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LTB Premium 24 – Das Rennen durch die Elemente

 

7.12.2019, 365 S., 9.95 €

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Das Cover ist eine schöne Neukomposition aus zwei Sciarrone-Covers zu „Raceworld“ (die sich im Original auch im Buch finden), aber die Figurenauswahl passt nicht so gut zum Inhalt. Über das ganze Buch betrachtet, ist Micky eindeutig die Hauptfigur. Die Titelgeschichte ist ein Crossover – das Cover mit Micky, Goofy, Karlo, Donald und Daniel Düsentrieb hätte das am besten widergespiegelt. Dass Micky nicht mal auf der Rückseite auftaucht, grenzt schon an Etikettenschwindel.

Aber halten wir uns nicht länger mit Vorgeplänkel auf und stürzen wir uns in die totale Sciarrone-Experience! Tatsächlich gibt es in dem Band nur ein Bild, das nicht von Sciarrone ist – nämlich die Vorschau auf den nächsten Band!

Das Rennen durch die Elemente

1. Kapitel: Wasser

2. Kapitel: Luft

3. Kapitel: Erde

4. Kapitel: Feuer

5. Kapitel: Jetzt geht’s um alles

Zwei Wesen, der Schöpfer und der Zerstörer, treffen sich in einer Bar am Ende des Universums. Thema: Das ultimative Rennen, ausgetragen von den Erdenbewohnern mit den besten Eigenschaften, gut wie böse. Diese werden prompt in die Schmiede katapultiert, wo sie sich Rennwagen zusammenbauen müssen. Und ab geht die wilde Fahrt durch vier Elemente plus eine bis kurz vor Schluss geheime Rennstrecke…

Gleich zu Beginn gibt es aber Ärger, denn Micky wurde in das Team Flamme eingeteilt – das Team des Zerstörers – und er verhält sich auch entsprechend böse wie sein Kollege, Kater Karlo. Aber das muss ja kein Dauerzustand bleiben. Dussel hat es mit einem ungewöhnlichen Beifahrer zu tun, der nicht von der Erde stammt. Und Donald? Im 313? Zusammen mit… Phantomias?! Na, das kann ja heiter werden!

In der Tat ist „Raceworld“ (wie die Geschichte im 2014 erschienenen italienischen Original heißt) alles andere als alltäglich. Autor Roberto Gagnor, hierzulande v.a. durch das überragende „Der unbezwingbare Berg“ sowie die Serie „Mickys Kunstgeschichte“ bekannt, hat selbst zugegeben, dass er hier von Marvel („Secret Wars“) beeinflusst worden ist. Dem Thema Autorennen hat er sich allerdings auch schon in einer deutlich geerdeteren Geschichte gewidmet, nämlich der DoppelDuck-Geschichte „Pole-Position“.

Die Entwicklungen der Charaktere sind für meinen Geschmack sehr gut gelungen, ebenso der generelle Handlungsverlauf. Ich habe auch das Gefühl, dass die schlechte Bewertung in Italien mit der wöchentlichen Veröffentlichung im Topolino zu tun hat – am Stück gelesen funktioniert das Ganze gut, in Einzelteilen würde es mir wohl deutlich weniger gefallen. (Trotzdem gab es in Italien bislang keinen gesammelten Nachdruck!)

Dass das böse Element deutlich stärker wirkt als das gute, ist aber diskussionswürdig, ebenso wie einige arg plötzliche Handlungssprünge. Und das Thema „Omegaalpha“ finde ich durchaus spannend, aber nicht gut genug herausgearbeitet: Auf S. 94 meint Daniel Düsentrieb „jetzt…geht’s plötzlich um absolut alles?“, aber ging es nicht von Anfang an darum (S. 24)?

Höhepunkt ist für mich die Enthüllung des ultimativen bösen Rennfahrers: Eine wirklich gelungene Überraschung, und Claudio Sciarrone zeichnet den Charakter wirklich hervorragend. Wenn wir schon dabei sind: Auch grafisch ist das Rennen außergewöhnlich. Nur sehr selten gibt es eine herkömmliche Seitenaufteilung. Es dominieren atemberaubende Riesenzeichnungen, die auch für ein paar etwas missglückte Figuren (Donald auf S. 17 oben) entschädigen. Ach ja: Da es im LTB nicht erwähnt wird, sage ich es eben hier – die beeindruckenden Farben haben wir Elisa Braglia zu verdanken.

Durch das etwas schmalere LTB-Format gehen wie gewohnt links und rechts Teile der Zeichnungen verloren, allerdings würde man es nicht merken, wenn man es nicht wüsste. Im Premium-Format kommen die Bilder auf jeden Fall besser rüber als das im normalen LTB der Fall gewesen wäre.

Kleine Kritikpunkte in der deutschen Version… Ärgerlich: Gleich auf der ersten Seite sind zwei Sprechblasen vertauscht. Schade auch, dass Michael Bregel sich nicht dazu durchringen konnte, der Chihuahua-Bande (weibliches Gegenstück zu den Panzerknackern – englisch „Beagle Boys“, italienisch „Banda Bassotti“, also „Dackelbande“) einen deutschen Namen zu verpassen.

Die Chroniken des Planeten T

1. Kapitel: Prequel: Die Stadt Tillan

2. Kapitel: Eine Stadt unter Druck

3. Kapitel: Außerhalb des Tropfens

4. Kapitel: Eine außergewöhnliche Reise

5. Kapitel: Nach Tanhuac!

6. Kapitel: Die Zukunft

Ort: Der Ringplanet T, genauer gesagt: Die Stadt Tillan. Geschützt von einer Energiekuppel namens „Tropfen“, mit fröhlichen Einwohnern, die sich ihre Zeit mit lustigen Wettbewerben vertreiben. Pflichten? Gibt es kaum, denn „das Band“ ist eine unerschöpfliche Energiequelle. Der weise Großkopf Huntros bestellt einige der hervorragendsten Bürger zu sich ein: Rudik, der beste Elektriker von Tillan; Minna, die beste (und nicht bescheidene) Ingenieurin, welche mal eben ein käferartiges Mehrzweck-Vehikel entwickelt hat; Kartograph Goffy, der nach der sagenhaften Blubrikrod (dem Pfad zum mythischen Ort Tanhuac) sucht, und… Mikki, der zwar Nachfahre vom Stadtgründer ist, aber selbst wenig Ambitionen hat und sich am liebsten mit den Palastgärten befasst.

Allerdings wird die Idylle getrübt, denn gegen den werden von seinen Assistenten, Hochhaupt Phantis und Vizedickschädel Karlon, finstere Ränke geschmiedet. Die beiden setzen den Regenten schwupps ab und gaukeln den Bürgern vor, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Mikki ist einer der wenigen, der ahnt, was vorgeht, und so nimmt er seine Freunde mit auf die aufregende Reise außerhalb des Tropfens. Dort muss er sich seinen Ängsten, einer Menge unvorhersehbarer Bedrohungen, und letztlich einer ganz überraschenden Enthüllung stellen…

Science-Fiction? Ja, auch. Aber Fausto Vitalianos Geschichte berührt auch existenzielle Fragen bezüglich Gut und Böse, und welch fatale politische Folgen ein allzu behütetes und sorgloses Leben haben kann, besonders wenn man lange Zeit unter sich bleibt. Gleichzeitig ist die Story auch wegen der wunderbar ironischen Dialoge („Mit Bescheidenheit bescheiden sich die Bescheidenen!“) und der Interaktion zwischen den Charakteren gut lesbar. Mikki, Minna, Goffy und Rudik ähneln zwar nur teilweise ihren Entenhausener Pendants, aber sie sind so gut charakterisiert (besonders Minna als emanzipierte Frau, und Rudik als etwas eingebildeter Kerl), dass man in der Geschichte „drin“ ist.

Vom Erzähltempo her ist die Geschichte deutlich ruhiger und entspannter als das vorangegangene Rennen durch die Elemente, und Claudio Sciarrones Zeichnungen sind hier deutlich konservativer und fast durchgängig im regulären LTB-Layout. Trotzdem natürlich alles andere als alltägliche Kost. Während ich diese digitalen Zeichnungen im normalen LTB eher als Fremdkörper empfinde, wirken sie im Premium-Format (auch auf besserem Papier!) deutlich besser, und hier fällt auch der störende Kontrast zu anderen Zeichnern aus. Einzig an der etwas faulen Darstellung von großen Menschenmengen kann man m.E. herumkritteln.

Kritisieren kann man natürlich auch Elemente der Handlung. Manchmal ist die Geschichte etwas zu esoterisch geraten (Gong-Di?!), und manche Details werden einfach übergangen (woher hat Phantis das Futurion?). Auch bleibt unklar, wo eigentlich die Ursprünge der Tillaner liegen. Das sind für meinen Geschmack aber eher kleine Mängel, die den sehr guten Gesamteindruck nicht besonders stark trüben. Tatsächlich ist Vitalianos Geschichte im Vergleich mit Gagnors wahrscheinlich die bessere: Weniger überhastet und ambitioniert, und mit einem deutlich überschaubareren Personenkreis.

FAZIT:

Das LTB Premium mag zur Heimat für eine Handvoll Serien geworden sein, es wurde aber zuallererst ins Leben gerufen, um außergewöhnliche Comics abzudrucken, die den herkömmlichen Rahmen sprengen. Alleine in dieser Hinsicht ist Band 24 erfolgreich, und man kann sicher sagen, dass keine der beiden Geschichten es ohne das Premium zu uns geschafft hätte – und dabei sind sie zeichnerisch wie inhaltlich „Ultrahelden“ (dem ähnlich experimentellen ersten Premium-Band) deutlich überlegen.

Dazu zeigt LTB Premium 24 die außergewöhnlichen Ansätze von Claudio Sciarrone in voller Blüte – sollte er sich mal zu uns verirren, wisst ihr schon, welches Buch sich zum Signieren anbietet 🙂

Interessanterweise bietet der Band zugleich einen Ausblick auf spätere Bände mit dem neuen Phantomias, denn das Format (zwei lange Geschichten plus eine Handvoll Cover) wird uns wohl in der PKNE-Ära erneut begegnen. Die meisten PKNE-Geschichten sind mit ihren je 4 oder 5 Teilen ähnlich umfangreich wie die beiden hier enthaltenen Comics… und Sciarrones Zeichenstil bei „Gli argini del tempo“, „Cronaca di un ritorno“ und „Droidi“ ist mit dem von „Raceworld“ vergleichbar.

Der Band markiert aber auch das Ende einer Ära: Seit der Einführung 2011 ist der Preis des LTB Premium konstant bei 9,95 € geblieben – angesichts des Preisanstiegs bei anderen Reihen und der Tatsache, dass Ultimate und Crime trotz höherem Nachdruck-Anteils und geringerer Seitenzahl genauso viel kosteten, war das ein wirklich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Aber die Zeit macht letztlich vor niemandem halt, und so wird auch der Preis des LTB Premium nächstes Jahr steigen. Soll heißen: Schnell noch zuschlagen!

Michael Bregel hat sich mit seinen üblichen albernen Wortspielen dankenswerterweise zurückgehalten, und auch ansonsten liest sich der Band schön flüssig. Einzig den Spruch „Mach(t) hinne“ sollte er endlich in der Mottenkiste versenken – alleine in diesem Buch kommt er stolze drei Mal vor, und über die ganze Premium-Reihe verteilt dürfte er schon sehr oft aufgetaucht sein.

Schade: Die Chance, die kompletten Chroniken von Planet T zu drucken, wurde hier verschenkt. Einige Monate nach dem Sechsteiler kam schließlich noch diese Weihnachtsgeschichte heraus. Die ist bei uns zwar schon erschienen, aber das ist erstens schon sieben Jahre her, zweitens hat sie damals ohne Kontext praktisch alle deutschen Leser verwirrt, drittens wurden einige Namen im Premium verändert und viertens hätte es zeitlich doch so wunderbar zum weihnachtlichen Erscheinungstermin des Buchs gepasst!

Ein Novum sind die abgedruckten Coverzeichnungen, die teilweise sogar recht sinnvoll (beispielsweise nach dem ersten Raceworld-Kapitel) als „Puffer“ eingesetzt werden. Das letzte Raceworld-Cover auf einer Doppelseite zu drucken, war aber keine so gute Entscheidung, da Micky dadurch im Knick des Buchs verschwunden ist.

Komplett sind die Covers auch nicht gerade – zu Planet T hätte es noch ein schönes französisches Cavazzano-Cover gegeben:

Und zu Raceworld diese Schönheiten:

Dafür wurden drei „Covers“ extra für das Buch erstellt… durch cleveres Kombinieren verschiedener Panels. Okay, hätte es aber nicht gebraucht.

Band 25 heißt „Der neue Phantomias hält Wache“, das (minimal veränderte) Cover stammt von LTB-Standardcoverzeichner Andrea Freccero und gehört zur Geschichte „Le parti e il tutto“, eines der letzten PKNA-Kapitel. Mit diesem Band wird die Serie dann auch abgeschlossen, bevor es mit der Fortsetzung Pk² im Sommer weitergeht: Derselbe Held, aber eine deutlich veränderte Umgebung. Dazwischen begegnen wir auch noch Micky als Reporter in der Großstadt.

Deine Bewertung
[Abstimmungen: 6 Durchschnitt: 4.2]

Spectaculus

Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!!
Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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