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LTB 521 – 50 Jahre Phantomias 5/5 (17)

Cover LTB 521

18.06.2019, 6,50 €, 250 S.

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Das Cover ist ein bisschen stylischer als das von LTB 520. Das Problem bleibt aber dasselbe, man sieht bei Frecceros Strich jede zeichnerische Unsicherheit, zudem passen die Covers von LTB 520 und 521 auch nicht wirklich super zusammen (der Schnabel!). Und wir hatten die Motividee ja nun auch schon mehrmals, siehe LTB Premium 11 oder das aktuelle Buchrückenmotiv…

Alles auf Anfang

Lose knüpft die Eröffnungsgeschichte an die vom vorigen Band an, aber eben wirklich nur sehr lose.

Richtig los geht es erst auf der dritten Seite: Phantomias will Dr. Dark dingfest machen, der eine Zeitspule von Daniel Düsentrieb gestohlen hat, als ein Blitz in das Ding einschlägt und beide in die Vergangenheit verschlägt – ausgerechnet in die Villa Rosa! Dr. Dark beobachtet, wie Donald zu Phantomias wird, und nutzt dieses Wissen bald darauf auf seine Weise…

Trotz meiner Skepsis ist es letztlich doch eine recht würdige Geburtstagsgeschichte geworden. Das Wiedersehen mit Dr. Dark freut mich auch, denn immerhin stand nach der dreiteiligen Serie im Micky-Maus-Magazin schon die Frage im Raum, ob der Charakter überhaupt noch mal sinnvoll eingesetzt werden kann – auch wenn die vorigen vier Episoden hier keine große Rolle spielen. Sein Verhältnis zu Daniel Düsentrieb hier erinnert ein wenig an das zu Primus von Quack in der Einführungsgeschichte („Finsternis über Sunny Island“, LTB 495). Ein paar Ungereimtheiten wie der etwas mühsam in die Geschichte eingebaute Ducklair Tower (ist der Egmont-Phantomias damit der „neue“ Phantomias nach dem Ende von PK²? Klingt ja gar nicht so blödsinnig, müsste aber mal erklärt werden) sorgen für Verwunderung, können aber das Gesamtbild nicht allzusehr trüben. Und eines hat Andreas Pihl den McGreals auf jeden Fall voraus: Er weiß, dass der Geheimeingang zu Phantomias‘ Versteck ein Aufzug in einem Schrank ist (und nicht etwa ein Geheimgang hinter einer Standuhr – das ärgert mich immer noch!!)…

Vom künstlerischen Standpunkt interessant sind die aus „Die Verwandlung“ (LTB 41) „kopierten“ Szenen (die auch noch genauso koloriert sind!), beim direkten Vergleich wird aber auch schmerzlich deutlich, dass Andrea Freccero seinem Vorbild und Lehrer Giovan Battista Carpi nicht mal ansatzweise das Wasser reichen kann. Und warum er den Ducklair Tower so merkwürdig gezeichnet hat, dass man ihn kaum wiedererkennt, muss mir auch jemand erklären, schließlich war er ja auch mehrfacher PKNA-Zeichner.

Am Ende bleibt leichte Ungewissheit: Wird da etwa Raum für eine Fortsetzung gelassen? Nun ja, wir werden es wohl bald sehen… insgesamt GUT+

Die Öko-Rallye

Teil 1: Eine schmutzige Verschwörung

Micky und Goofy sollen an der Öko-Rallye teilnehmen, für die verschiedene umweltfreundliche Fahrzeuge gegeneinander antreten. Allerdings nehmen auch Plattnase und Kater Karlo teil, und die haben den Auftrag, die Rallye zu sabotieren…

Der Hauptteil der Geschichte ist wirklich gut gelungen (auch wenn einzelne Szenen ein wenig an „Die härteste Rallye der Welt“ erinnern). Dass die Vertreter der umweltschädlichen Industrie sich größtenteils einen Dreck um die Zukunft des Planeten scheren, wird hier ziemlich deutlich und unmissverständlich klargestellt (und ist tatsächlich so). Ein paar kritikwürdige Dinge gibt es aber schon: Da wäre Alfons‘ Erklärung bezüglich Wasserstoff, die einfach Banane ist. Wasserstoff wird sicher nicht „aus“ Kohle gewonnen. Man kann natürlich Kohle verbrennen, um mit dieser Energie Wasserstoff aus Wasser herzustellen. Aber viel mehr Sinn macht es doch, dafür regenerative Energien (Sonne, Wind, etc.) zu verwenden. Der Vorgang ist dann eben die Elektrolyse, die in Alfons‘ Auto angeblich völlig ohne Energiezufuhr von außen stattfinden soll – das ist physikalisch einfach gar nicht möglich. Weiterhin ist ein von Wasserstoff angetriebener Motor kein Elektromotor (denn der würde mit Strom laufen).

Ebenfalls misslungen finde ich die Episode mit den Hinterwäldlern. Nicht unbedingt wegen deren stereotyper Darstellung, sondern weil diese hochbrisante Geschichte am Ende überhaupt keine Rolle mehr spielt. Muss man einfach akzeptieren, dass es in diesem Nest die totale Willkür gibt und offenbar/womöglich Menschen gelyncht werden? (S. 171/172) Und schlussendlich wäre es mir auch deutlich lieber gewesen, wenn man die Auftraggeber der Sabotage geschnappt hätte. Deswegen „nur“ GUT

Die Aufteilung der zwei Teile im Buch hätte es diesmal für meinen Geschmack nicht gebraucht, zumal Goofy und Micky dazwischen auch noch mal in einem ganz anderen Kontext auftreten.

Die geheimen Bücher von Primaverus von Quack

Dagobert, Donald, Tick, Trick und Track sowie Primus von Quack fliegen nach Venedig – auf den Spuren von Primaverus von Quack, der als der erste Verleger der Geschichte gilt.

Bis kurz vor Ende eine gute Geschichte in der klassischen LTB-Tradition. Aber dann dieser völlig beknackte Schluss! Da helfen Valerio Helds Zeichnungen auch nichts mehr. MITTELMÄSSIG+

DoppelDuck (*): Ein Anruf zur unrechten Zeit

Es sind immer noch Kurzgeschichten rund um die verschiedenen Charaktere der Agentur offen. Diese hier (wie gewohnt ansehnlich von Lorenzo Pastrovicchio gezeichnet) spielt in Paris und ist sogar mal richtig lustig. Einfach lesen und schmunzeln 🙂

Glibber des Grauens

Das klingt schon nach Trash. Und das ist es dann auch. Daniel Düsentrieb hat einen Glibber erfunden, der Wasser aufsaugt. Leider unkontrolliert. Erinnert irgendwie ein wenig an die allererste O.M.A.-Episode, auch die Lösung des Problems ist bemerkenswert ähnlich gestrickt (aber deutlich schlechter begründet). Insgesamt wirklich nicht lesenswert, auch nicht sonderlich ansprechend gezeichnet. Nur die Übersetzung macht ein wenig Boden gut. MITTELMÄßIG

Der Klub der Aristrokraten

Supergoof kämpft gegen Adelbert den Allmächtigen, der mit seinem Stammbaum-Baum Adelstitel erobert und dabei immer mächtiger wird. Braucht man nicht zu verstehen oder zu lesen. Auch die Zeichnungen sind mäßig. SCHLECHT+

König des Chaos: Haarsträubend

Ein typisch skurriler Einseiter von Enrico Faccini (der hier mal ausnahmsweise „Facchini“ heißt). Nicht schlecht, aber nicht zwingend für den Band notwendig. Dass man diesen Platz auch für den Phantomias-Geburtstagseinseiter von Massimo De Vita hätte nutzen können, ist schon schade.

Die Mutmuschel

Was spricht undeutlich und fürchtet sich nicht vor Haien? Eine Mutnuschel. *räusper* Daisy ist mal wieder sauer auf Donald, weil er so ein Angsthase ist. (Und das in einem Band, der Phantomias‘ Geburtstag gewidmet ist… muss man nicht verstehen!) Primus erzählt ihm von einer Muschel, die Mut macht. Mit diesem Ding fürchtet sich Donald vor nichts und niemandem! Man ahnt, in welche Richtung es geht. Trotzdem macht die Geschichte Spaß, weil sie flott und witzig erzählt ist und die Charaktere gut ausgeprägt sind. Auch Luciano Gattos sympathische Zeichnungen sind nach wie vor auf einem hohen Niveau; schade, dass die Topolino-Redaktion mittlerweile die Zusammenarbeit mit dem Altmeister beendet hat. GUT

Die Öko-Rallye

Teil 2: Ein sauberer Sieg

(s.o.)

Die sieben Sande von Cibola

Dagobert ist frustiert, weil es offenbar keine Schätze mehr gibt, die man entdecken kann. Da kommt der Vorschlag seiner Großneffen, in der Wüste indianische Pfeilspitzen zu suchen, gerade recht. Bei der Suche stoßen die Ducks auf eine Amphore mit einer mysteriösen Flasche. Ein Fachmann (mit bekannten Gesichtszügen) erklärt, dass es sich um magischen Sand aus der sagenumwobenen Stadt Cibola handelt. So beginnt ein Wettrennen zwischen Dagobert (plus Donald, plus Tick, Tick & Track) und Klever (plus Panzerknacker)…

Die Inhaltsangabe dürfte bekannt klingen. Es handelt sich um eine Geschichte aus der recht kurzlebigen Phase, in der italienische Künstler Remakes von Barks- und Gottfredson-Klassikern angefertigt haben. Allerdings ist der Autor immerhin Vito Stabile, und durch seinen Einfallsreichtum wird aus einer potentiell nutzlosen Idee das Highlight des LTBs. Denn „Die sieben Sande von Cibola“ ist nicht nur Remake, sondern gleichzeitig auch Fortsetzung von „Die sieben Städte von Cibola“. So hat jeder was davon: Wer den Barks-Klassiker noch nicht kennt, kann sich an den hervorragenden Ideen erfreuen, die teilweise aus dem Original stammen, Barks-Fans wiederum dürfen bekannte Elemente teils in einem neuen Kontext erleben. Dadurch, dass Stabile einige typisch italienische Elemente wie Baptist, Klaas Klever (der zwar ebenfalls von Barks erfunden, aber erst in Italien zu einer richtig markanten Figur wurde) oder die an Cimino erinnernden Spezialfahrzeuge einbaut, wirkt die Geschichte aber auch ganz LTB-typisch. (Wie weit Barks‘ Einfluss reicht, kann man übrigens daran sehen, dass die Wüste aus „Die sieben Städte von Cibola“ in gleich zwei Folgen des „neuen Phantomias“ auftaucht – siehe „Mekkano“ aus LTB Premium 11 und „Die Bluthunde des Universums“ aus LTB Premium 14.) Richtig dramatisch und bewegend wird die Geschichte spätestens ab der Mitte.

Nicola Tosolinis Zeichnungen sind natürlich nicht so detailliert wie die von Barks, aber trotzdem recht ordentlich. Ob Vito Stabile mal irgendwann selbst zum Zeichenstift greifen wird? Dass er es kann, ist schon auf ein paar Einzelbildern im Inducks zu sehen… TOP

Der falsche Neffe

Dona Dolores de Dolares y Pesetas kommt nach Entenhausen, um eine Schuhfabrik von Dagobert Duck zu kaufen. Diesmal hat sie ihren Neffen dabei, und der ist eigensinnig. Als Diego verschwindet, ist guter Rat gefragt. Donald vermutet eine Entführung, aber die Sache ist komplizierter.

Das Ende der Geschichte ist auf eine ähnlich unnötige Weise bösartig wie bei der Buchdruckgeschichte, und das hinterlässt am Ende des Bandes doch einen sehr faden Nachgeschmack. Schön dafür die Zeichnungen von Lorenzo De Pretto, der hiermit zum zweiten Mal im LTB vertreten ist – sein Stil ist irgendwo zwischen Stefano Zanchi und Libero Ermetti angesiedelt. Als Phantomiasgeschichte taugt das Ganze aber trotzdem nicht wirklich, denn der Rächer ist ja nur kurz im Einsatz. MITTELMÄSSIG+

Fazit:

Das Doppeljubiläum geht ähnlich durchwachsen zu Ende, wie es angefangen hat. Die Egmont’sche Phantomiasgeschichte wird dem Jubiläum deutlich mehr gerecht als der italienische Kurzauftritt – etwas Besondereres hätte es dafür schon sein dürfen, z.B. die Fortsetzung von „Der durchgeknallte Doppelgänger“ oder auch mal wieder eine neue Folge „Die Legende des 1. Phantomias“. So bleibt am Ende ein recht „normales“ LTB mit nur wenigen Geschichten, die herausstechen – in allererster Linie natürlich „Die sieben Sande von Cibola“.

Bewertung

LTB 521 – 50 Jahre Phantomias

18.06.2019, 6,50 €, 250 S.

Bewertung des Redakteurs:
3.5

Spectaculus

Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!!
Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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Spectaculus

Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!!
Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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