauen zu gewinnen und mit ihm ins Geschäft zu kommen, erklärt sich Dagobert bereit, die Hochzeitstorte für die anstehende Heirat der Tochter des Emirs zu finanzieren. Als Dagobert merkt, wie viel so eine majestätische Torte in Paris kostet, will er beim Transport sparen. Donald ist davon gar nicht begeistert, zumal er den Besuch in Paris eigentlich noch für eine ausführliche Besichtigung der Sehenswürdigkeiten nutzen wollte. Und so entspinnt sich eine abstruse Reise, bei der die Torte in allerlei seltsame Verwicklungen gerät und jedes Mal eine Schicht einbüßt…

Manriques Zeichnungen wirken, wie oben angedeutet, etwas leer – allerdings sind die Sehenswürdigkeiten erste Sahne (hehe), und die Kolorierung wertet das Ganze zusätzlich auf. Pat McGreal hat auf Seite 3 übrigens einen direkten Verweis auf eine frühere Geschichte eingebaut, nämlich den “Schatz der Inselgötter”.

Die drei Anti-Grazien

Tick, Trick und Track sollen einen Aufsatz über italienische Kunst des 18. Jahrhunderts schreiben (man merkt halt, woher die meisten LTB-Comics stammen…). Primus von Quack erzählt ihnen die Geschichte eines Vorfahren, Donaldo da Ducki. Der soll für den reichsten Mann von Venedig, Dago de Duckici, eine Statue anfertigen, wobei ihn aber immer wieder drei, nun ja, “originelle” Damen von der Arbeit abhalten…

Das Beste an der Geschichte sind Anna Marabellis hübsche Zeichnungen. Aber auch die Story an sich ist interessant, weil sie bekannte Muster in einen neuen Kontext stellt und geschickt variiert.

Der Schurke ist immer der Butler

Damit kann ich weniger anfangen. Weder die typische DGD-Story (wobei der Geheimdienst hier noch DAD heißt) mit dem vorhersehbaren Rezept “Donald und Dussel richten Chaos an” noch Andrea Frecceros seltsame Zeichnungen sagen mir sonderlich zu. Auch die Prämisse – Dagobert glaubt, Baptist hätte ihm einen Diamanten gestohlen – überzeugt nicht.

Die Kunst des Schriftdeutens

Goofy will Micky davon überzeugen, dass er ein fähiger Graphologe ist, sprich: dass er anhand von handgeschriebenen Texten Rückschlüsse auf die Person ziehen kann, zu der die Handschrift gehört… Netter Lückenfüller.

Auf dem Holzweg

Ähnlich wie auch “Der doppelschneidige Runkelrübenschäler” (LTB 210) eine gar nicht mal so schlechte frühe dänische Produktion, die Dagoberts Leben auf den Kopf stellt. Denn alle Welt fährt plötzlich auf Holz ab und schmeißt Gold zum Fenster raus! Warum? Der Goldpreis ist massiv gesunken, stattdessen ist nun ausgerechnet Holz der Stoff, der Begehrlichkeiten weckt…

Auch wenn ich die Grundidee (und das Thema Medienbeeinflussung) interessant finde – als aufmerksamer Leser hat man das alles sehr schnell durchschaut. Dass Dagobert das nicht auch von sich behaupten kann und fast alle anderen Entenhausener, inklusive seiner Angestellten wie Fräulein Rührig, ganz offensichtlich ein Brett (ja, ja!) vor dem Kopf haben, macht die ganze Sache für mich einfach unglaubwürdig. Aber gut, wer mal einen mit Holz gefüllten Geldspeicher sehen möchte…

(Übrigens: Der Übersetzer hat “Goldie” nicht übersetzt…)

Held im Taschenformat

Düsentrieb hat einen Verkleinerungsautomaten gebaut. Da er aussieht wie ein Getränkeautomat, drückt Phantomias ahnungslos drauf und wird prompt verkleinert!

Ein klassisches Comic-Thema, von dem es natürlich einige Umsetzungen gibt – und das hier ist sicher nicht eine der schlechtesten. Phantomias’ Abenteuer aus Insektenperspektive macht Spaß, nicht zuletzt wegen der schönen Zeichnungen von Alessandro Perina.

Komischerweise werden die Künstler teilweise nur mit Nachnamen angegeben – und auch dann noch mit Fehler: Statt Perina steht da “Pertina”… Ähnlich seltsam: Düsentrieb siezt Phantomias! Und der Druckfehler “…kümmern wir und morgen”…

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Ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!! Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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