LTB 514 – Der große Wurf

6,50 €, 256 Seiten

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Zu jedem großen Fußballereignis gibt es mindestens einen Comic, meistens eher drei (einen dänischen im MM-M, einen dänischen im LTB und einen italienischen, der dann einige Jahre zu spät in einem Extra auftaucht und alle deutschen Leser nachhaltig verwirrt). Eher neu dagegen ist das Aufspringen auf andere sportliche Trends wie Anfang 2018 mit „Auf die Piste, fertig, los!“. Nun also Darts. Dazu ein vieldeutiger Titel, der etwas nach Selbstbeweihräucherung klingt. Und die Frage: Wie kann ein LTB, das auf das bereits jetzt schon legendäre LTB 513 folgt, der „große Wurf“ sein?

Der große Wurf

Die Titelgeschichte ist von Gorm Transgaard geschrieben, der in letzter Zeit öfters negativ mit relativ uninspirierten „Auftragsarbeiten“ aufgefallen ist. Die Zeichnungen sind diesmal jedoch nicht von einem der drei etablierten Egmont-Zeichner Fecchi, Andersen oder Cavazzano, sondern von Andrea Ferraris, der früher ein häufiger Gast im LTB war – dies ist jedoch sein LTB-Debüt als Zeichner einer D-Code-Geschichte (I/D-Kollaborationen wie „Der Multiplikator des Simplicius“ mal ausgenommen).

Donald will hier seinem alten Schulfreund (von dem wir natürlich noch nie zuvor gehört haben…) Rex Triffnix helfen, denn der geht gerade bei der Darts-WM unter, und Donald soll ihm seine Glücksdarts zum Tournier nach England bringen. Dabei geraten er und seine Neffen jedoch mitten in einen Fall von Antiquitätenschmuggel. Die Polizei hält die Ducks für Gauner, und die Gauner halten Donald für „Luigi“ und lassen unsere Helden in einem Schrank abtransportieren! Na toll…

Inhaltlich gibt es an der Geschichte wenig auszusetzen, abgesehen davon, dass die Darts eigentlich nur der Aufhänger für die Geschichte sind. Als Käufer kann man sich da aber schon etwas verschaukelt fühlen, denn das Cover suggeriert (siehe auch LTB 503) etwas Anderes. Aber wenn man Verwechslungskomödien und (seichte) Krimis mag, kommt man hier auf seine Kosten, zumindest gefällt mir die Geschichte deutlich mehr als das Meiste, was ich in letzter Zeit von Transgaard lesen durfte.

Mit den Zeichnungen kann ich dafür nicht so viel anfangen. Andrea Ferraris ist sowieso nicht einer meiner Lieblingszeichner, aber hier wirken die Bilder teilweise leer und die Figuren gehen manchmal schon ins Groteske (Donald auf S. 11, Mitte rechts). An einigen Stellen versucht die Kolorierung, das, was fehlt, irgendwie zu ergänzen (ebenfalls S. 11 unten rechts). In Enten-Edition 59 kann man sehen, wie viel schöner seine „italienischen“ Zeichnungen sind. Fecchi wäre mir hier lieber gewesen.

Insgesamt ein netter, aber nicht weltbewegender Auftakt, aber, wenn man mich fragt, doch besser als alle D-Codes der fünf vorigen Bände. Gut+

Die Annalen der Zukunft

Ein langweiliger Neujahrsempfang wird deutlich interessanter, als der Gastgeber eine Maschine vorführt, in der man Zukunftsvisionen früherer Epochen erleben kann. Erst einmal dort angekommen, stellt sich die Sache allerdings als Falle eines bekannten Bösewichts heraus, der damit gleich mehrere Dinge erledigen will, inklusive Micky…

 

Ich mag Matteo Venerus, gerade seine Weihnachtsgeschichten und die neueren Episoden von „Kampf der Zauberer“ gehören mit zum Schönsten, was in letzter Zeit so in Italien entstanden ist. Aber diese Geschichte hinterlässt mich doch mit zu vielen Fragezeichen. Wer z.B. ist diese Klarabella ähnelnde Zäzilie? Und wie genau hängen jetzt eigentlich der Kodex und die verschiedenen Realitäten (?) miteinander zusammen? All das führt am Ende dazu, dass die Geschichte mich nicht richtig begeistern kann. Nicola Tosolinis Zeichnungen, ungewohnt im Maus-Kontext, sind aber recht gelungen. gut

Projekt „Superzelle“

Teil 1: Genie gegen Superhirn

In der „Superzelle“ soll Destruktor, das permanent abgespaltene bösartige Alter Ego von Daniel Düsentrieb (siehe hierzu v.a. „Genie und Wahnsinn“ sowie „Wahnsinn mit Methode“), eingesperrt werden. Die befindet sich nicht auf Sing-Sing, in Alkaselz oder in Ping-Pong, sondern im Eis! Düsentrieb hat das Ganze entworfen, und damit ist es klar, dass Destruktor recht schnell einen Weg findet, sich herauszumogeln. Gleichzeitig schickt Donald seinen Phanto-Robot zu einem Ehrenempfang, um Verpflichtungen mit Daisy nachzukommen. Destruktor sackt Dagobert, Düsentrieb und was er für Phantomias hält ein und plant seine Rache…

 

Die Idee, eine Geschichte mit Cliffhanger auch als solche im LTB zu präsentieren, finde ich per se nicht schlecht. Es stört aber den Lesefluss doch etwas, wenn die Geschichten zwischen Teil 1 und 2 nicht zu der Situation am Ende von Teil 1 passen. Hier sind Dagobert und Düsentrieb am Ende von Teil 1 in einem Zylinder gefangen, dennoch treten sie wie selbstverständlich in zwei Comics dazwischen auf. Eine bessere Abfolge wäre in meinen Augen diese gewesen: Wurf, Superzelle Teil 1, Annalen, 3000, Meisterschurken, Teil 2, Ein seltenes Stück, Voller Energie, O.M.A.

Die 3000

Die Entenhausener Panzerknacker sollen das große Familientreffen ausrichten, bei dem alle 3000 Mitglieder der über die ganze Welt verstreuten Bande zusammenkommen und feiern. Andere Untergruppen haben die Latte hoch gehängt, und so kommt man auf die Idee, einen Dampfer namens „Dreitausend“ zu mieten und damit eine Kaperfahrt zu starten. Erst auf dem Schiff stellt sich heraus, wer der Kapitän ist…

 

Ich bin kein großer Faccini-Fan, erkenne aber gerne an, dass der Mann gute und ungewöhnliche Geschichten geschrieben hat. Aber diese Geschichte verliert außerhalb ihres ursprünglichen Kontexts (sie stammt aus dem 3000. Topolino, in dem alle Comics mit der Zahl 3000 zu tun haben) einiges an Reiz. Dafür, dass sie eine Gagstory sein will, enthält sie erstaunlich wenige Gags, von denen ich auch gerade mal einen („dieses Schiff hat nur Sprit für 3000 See-Meter“) so halb-lustig finde. Und das Potenzial der vielen verschiedenen Panzerknacker wird völlig verschwendet: IQ wird nicht um Hilfe gebeten, sondern steht nur dumm rum, auch ansonsten gibt es kaum Interaktionen, weder freundschaftlicher noch rivalisierender Art – obwohl einige der altbekannten Panzerknacker schon in der Vergangenheit mit den Entenhausener Knackern aneinandergeraten sind. Die Frage, wie die Polizei das Schiff denn in den Hafen bekommen hat, wird überhaupt nicht geklärt, oder warum die Panzerknacker verhaftet werden (okay, es sind Verbrecher, aber wie funktioniert die Justiz in Entenhausen eigentlich?)… ebenso bleibt die Frage, wieso die Panzerknacker den Kapitän eigentlich nicht schon vorher getroffen haben, etwas im Nebel.  Schlussendlich nervt es mich, dass der Kapitän (ja, es ist eine bekannte Figur, aber ich muss ja nicht alles spoilern, oder?) so dermaßen übertrieben charakterisiert werden muss. Und – ich wiederhole mich – auch da hat Faccini schon deutlich bessere Arbeit geliefert.

 

Damit bleibt lediglich die Freude über einige recht schöne Zeichnungen in den großformatigen Bildern und ein paar nette Ansätze, die aber für meinen Geschmack gnadenlos in einem Meer aus Mittelmaß absaufen. Mittelmäßig+

 

Kampf der Start-Apps

Dagobert fehlt es an geschäftlicher Inspiration. Als er hört, dass Klaas Klever junge App-Entwickler fördert, steigt er kurzerhand ebenfalls in diesen noch recht jungen Geschäftsbereich ein. Als Team stehen jede Menge Freunde und Verwandte zur Seite. Aber Klever ist von der Entwicklung nicht gerade begeistert.

 

Auch Venerus‘ zweiter Geschichte fehlt es irgendwie an dem mitreißenden Funken. Gut finde ich, dass der Plot trotz eindeutiger Verankerung im Hier und Jetzt nicht abgehoben wirkt, somit kann man auch als Nicht-Technikfreak wie ich dem Ganzen etwas abgewinnen. Interessant auch, wie viele Figuren aus dem Duckiversum in einen Geldspeicher passen (wenn schon Gitta und Kuno normalerweise eher selten gern im Speicher gesehen sind, was soll man dann zu Habakuk sagen?!). Libero Ermetti ist meines Wissens nach noch nicht oft bei uns in Erscheinung getreten, seine Zeichnungen erinnern ein wenig an Stefano Zanchi bzw. an Andrea Frecceros Stil bei Covers und sind ziemlich schön anzuschauen. Die Hälse und Beine wirken vielleicht etwas dünn, daran gewöhnt man sich aber schnell. gut

 

Meisterschurken unter sich

Kater Karlo will einem Angeber beweisen, dass er ein absoluter Meisterschurke ist, indem er das Diadem des schwarzen Pharaos aus dem Entenhausener Museum klaut. Das ist jedoch nur der Anfang einer Reihe von Problemen, denn das Artefakt soll Unglück bringen. Und in der Tat: Karlo wird sofort von schlimmen Unglücksfällen heimgesucht.

 

Kater Karlo und Schnauz sind ein gern gesehenes Team, aber nicht alle Künstler können den beiden wirklich Interessantes abgewinnen. Gabriele Mazzoleni ist ein Autor, der es kann – siehe „Die Maus ist raus“ – und Ettore Gulas ausdrucksstarke Zeichnungen passen erneut wie die Faust aufs Auge. So wird die Geschichte trotz ihrer bekannten Versatzstücke (Fluch des Pharao + Ganovenstreit mit doppeltem Boden, siehe auch z.B. „Knastbruder des Jahres“) dank der gelungenen Inszenierung und einer enorm hohen Gagdichte (darunter auch ein Meta-Scherz vom Übersetzer) zum Lesegenuss und Highlight des Bandes. Top-

 

Voller Energie

Ein dreiseitiger Einseiter? Seltsam. Hätte es nicht gebraucht.

Projekt „Superzelle“

Teil 2: Genie gegen Superheld

 

Donald erfährt übers Fernsehen, dass Phantomias mittlerweile als Krimineller gilt und Dagobert Duck offenbar seinen Besitz verschenkt. Was er nicht weiß: Der wildgewordene Phantomias-Roboter ist nicht der von ihm losgesandte, sondern ein von Destruktor gebauter, und so nimmt Phantomias unbeabsichtigt dessen Platz ein. Destruktor will ihn aufschrauben…

Viel geschieht in den insgesamt 44 Seiten, und nicht alle Zusammenhänge passen am Ende noch hundertprozentig zusammen. Außerdem sind Giada Perissinottos Zeichnungen zwar sehr schön, aber irgendwie nicht düster genug für die Destruktor-Saga. Dennoch ist „Projekt Superzelle“ eine unterm Strich gelungene Geschichte, die vom mehrmaligen Lesen profitiert. Gut+

Destruktor hat hiermit übrigens seinen siebten Comic-Auftritt und war auch schon auf sechs Covers zu sehen (leider nicht bei uns!), muss also mithin als wiederkehrende Figur gelten. Allerdings ist seit 2015 kein Comic mehr mit ihm in Italien erschienen. Mal sehen, ob da noch was kommt, die Möglichkeit für eine Fortsetzung wird ja zumindest explizit offen gelassen.

O.M.A. (30): Kosmische Tierwesen (und wo sie zu finden sind)

Es gibt einen neuen Auftrag für Donald und Dussel als Agenten der O.M.A., aber abgewehrt werden soll diesmal eher eine menschliche Bedrohung, denn auf einer tropischen Insel hat eine kosmische Riesenschildkröte ihre Eier abgelegt. Dort will jedoch Klaas Klever ein Touristenzentrum bauen. Nun liegt es an Donald und Dussel, das zumindest so lange zu verhindern, bis die Jungen geschlüpft sind. Der Plan des Chefs ist einfach: Mithilfe der Holoprojektoren sollen Donald und Dussel den Arbeitern Angst einjagen. Allerdings taucht dann Hubertus Humbug auf, und der ist bekannt dafür, dass er dem Schein nicht unbedingt glaubt… es braucht nun auf einen ziemlich wahnwitzigen Plan, um die Situation zu retten.

Die O.M.A., mittlerweile bei ihrer 30. Folge angekommen und seit 2015 nicht mehr von Lars Jensen, sondern von Byron Erickson geschrieben, polarisiert ja gerne mal. Hier können sich die Geister an der kosmischen Riesenschildkröte scheiden. Okay, ein bisschen an den Haaren herbeigezogen, aber… sympathischer als viele der bisher in der Reihe aufgetretene Monster ist sie schon mal, und die Mixtur aus Umweltthema und Sci-Fi/Fantasy funktioniert hier auch weit besser als z.B. bei Q-Galaxy. Im direkten Vergleich mit der inhaltlich wohl ähnlichsten älteren Episode „Kommando Krake“ (wo ebenfalls Klever Antagonist war) gefällt mir „Kosmische Tierwesen“ in fast allen Belangen deutlich besser. Besonders Donald hat hier mal einen richtig guten Moment erwischt und zeigt (ähnlich wie übrigens in der Titelstory), dass er auch in dänischen Geschichten nicht unbedingt ein Trottel sein muss. Überhaupt finde ich die „OrchIdee“ sehr interessant; darauf muss man erst mal kommen! Ebenfalls ungewöhnlich: Dass man von Klever lediglich ein Foto sieht und er über die gesamte Dauer der Story nicht selbst ins Geschehen eingreift. Und Erickson traut sich mittlerweile auch immer mehr, Elemente aus älteren Storys logisch weiterzuspinnen. Das war ja eigentlich ein Merkmal der O.M.A. unter Jensens Ägide, aber die Geschichten rechtfertigten diesen Umstand nicht unbedingt immer (ich erinnere nur an „Werwolf gesucht“, bei dem das Comeback von Leo Van Cortex geradezu fahrlässig verschenkt wurde).

Ganz wunderbar finde ich auch Flemming Andersens Zeichnungen. Der Mann kann von toll bis grausig alles, diesmal sind die  Bilder wieder sehr schön geraten. Viele großformatige Panels existieren offenbar nur aus einem Grund, nämlich um zu zeigen, wie viel Spaß Andersen bei der Sache hatte. Mir fällt auf, dass seine O.M.A.-Zeichnungen in jüngerer Zeit seinen sonstigen fast immer überlegen sind, sowohl technisch als auch vom Ausdruck her.

Meiner Meinung nach trotz des etwas unpassenden/unnötigen Titels eine schöne Geschichte, zudem unvorhersehbar und vergleichsweise komplex. Auf dem Niveau kann Erickson von mir aus gerne weitermachen (ich wünsche ihm allerdings etwas mehr Platz für seine Ideen, denn der Anfang wird am Ende gar nicht mehr aufgelöst). Top-

 

Ein seltenes Stück

Am Ende steht ein Plot, der so klassisch ist, dass man als LTB-Sammler kaum ums Gähnen herumkommt: Dagobert zeigt Donald einige seiner Misserfolge, darunter eine Filmrolle, die Donald schließlich zu Geld macht, was Dagobert aber wiederum gar nicht passt. Der Film hat nämlich eine recht interessante Geschichte…

 

Nicht nur der mit Abstand schlechteste Comic des Bandes, sondern auch generell eine der frustrierendsten Geschichten, die ich in letzter Zeit lesen durfte. Donald wollte doch nur helfen! Und angesichts dessen, wie die zunächst konsultierten Experten auf das Angebot reagieren, kann man ihn doch auch verstehen. Dagobert wäre es womöglich nicht besser ergangen. Ein derart schlechtes Ende gehört in meinen Augen definitiv nicht ans Ende eines Bandes, so hinterlässt man beim Leser einen ziemlich bitteren Nachgeschmack. Generell muss ich sagen, dass mir Giorgio Figus in letzter Zeit allzu oft negativ mit ziemlich uninspiriert heruntergespulten Plots aufgefallen ist, und von mir aus gerne etwas seltener auftauchen dürfte. Andrea Luccis Zeichnungen sind dann auch der einzige echte Pluspunkt. Mittelmäßig-

 

Fazit: LTB 514 ist nicht schlecht, mit dem Vorgänger kann es aber erwartungsgemäß nicht mithalten, und ein „großer Wurf“ ist es sicher auch nicht. Im Vergleich der LTBs 2018 steht es in meinen Augen im gehobenen Mittelfeld; wenn ich meine Bewertungen auswerte, ist 514 ähnlich gut wie 507 und besser als 512, 506, 509, 505, 511, 510 und 504, aber nicht so gut wie 513, 503, 508 oder 502.

 

 

Bewertung

LTB 514 - Der große Wurf

6,50 €, 256 Seiten Zu jedem großen Fußballereignis gibt es mindestens einen Comic, meistens eher drei (einen dänischen im MM-M, einen dänischen im LTB und

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Über Spectaculus 7 Artikel
Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!! Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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