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Ist Celeste ein Transgender-Videospiel?

Auch bei Videospielen wird es langsam, aber sicher, immer populärer über Themen zu sprechen, die in den Jahrzehnten davor viel zu kurz gekommen sind – so auch darüber, wie man mit Transgender-Identität und Sexualität umgehen soll. Das beste Beispiel dafür mag wohl das Videospiel „Celeste“ sein, das man jedoch nicht einfach kategorisieren kann, was das ganze Thema vielleicht sogar noch viel besser repräsentiert.

Celeste ist ein 2D-Jump’n’Run-Spiel der kanadischen Entwickler Maddy Thorson und Noel Berry, das 2018 erschien. Die Spekulationen um die Transidentität betreffen hierbei vor allem die Hauptprotagonistin, die der Spieler steuert, namens Madeline. Im Spiel versucht sie einen Berg zu besteigen, auf dem nicht nur tödliche Elemente warten, sondern auch verschiedene Charaktere und Situationen, denen Madeline ausgesetzt ist.

Madeline hat dabei mit einigen mentalen Problemen und Herausforderungen zu kämpfen, die sie jedoch angehen möchte – auch eine dunkle Reflexion ihrer selbst, die ihre Ängste und Probleme darstellen soll.

Ist Madeline aus Celeste trans?

Diese Handlung sorgte bei Spielern vor allem für mehr Fragen als Antworten, wie es bei Videospielen mit mysteriöser Story meist der Fall ist. Einige Spekulationen gingen dann davon aus, dass es sich bei Madeline aus Celeste vielleicht um einen Transgender-Charakter handeln könnte, der zwar als Mann geboren wurde, eigentlich aber eine Frau ist und mit der Genderdysphorie zu kämpfen hat.

Wie dann Ende 2020 durch einen Blogeintrag der Entwicklerin Maddy Thorson bekannt wurde, öffnete sich diese und gab bekannt, selbst trans zu sein. Sie war sich diesem Zustand während der Entwicklung von Celeste aber noch nicht bewusst. Gleichzeitig beantwortete sie auch die Frage, ob Madeline trans wäre wie folgt:

Well, yeah, of course she is. This feels painfully obvious to a lot of (mostly trans) people, and likewise it feels painfully obvious to me too, in retrospect. It has alsobecome painfully obvious to me that I, myself, am trans. But these are things that I was not aware of during the development of Celeste, where I was writing Madeline and speaking from her perspective. Creating Celeste with my friends helped me reach the point where I could realize this truth about myself. During Celeste’s development, I did not know that Madeline or myself were trans. During the Farewell DLC’s development, I began to form a hunch. Post-development, I now know that we both are.

Antwort auf die Frage, ob Madeline aus Celeste trans ist (Quelle)

In diesem Blogeintrag erklärt Thorson, dass sie durch die Entwicklung von Celeste und in den Monaten und Jahren danach zunehmend realisierte, dass sie sich eigentlich als Frau identifiziert und diese Identifikation auch auf den Charakter von Madeline eingeflossen wäre.

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Celeste war, wie weiter ausgeführt wird, nie als Transgender-Spiel geplant, wurde auf unbeabsichtigte Weise dann jedoch trotzdem eines, weil die Story aus einer Trans-Perspektive geschrieben worden wäre, was dem Team und Thorson damals aber noch nicht bewusst gewesen wäre.

Celeste ist trotzdem ein Spiel für alle, denn es geht um Menschen

Dabei stellt Thorson jedoch auch klar, dass Celeste zwar nicht als Spiel über eine Transgender-Persönlichkeit wie Madeline gedacht war, zwar trotzdem eines wurde, eigentlich aber von Menschen handle und deshalb auch von „Cisgender“-Menschen gespielt werden könne, weil die Emotionen nicht so weit auseinander liegen würden.

Gleichzeitig schreibt Thorson aber auch, dass Spieler von Celeste der Fakt, dass Madeline trans ist und man sich eventuell, auch als Cisgender-Person damit identifiziert hätte, eher bedeuten würde, dass man „transfeindlich“ wäre, wenn man mit dieser Erkenntnis ein Problem hätte.

In den finalen Kapiteln von Celeste („Farewell“) wird dann etwas deutlicher darauf eingegangen, während man in der vorherigen Story wohl nur kleine Details, aber keine wirklichen „Beweise“ für die Transidentität finden konnte, nach denen Fans immer wieder gefordert hatten.

Thorson beendet den Eintrag schließlich mit einer Zusammenfassung darüber:

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Die Antwort auf die Frage, ob Madeline trans ist, lautet also „ja“, auch wenn das bei der Entwicklung des Spiels noch nicht klar gewesen ist. Inwiefern Spieler das jedoch aufnehmen, liegt am Ende in den eigenen Händen, den meisten dürfte das beim Walkthrough nämlich nicht bewusst gewesen sein. Den kompletten Blogeintrag auf Medium kann man hier nachlesen.

Redaktion

Redaktion der Comicschau. Mehr Informationen finden sich auf der Seite des Teams.

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Random Joke

Sehr Interessante Thematik! Wirklich schön zusehen, dass die Entwicklerin durch ihre eignen Arbeit sich auch selbst besser kennenlernen konnten! Zeigt nur nochmals wie stark Kunst, sei es nun ein Videospiel oder was anderes uns beeinflussen kann und uns mehr lehren kann über uns selbst, besonders die Kunst der eigener Person! Freut mich zu hören, dass sie sich nun wohler auch mit sich selbst fühlt! Wie immer ein sehr guter Artikel, der schön neutral bleibt, wie man es hier gewohnt ist! ^^

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