LTB 519 – Die Bestie von Duckenburgh

Dagobert, Donald und Tick, Trick und Track im Vordergrund - Duckenburgh und Monsterkatze im Hintergrund
Cover LTB 519

6,50 €, 250 S.

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Das Cover ist recht stimmungsvoll, die Gesichtsausdrücke der Ducks finde ich aber nicht so toll.

 

Die Bestie von Duckenburgh

 

Dagobert kehrt mal wieder an seine frühere Heimat zurück. Die Duckenburgh ist am Verfallen, und ohne einen neuen Hausmeister wird die Sache nicht besser. Aber seit das Gerücht umgeht, dass eine schwarze Monsterkatze aus der keltischen Legende namens Cait Sith auf dem Gelände umgeht, will erst recht niemand mehr etwas mit der Duckenburgh zu tun haben.

 

Fecchis Zeichnungen sind absolut fantastisch, und man kann sich kaum einen besseren Zeichner für die Geschichte vorstellen. Die Story nimmt gekonnt Bezug auf Carl Barks und Don Rosa, wobei Rosas „Ein Brief von daheim“ bewusst ausgeklammert wird (und das zu Recht, wie ich finde – beim Wiederlesen hat mir die Geschichte nichts gegeben). Geschickt eingewobene Zitate aus „Sein Leben, seine Milliarden“ und „Das Gespenst der Duckenburgh“ sorgen in erster Linie beim erfahrenen Leser für Schmunzler (so ähnlich hatten wir das ja auch schon mal bei „Der Kolumbusfalter kehrt zurück“ in LTB 499).

 

Das Problem dabei ist, dass Maya Åstrup fast nur bekannte Elemente verwendet. Wer sich im Kosmos von Barks und Rosa auskennt, der wird hier wenige Überraschungen finden. Tatsächlich hatte ich schon beim Anblick des Covers eine recht klare Vermutung, wie das Ganze ablaufen könnte – und es kam dann (bis auf ein paar Details) genau so, wie ich dachte! Die Ahnen der (Mc)Ducks wurden bei Rosa auch deutlich subtiler eingebaut, auch wenn diese Interpretation nicht ohne Reiz ist. Das Kunststück, die Widersprüche bezüglich der Duckenburgh zwischen Barks und Rosa zu lösen, gelingt Åstrup nicht, aber das war wohl auch nicht ihr Ziel. Überzeugend finde ich die Schlusswendung, die zudem LTB-tauglich eine gute Moral in den Vordergrund rückt. Insgesamt eine mehr als solide Geschichte, mit viel Atmosphäre und Zitaten, aber wenig Eigenem, und für meinen Geschmack auch zu schnell vorbei. Man hätte die Ducks ruhig noch ein wenig zappeln lassen können 😉 GUT+

 

Wie im falschen Film

 

Donald meldet sich auf eine Arbeitsstellenanzeige und erlebt flugs einen Marathon an brenzligen Situationen. Das Ganze hat eine halbwegs logische Erklärung, aber am besten, man schaltet sein Hirn einfach aus und fiebert mit Donald mit, wie er sich in höchster Gefahr verhält.

 

Alessio Coppola ist ähnlich wie Roberto Vian ein Zeichner, der stark von Giorgio Cavazzano beeinflusst ist. Auch wenn man Coppola an einigen Gesichtsausdrücken und Posen erkennt, kommt er seinem Vorbild mittlerweile qualitativ extrem nahe – die Zeichnungen sind schlicht perfekt. Echt bedauerlich, dass er so wenig produziert. Ob er auch als Autor noch einer der ganz Großen wird… mal sehen. Ein Meisterwerk ist die Geschichte sicher nicht, aber Donald kann er gut schreiben (und das hat er wiederum mit Cavazzano gemeinsam, der ja auch einige Male als Autor in Erscheinung getreten ist). GUT+

 

Invasion der Jedermanns

 

Au weia. Von Fausto Vitaliano bekamen wir zuletzt das tolle „Dr. Maus“ zu lesen, aber damit kann diese Geschichte, Mickys einziger Auftritt im Band nicht mal ansatzweise mithalten. Alleine die trashige Außerirdischen-Invasion ist ein schwieriges Thema, allzu oft kommt Murks raus (besonders gerne bei Egmonts Kurzhosenmicky, siehe „Die Invasion der Schildkrötenmenschen“ oder „Der fingierte Auftrag“). Als Murks würde ich dieses Werk nicht bezeichnen, es ist aber auch keine Sternstunde. Nicht zuletzt, weil der typische Vitaliano-Humor kaum vorkommt. Das eigentliche Problem ist aber die Konstruktion der Geschichte. Es geht alles viel zu schnell, die Erklärungen überzeugen mich hinten und vorne nicht (Achtung, jetzt kommen Spoiler). Ein Spray, das Plastik einfach so auflöst? Momentan eher Wunschdenken. In Entenhausen ist prinzipiell alles möglich, aber eine solch revolutionäre Neuerung „quasi nebenbei“ einzuführen, passt nicht. Künstliche Bäume aus Plastik, die Sauerstoff produzieren sollen? Wie soll das überhaupt funktionieren? Wieso hat der Bürgermeister einen solchen Beschluss, der nicht nur alle Bürger, sondern auch die gesamte Tier- und Pflanzenwelt Entenhausens betrifft, dermaßen schnell und ohne Gemeinderatsabstimmung beschlossen; wie kann das überhaupt durchgeführt werden, bevor Micky von dem Vorhaben Wind bekommt? Wieso leuchten die Sensoren der Außerirdischen auf, bevor die Bäume ausgetauscht wurden, und wie kann der Austausch der Bäume innerhalb von so kurzer Zeit den Sauerstoffgehalt in der Stadt beeinflussen? Warum sind die Roboter ausgerechnet aus Plastik? Warum sehen sie menschenartig aus, wenn sie doch offenbar aus einer Zeit stammen, in der es noch gar keine Menschen gab? Wieso bekommt Micky keinen hypnotischen Anruf, und wie bekommen die Aliens/Roboter mit, dass Micky Goofy aus der Hypnose geholt hat… die Liste der unerklärbaren Fragen ist so dermaßen lang, dass ich eigentlich nicht mal mehr eine Mittelmäßig-Bewertung vergeben kann. Umweltschutz ist ja ein löbliches Ziel und sollte immer wieder thematisiert werden, aber da gab es schon viel bessere Versuche. Zumal wird die Krux  des Plastikproblems ja gar nicht richtig angegriffen: Was sollen denn Kinder nach der Lektüre der Geschichte denken? „Ach, ich kaufe einfach weiter jede Menge Plastik, irgendwann wird man das schon mit so einem Spray auflösen können“? Auch Marco Mazzarellos immer l(i)ebloser werdende Zeichnungen geben mir nichts. Tja, das nennt man dann wohl SCHLECHT+

 

König des Chaos: Eine Frage der Technik

 

Dussel-Einseiter von Enrico Faccini. Nicht ganz schlecht, aber auch nicht ganz gut. Irgendwie symptomatisch für den Band. Es ist übrigens der einzige Duck-Comic ohne Dagobert…

 

Der Herr der Hähne

 

Dagobert will mehr Umsatz machen. Da Feste ein Garant für schwarze Zahlen sind, denkt er sich ein „Wasserfest“ aus (geknüpft an eine ziemlich blödsinnige Anekdote), und Donald soll sich dafür den Rücken krummschuften. Als ob er als Phantomias nicht schon genug zu tun hätte! Und dann greift auch noch Klaas Klever ein und beauftragt die Panzerknacker, das Fest zu sabotieren.

 

Bis kurz vor Schluss ist das ja alles noch schön und gut, und man kann sich vielleicht an ähnlich gelagerte Geschichten wie „Im Auge des Gesetzes“ erinnert fühlen. Aber dann passiert eine Wendung, die so unglaubwürdig und weit hergeholt ist, dass mir das ganze Konstrukt verleidet ist. So etwas wäre ja selbst in einer Weihnachtsgeschichte zu kitschig-kindisch.

 

Roberto Vian taucht in dem Band gleich drei Mal auf. Darüber kann ich mich irgendwie nicht freuen: Zwar sind seine Zeichnungen oft noch recht detailliert, dennoch hat auch bei ihm eine gewisse Abstraktion bzw. Vereinfachung eingezogen, die manchmal seltsame Blüten treibt (Dagoberts Schwanzfedern, die sogenannten „Papiervögel“, Donalds Hand auf S. 117), und seine ständig wiederholten Posen (ausgestreckter Finger usw.) gehen mir nach einer Weile irgendwie auf die Nerven. MITTELMÄßIG+

 

Dufte Geschäfte

 

Dagobert hat Probleme mit seinem Geruchssinn. Er scheint keine vielversprechenden Geschäfte mehr zu wittern! Also ab aufs Land. Dort kommt er auf eine Idee…

 

Holla, ein Déjà-Vû-Erlebnis! Gab es nicht vor Kurzem eine Geschichte, in der Dagobert und Baptist und Tee vorkamen und die von Lucio Leoni gezeichnet war? Genau, das war „Tee ohne Ende“. Und auch diese Geschichte ist sicher klar von Rodolfo Ciminos metaphysischen Storys inspiriert (siehe Spezialfahrzeug). Aber diesmal komme ich nicht mehr mit. Weder verstehe ich, wie das komische Gerät eigentlich funktionieren soll, noch die folgenden Entwicklungen. Ich dachte, die Fähigkeit, lohnende Geschäfte zu „erschnuppern“, wäre eine Spezialität von Dagobert, so ähnlich wie die „Goldnase“? Wieso hat jetzt plötzlich jeder lohnende Ideen, nur weil ein bisschen Wind durch die Stadt weht? Das macht doch gar keinen Sinn!

 

Dass dann auch noch die Panzerknacker bemüht werden, um die Verwicklungen irgendwie wieder zu beseitigen, gibt dem Ganzen den Rest. Schade um Leonis Zeichnungen und einige durchaus witzige Szenen zu Beginn. MITTELMÄßIG+

 

Duck’scher Geheimdienst: Voll versemmelt

 

Donald und Dussel sollen einen etwas schrulligen, aber genialen Bäcker namens Wlady Broht (!) zu Dagobert bringen und dabei vor Abwerbungsversuchen der Konkurrenz schützen. Und davon gibt es reichlich…

 

Die Agentenparodien des DGD spalten seit Langem die Geister. Rein von der Geschichte her ist diese hier eine der besseren in jüngerer Zeit, denn erstens ist das Szenario recht witzig („Ich sprinte dem Feind mit meinen Eilbrötchen davon“) und hat besonders gegen Ende auch ein paar neue Einfälle zu bieten.  Aber was für ein Kulturschock! Nach den liebevollen, detaillierten und ausdrucksstarken Zeichnungen von Lucio Leoni kommt… Alberto Lavoradori. Auch wenn es in der Geschichte um leckere Backwaren geht, so wird mir von Lavoradoris Bildern eher übel. Ich könnte Stunden darüber schreiben, wie er Perspektiven falsch darstellt, den Figuren abstrus-unnatürliche Körperhaltungen und viel zu eckige Gesichter verpasst, oder keinen einzigen Hintergrund erkennbar darstellt. Auch die Kolorierung ist keine Hilfe: Viel zu bunt und völlig ohne Schattierungen oder Farbverläufe, die wenigstens noch ein bisschen was retten könnten, sorgen sie für weitere Verwirrung. Dabei merkt man an wenigen Stellen, dass Lavoradori durchaus noch könnte, wenn er denn wollte (oder sind die Zeiten von „Die rätselhaften Zwillingsvölker“ oder „Der goldene Totempfahl“ endgültig vorbei?), aber er scheint die Seiten einfach ohne viel Aufwand dahinzurotzen. Irgendwann fällt mir auch auf, dass die Agentenkleidung von Donald und Dussel nur deswegen einen so hohen Kragen hat, damit der Zeichner meistens nur unvollständige bzw. angedeutete Gesichter auf Papier bringen muss! Unglaublich. Unverdaulich. Schade um die gute Story. MITTELMÄßIG+

 

Piraten im Netz

 

Wieso erscheinen in letzter Zeit so viele ältere Geschichten, die in virtuellen Welten spielen? „Halunken von heute“ (LTB 507), „Der digitale Dieb“ (LTB 517), jetzt das hier…

 

Dagoberts neuer Supercomputer wird von einem Virus befallen, sodass Phishing-Mails verschickt werden und die Kontos von Entenhausenern leer geräumt werden.

 

Schnarch. Waren die anderen erwähnten „Digital-Geschichten“ noch einigermaßen spannend und unterhaltsam inszeniert, herrscht hier große Langeweile. Ganz nett ist noch die Frage, wie der Virus überhaupt auf den Rechner kam, aber ansonsten gibt die Story gar nix her. Immerhin sind Vians Zeichnungen (von 2006) hier noch ein wenig lebendiger, flüssiger und klassischer als seine heutigen. MITTELMÄSSIG

 

Ein harter Brocken

 

Roberto Vian zum Dritten, obwohl fälschlicherweise Luciano Gatto drunter steht – aber dass das hier nicht von Gatto ist, dürfte selbst ungeübten Lesern auffallen. Also stammt die Geschichte von demselben Team wie „Der Herr der Hähne“.

 

Erst vor Kurzem wurden Inspektor Steinbeiß‘ familiäre Hintergründe ja in LTB Crime 1 von Faraci/Cavazzano gekonnt beleuchtet. Aber wer eine Fortsetzung erwartet hat, könnte enttäuscht werden, denn es geht zwar nach Texas, aber nicht nach Semikola, sondern nach San Felsco. Auch dort gibt es Steinbeiß-Verwandte, und einer gerät in Verdacht, Steine geklaut zu haben, denen man magische Fähigkeiten nachsagt. Deswegen reisen Steinbeiß und Issel dorthin, um die Sache aufzuklären. Es wird wirr…

 

Irgendwie werde ich mit der Geschichte nicht warm. Matteo Venerus versucht sein Bestes, aber er kommt nicht mal ansatzweise an Tito Faraci heran. Dafür sind viel zu wenig Gags vorhanden, und die wenigen, die da sind, zünden nicht wirklich (Marmortorte). Die Gesamtkonstruktion wirkt sehr bemüht, das Thema an sich ist eher uninteressant und die Motive der handelnden Personen sind nicht überzeugend herausgearbeitet. Vians Zeichnungen bieten zwar einige schöne Landschaftsbilder (und Steinbeiß hat er recht gut drauf), aber in den Nahaufnahmen finde ich sie oft überladen und unübersichtlich – auf S. 220 sieht es so aus, als ob die Figuren alle irgendwie in der Luft schweben würden, und diese Handgeste auf S. 223 oben rechts… ohne Worte! Mit viel Wohlwollen GUT-

 

Von Pelikanen und Preziosen

 

Auch noch ganz annehmbar ist die Abschlussgeschichte. Donald (als Schiffsjunge) und seine Neffen fahren in die Südsee und landen auf der Pelikaninsel. Dort leben die Ureinwohner in Eintracht mit den Pelikanen. Das will der Kapitän ausnutzen, denn die Pelikane haben eine Schwäche für Glitzerndes. Im Prinzip leidet die Geschichte ähnlich wie „Der Herr der Hähne“ unter der plötzlichen „deus ex machina“-Wendung. Diesmal ist es wenigstens eine bekannte Figur, die ins Geschehen eingreift, und kein Fabelwesen, aber es wäre trotzdem viel befriedigender gewesen, wenn sich Donald und seine Neffen alleine behauptet hätten – oder Hilfe von den Inselbewohnern bekommen hätten. Trotz diesem Stimmungsdämpfer und auch ansonsten einer ziemlich wackeligen Konstruktion (arg viele Zufälle!) immerhin eine ganz nett zu lesende Geschichte, Ottavio Panaros Zeichnungen reißen mich aber nicht vom Hocker. GUT-

 

Fazit:

 

Es gab schon deutlich bessere LTBs. Eine Topstory kann ich beim besten Willen nicht entdecken. Die Titelstory ist sogar noch am nächsten dran, aber ich habe mich letztendlich gegen eine Topwertung entschieden, weil sie einfach nicht genügend Spannung aufweist – was beim Thema mit etwas mehr Seiten ja durchaus machbar gewesen wäre. Auch die Coppola-Kurzgeschichte hat mich noch recht gut unterhalten, danach bleibt aber jede Geschichte in ihren Ansätzen stecken, und dass ausgerechnet die Vitaliano-Maus mit am schlechtesten abschneidet, tut mir wirklich Leid. Durch die starke Dagobert-Präsenz und gleich drei Mal Zeichner Roberto Vian sowie Autor Matteo Venerus mangelt es auch ein wenig an Abwechslung. Ein merkwürdiger neuer Wind scheint bei den Übersetzungen Einzug gehalten zu haben. An das andauernde „Umpf!“ habe ich mich mittlerweile schon gewöhnt, aber was soll das „Tse“? Wurde das Lektorat von der Tse-Tse-Fliege gestochen oder was? So spricht doch niemand…

 

Zum Glück sieht der Inhalt von LTB 520 deutlich vielversprechender aus. Alleine die Dalí-Hommage von Roberto Gagnor und Giorgio Cavazzano mit Donald, Micky und Goofy dürfte für viele ein Kaufgrund sein. Man kann gespannt bleiben.

Bewertung

LTB 519 – Die Bestie von Duckenburgh

Cover LTB 519 6,50 €, 250 S.   Das Cover ist recht stimmungsvoll, die Gesichtsausdrücke der Ducks finde ich aber nicht so toll.   Die Bestie von

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Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!! Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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