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Fehlender Kontext, fast herablassend: Kritik zu NAPOLEON (2023)


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Mit “Napoleon” brachte Regisseur Ridley Scott im November sein Biopic zum französischen Feldherrn und Kaiser Napoleon heraus. Der Film wurde groß erwartet und es war bereits seit Anfang des Jahres klar, dass er epochale Bilder liefern würde – genau das tat er auch. Das Problem ist allerdings, dass es auch fast das einzige ist, was er tut.

Es fängt bereits damit an, dass der Film in Zusammenarbeit mit Apple Studios produziert wurde. Die Kinofassung ist 158 Minuten lang, die auf Apple TV erscheinende Fassung – Release noch unbekannt – soll um einiges länger sein. Hierbei wird es sich dann um den “Director’s Cut” handeln, also die Version, wie sie Scott auch hundertprozentig haben wollte.

Es fehlt an vielen Stellen Kontext bei NAPOLEON

Fehlender Kontext, fast herablassend: Kritik zu NAPOLEON (2023) 3
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Schon zu Anfang des Films wird man quasi in die Kulisse geschmissen, es bedarf kaum Erklärung, da ist man schon mitten drin in der Revolution. Dann folgen immer wieder weiße Blenden, die komischerweise in der zweiten Hälfte des Films eigentlich gar nicht mehr vorkommen. Und immer, wenn der Bildschirm in weiß übergeht, hat man den Eindruck, an dieser Stelle hätte eigentlich mehr sein müssen.


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Der Film leidet darunter massiv. Immer wieder wünscht man sich mehr Kontext, um die Geschichte hinter Napoleon verstehen zu können.

Historisch ungenau, teilweise komplett auf den Kopf gestellt

Bereits bemängelt wurden auch die historisch teilweise ungenauen bis nicht akkuraten Szenen. Der Historiker Thomas Schuler sagte im ZDF sogar, dass der Film “rein historisch” eine “absolute Katastrophe” wäre. Man kann jetzt darüber diskutieren, inwiefern Filme historisch akkurat sein müssen. Zuletzt war bei Oppenheimer immerhin ein Film gelungen, der als Biopic auch sehr nah an der Realität funktioniert.

Fehlender Kontext, fast herablassend: Kritik zu NAPOLEON (2023) 4
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Auch das Alter von Joaquin Phoenix, der Napoleon spielt und Vanessa Kirby, die Joséphine spielte, sorgt für Probleme. Denn eigentlich ist Joséphine älter als Napoleon, im Film ist es gemessen am Äußerlichen andersrum. Generell ist Phoenix für die Rolle des Napoleons mit seinen fast 50 Jahren zu alt gewesen. Zum Vergleich: Der echte Napoleon starb bereits mit 51 Jahren, seine “Karriere” hatte er in den 20er bis 30ern seines Lebens.


Das Ziel, einen historisch korrekten Napoleon darzustellen, hatte Scott aber offenbar gar nicht, wie es scheint. Viel mehr fühlt sich der Film wie eine Demontage an, die sich über den französischen Kaiser lustig machen soll.

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Frankreich folgte Napoleon Bonaparte, aber wieso eigentlich? – Ausgerechnet diese Frage bleibt unbeantwortet

Besonders schlimm ist, wie Napoleon dargestellt wird. Man nimmt ihn fast als Idioten wahr, als einen eigentlich recht hilflos wirkenden Herrscher. Natürlich kann ein Film auch dieses Bild zeichnen, wenn er das möchte. Aber damit widerspricht er sich grundlegend selbst.

Ganz am Ende folgen die Menschen Napoleon immerhin wieder, um ihn bei seiner Regentschaft von 100 Tagen zu unterstützen. Man muss sich allerdings fragen: Wieso? Das Bild, das von Napoleon gezeichnet wird, ist mehr als unvorteilhaft. Er wirkt unbeholfen, über ihn wird in der Zeitung öffentlich gespottet, welchen Grund hat ein Volk dann, ihm trotzdem die Treue zu halten?


Die Begeisterung – die es ja durchaus gab, und ohne die Napoleon niemals so weit gekommen wäre – wird einfach herausgelassen. Es bleibt ein Negativbild, das Fragen aufwirft, die nicht beantwortet werden können.

Bewertung: 2 von 5.
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Bastian

Gründer und Autor. Experte für Memes, Internetkultur mit Stars und Social Media, dabei aber auch interessiert an Kino, Filmkultur & Animationsfilmen und anderem. Manchmal sarkastisch, kreativ und Gelegenheitskritiker.

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