LTB Maus-Edition 8: Mickys große Abenteuer

Micky und Atömchen auf einem Bipeden im Schnee (Cover von Casty)

332 S., 6,99 €

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Das ewige Imperium (EV)

Prolog

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Castys dritte Atömchen-Geschichte eröffnet den Band und versetzt Mausfans weltweit in Verzückung, denn das Abenteuer, für das Casty den Historiker Samuel Spinnweb aus „Auf den Spuren der Indianer“ (Maus-Edition 5) reaktiviert hat, ist wahrhaft episch ausgefallen. Es geht um Agartha und Kryonen, um warmherzige Eisköniginnen und eiskalte Ministerinnen, um düstere Fürsten und finstere Pläne. Die über hundert Seiten in wenigen Zeilen zusammenzufassen, ist schlichtweg unmöglich. Interessierte seien aber an dieser Stelle auf die von Donald-Phantomias und mir verfasste Rezension hier verwiesen. Es lohnt sich auf jeden Fall, diesen Brocken von Comic-Kunst zu lesen. Casty braucht sich damit nicht hinter Don Rosa zu verstecken, auch zeichnerisch nicht.

 

Die Pilz-Bande

 

(Nachdruck aus LTB 145)

 

Zwischen Romano Scarpas Original-Atömchen-Zyklus 1959-1961 und Castys Atömchen-Trilogie 2012-2015 gab es nicht nur drei Kurzgeschichten (1964, 1965 und 1999) mit Maxi Smart (Senior), sondern auch eine Art Atömchen-Comeback von 1982 bis 1986. Die beiden besten Geschichten aus dieser Zeit stammen von Krimispezialist Alessandro Bencivenni, die erste wurde vom recht umstrittenen „Knautsch-Zeichner“ Sergio Asteriti gezeichnet.

 

Inhalt: Micky, Goofy, Atömchen und Professor Wunderlich wollen raus ins Grüne und Pilze sammeln – Kommissar Hunter ist bereits eingeladen. Aber jedes Mal, wenn unsere Freunde sich einen Platz gesucht haben, taucht ein Aufseher auf und zeigt auf ein bis dato nicht vorhandenes Schild: „Pilze sammeln verboten“, „Angeln verboten“, „Picknicken verboten“. So was Blödes! Immerhin ist Hunter nicht sauer, weil es keine Pilze gibt, denn er hat selber ganz andere Sorgen: Angeblich soll in der Gegend von Entenhausen eine international tätige Uranschmugglerbande ihren Schlupfwinkel haben. Wo könnten die sich verstecken? Und was haben die von Atömchen heimlich gesammelten radioaktiven Pilze damit zu tun?

 

Eine recht gute, mehr als nur routinierte Geschichte, bei der Atömchen durchaus sinnreich eingesetzt wird.

 

Spoiler:

Der Boss der Bande wurde im LTB mit „Plattnase“ angesprochen, obwohl sein Gesicht kein einziges Mal zu sehen ist. In der Maus-Edition wurde das konsequenterweise in „Schwarzes Phantom“ geändert.

 

Alles Gute, Maxi! (EV)

 

Luca Boschi und Alessandro Perina knüpfen hier an zwei Kurzgeschichten von Romano Scarpa an: Wie damals (siehe unten) arbeiten Atömchen und Maxi Senior (alias Ellsworth alias Gancio alias Moses alias Gringo, der Gerissene) zusammen, und wie bei „Maxis wilde Abenteuer“ (siehe ME 5) ist die Geschichte episodenhaft erzählt, wobei Maxi hier mit verschiedenen Entenhausenern (einige davon aus Floyd Gottfredsons Zeitungsstrips entlehnt) eher negative Erfahrungen macht.

 

Das Auge des Mikitek (EV)

 

Ein wertvolles, vor kurzem entdecktes Jade-Auge, das von einer Statue stammen soll, wird in Entenhausen der Öffentlichkeit zum ersten Mal präsentiert. Das Schwarze Phantom hat angekündigt, das Auge stehlen zu wollen. Während der Präsentation geht plötzlich das Licht aus, Glas klirrt und das Auge ist weg. Micky kombiniert schnell: Das Loch im Fenster ist zu klein, um durchzupassen. Der Dieb muss also noch im Gebäude sein. Aber wer ist es?

 

Erstaunlich, wie schlüssig ein dermaßen kurzer Krimi sein kann. Frühwerk von Casty, gezeichnet vom unterschätzten Vitale Mangiatordi. Ende 2018 auch bei IDW in den USA auf Englisch erschienen, übersetzt von Joe Torcivia.

 

Der Spion, der aus Genf kam

 

(Nachdruck, ebenfalls erhältlich in LTB Mini-Pocket 8)

 

Eine weiterer Atömchen-Krimi von Bencivenni. Was diese Geschichte von der „Pilz-Bande“ unterscheidet, ist die Umsetzung durch Top-Mauszeichner Massimo de Vita (drei Jahre nach dem „Gläsernen Schwert“ in absoluter Hochform).

 

Inhalt: Atömchens „Schöpfer“, der geniale Professor Wunderlich, hat Micky, Goofy und Atömchen nach Genf ins KERN eingeladen. Um Goofy die Kollisionsexperimente in den dortigen Teilchenbeschleunigern nahezubringen, lässt Atömchen zwei Loks von Goofys Modelleisenbahn aufeinander zufahren. Was wie eine unwichtige Einleitungsszene wirkt, ist tatsächlich für die Handlung später noch von einiger Bedeutung. Dramatisch wird es, als Micky in Genf kurz hintereinander zwei gefährliche Unfälle hat, wobei ihn Atömchen beim ersten Mal gerade so retten kann. Micky tippt auf einen Spion. Da der Fokus sehr schnell auf dem Hauptverdächtigen liegt, ist jetzt vor allem interessant, wie Micky den Spion letztlich überführt und (dank Goofys Hilfe) zur Strecke bringt.

 

Interessant ist bei beiden Bencivenni-Stories die Konstellation Micky, Atömchen, der Professor UND Goofy – letzterer spielt sonst, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle, wenn Micky und Atömchen miteinander zu tun haben.

 

Bei der Wiederveröffentlichung wurde Atömchens Kolorierung von hautfarben zu blau korrigiert und der Name des Professors von „Professor Mandakus“ in „Professor Wunderlich“ geändert.

 

Eine riskante Mission (EV)

 

Die zweite von Scarpas zwei Atömchen-Kurzgeschichten aus den 60ern: Wie schon bei „Maxis wilde Abenteuer“ geht es auch hier um eine Transportmission aus der vierten Dimension auf die Erde, bei der Maxi und Atömchen zusammenarbeiten. Kater Karlo bekommt Wind von der Sache und treibt ein übles Spiel mit den Beiden.

 

Die von Cavazzano getuschten Zeichnungen sind deutlich fahriger und nervöser als Scarpas frühere und spätere Werke. Die Geschichte ist vielleicht kein Meisterwerk, aber eben doch  mehr als nur solide.

 

Launische Teilchen (EV)

 

Während die beiden mehrteiligen Atömchen-Abenteuer Castys kaum Wünsche offenlassen, fällt diese recht kurze Geschichte nicht nur im Vergleich doch seltsam stark ab. Hatte Casty nicht gesagt, dass er die Trilogie erst nach langem Überlegen veröffentlichen wollte, weil es ihm wichtig war, dass die Geschichten den Scarpa-Vorlagen gerecht werden? Nun, bei „Launische Teilchen“ kann davon leider nicht die Rede sein, die Geschichte ist zwar reich an Gags, aber auch reich an Logiklücken und kommt ungewöhnlich klamaukig daher. Dass Casty nicht selbst gezeichnet hat, unterstreicht den Eindruck der Zweitrangigkeit des Abenteuers, obwohl Lorenzo Pastrovicchio durchaus nett zeichnen kann.

 

Inhalt: Micky muss herausfinden, warum sich die Schokoladenfüllung von Gebäckteilchen immer wieder in Vanillecreme verwandelt. Dabei spielt ein merkwürdiges instabiles Element namens „Schadium“ eine Rolle, das Micky und Atömchen ziemlich an der Nase herumführt…

 

Wie gesagt – als Gagstory in Ordnung, aber mit den anderen beiden modernen Atömchen-Geschichten kann „Launische Teilchen“ auf gar keinen Fall mithalten. Und die Mikrowelt in Scarpas „Riskanter Einsatz“ hat mir deutlich besser gefallen.

 

Es handelt sich aber wohl gar nicht um einen Teil der „Trilogie“ – Casty hat nämlich noch eine Atömchen-Story angekündigt.

 

Mickys Abenteuer: Rätsel (EV)

 

Immerhin ein akzeptabler Einseiter, der aber besser zu Indiana Goof gepasst hätte.

 

In der vierten Dimension

 

(Nachdruck  aus LTB 76)

 

Am Ende steht der Klassiker, den wahrscheinlich eh schon jeder kennt, aber der für die anderen Geschichten in diesem Band nicht ganz unwichtig ist. Erzählt wird das erste Aufeinandertreffen von Micky und Atömchen, wobei man lange Zeit gar nicht weiß, was wirklich dahinter steckt. Zwar sind Zuckerwatte- und Leuchtschnee mitten im Sommer selbst in Entenhausen alles andere als alltäglich, aber in den Radiodurchsagen entpuppen sich die Aktionen als Werbegags. Micky ist die ganze Sache aber zu Recht suspekt und bei seinen Nachforschungen stößt er auf die unheimliche Wahrheit: Hinter den Vorkommnissen steckt tatsächlich ein Erpresser, der damit droht, die Stadt mit Juckpulver zu beregnen! Die Radiodurchsagen wurden von der Polizei in Auftrag gegeben, damit keine Panik aufkommt.

 

Micky und Inspektor Issel ermitteln in alle Richtungen, aber ohne Erfolg. Erst als ein seltsamer kleiner blauer Kerl bei Micky auftaucht, klären sich die Zusammenhänge langsam auf…

 

Die Geschichte bleibt bis zum theatralischen Showdown spannend und gehört ganz sicher zu den allerbesten Maus-Comics aller Zeiten. Romano Scarpa zeigt hier, dass er als Autor und Zeichner eine absolute Ausnahmestellung einnimmt, denn „In der vierten Dimension“ setzt logisch die Tradition der Gottfredson-Abenteuer fort, ohne eine bloße Imitation zu sein. Schade nur, dass die Farbgebung nicht überarbeitet wurde, denn da hat sich seit 1959 schon einiges weiterentwickelt. Außerdem ist die deutsche Übersetzung etwas entschärft (auch wenn das nicht wirklich stört).

Casty-Cover zu Maus-Edition 8

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Über Spectaculus 6 Artikel
Ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!! Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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