LTB Weihnachten 24

Viele Entenhausener rund um und in Weihnachtsbaum
Cover LTB Weihnachten 24

250 S., 7,99 €

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VORWORT:

 

Der Adventskalender hat 24 Türen, und jetzt gibt es auch 24 Weihnachts-LTBs (eigentlich ja schon 25, aber eines hat es nicht zu uns geschafft und wurde erst später als LTB Exklusiv 3 veröffentlicht). Was bietet der Band zum Fest 2018?

 

Ein Weihnachtslied

Ein Thema, das immer wieder gerne in festlichen Disney-Comics genommen wird, ist Charles Dickens‘ „A Christmas Carol“, zu Deutsch „Eine Weihnachtsgeschichte“. Klar, immerhin ließ sich Carl Barks von der Figur Ebenezer Scrooge zu seiner wohl wichtigsten Erfindung inspirieren, nämlich dem Charakter Scrooge McDuck (Dagobert Duck). Frühere Adaptionen (z.B. eine sehr gelungene in Band  8 der Reihe) bleiben recht dicht an der Vorlage und verwenden Dagobert, Donald oder auch Micky in den Rollen des Originals. Hier ist das etwas anders. Die Handlung wird modernisiert: Dagobert will nicht zum Familienfest bei Dorette gehen, sondern zieht es lieber vor, sich per Videokonferenz zuzuschalten. Dann passiert allerdings einiges, das ihm die Konsequenzen seines Handelns recht drastisch vor Augen führt…

Schöne Eröffnung, Silvia Ziches Zeichnungen sind unverkennbar und weitgehend gut (bei einigen Figuren sind mir die Proportionen aber etwas zu abnorm).

Schneeschaufeln mit Köpfchen

Düsentrieb versucht auf unterschiedliche Weisen, mit den Schneemassen vor seiner Tür klarzukommen. Alles geht in die Hose…

Lückenfüller.

Weihnachten in Entenhausen: Der penible Professor

Ein 16 Jahre alter Einseiter, der sich genauso abgestanden anfühlt. Puh.

Schwungvolles Schneeräumkommando

Auch das vermag mich nicht zu begeistern. Donald und Dussel gemeinsam beim Schneeschippen? Das kann ja nur schiefgehen, zumal Dussel wie so oft eine seiner durchgeknallten Ideen hat. Dazu kommt, dass es die schlechtesten Zeichnungen sind, die ich von Ettore Gula je gesehen habe – sie wirken plump und grob. Von diesem Zeichner bin ich viel Besseres gewohnt.

Weihnachten bei Oma Duck: Die Tradition

Noch ein Einseiter, aber immerhin besser als der erste. Dagobert kann halt nicht aus seiner Haut.

Das verschwundene Kuscheltier

Vito Stabile gehört zu den wenigen jüngeren Disney-Autoren, die an die Tradition der „Which-Way“-Storys anknüpfen (siehe auch „Schicksalswege eines Helden“), und hier hat er das Ganze sogar mit einer Rahmenhandlung erklärt, denn durch einen Fehler der Weihnachtswichtel gerät in Entenhausen einiges durcheinander…

Die Sache beginnt mit einem Rentier – ein Geschenk für Minnie, das Micky gerade einpacken wollte, als es plötzlich verschwunden ist. Ein Fall für einen Detektiv, aber hinter jeder Entscheidung wartet eine überraschende Entwicklung. Und je nachdem, welchen Weg man wählt, trifft Micky auf unterschiedliche Figuren, die sich auch nicht alle immer so ganz optimal verhalten. Wenn man taktisch vorgeht und tatsächlich wie ein Detektiv denkt, erwischt man aber u.U. das optimale Ende. Falls nicht (und einige der anderen Enden sind wirklich fies): Noch mal versuchen!

Ein schönes Konstrukt, bei dem auch Marco Mazzarellos Zeichnungen recht gut passen. Ärgerlich: Ein Übersetzer/Redakteur scheint partout nicht von der Überzeugung abzurücken, dass Micky eine Tante namens „Melba“ hat. Die Tante heißt seit fünfzig Jahren Linda!!!!!!!

Das unliebsame Geschenk

Eine Kurzgeschichte, in der Dagobert nach einem speziellen Geschenk sucht, welches er dem Neffen eines Geschäftspartners schenken will. Doch die Puppe von Superpostmann Siggi ist ausverkauft…

Ganz hübsche Schlusspointe, auch die zackig-eckigen Zeichnungen von Umberto Fizialetti gefallen mir recht gut (mehr jedenfalls als Intini oder Lavoradori), etwas seltsam mutet nur an, dass Baptist und Dagobert in einem Panel völlig ramponiert aussehen und gleich danach wieder total unbeschädigt.

Indiana Goofs Fotoalbum: Die Balalaika der Unbesiegbaren

Indiana Goof erzählt Mack und Muck davon, wie er und ihr Onkel Micky in Russland auf die Suche nach einer sagenhaften Balalaika waren.

Unterhaltsam und mit gelungener Charakterisierung (kein Wunder, Bruno Sarda hat Indiana Goof erfunden), die Logik gerät aber etwas unter die Räder. Wenn das Instrument wirklich nur verstimmt war, müsste man das doch schon bemerkt haben, als der Dorfchef daran herumgezupft hat, oder nicht? Die Zeichnungen wirken etwas unausgereift, weisen aber interessante Einflüsse von Lorenzo Pastrovicchio und keinem Geringeren als Mouse-Man Floyd Gottfredson (!) auf.

Explosive Weihnacht

Donald ist erschüttert darüber, dass offenbar niemand mit ihm Weihnachten feiern will, und lädt tatsächlich seinen Nachbarn ein. Der heißt aber nicht zu Unrecht Zanker und vermutet üble Absicht – also schlussfolgert er „Angriff ist die beste Verteidigung“ und präpariert Donalds Haus mit fiesen Streichen. Als dann doch die Familienmitglieder bei Donald aufkreuzen, ist die Katstrophe perfekt.

Immerhin steht am Ende eine Versöhnung. Aber dass der Weihnachtsmann einen Sack Kohle auf Donald wirft, finde ich wirklich völlig daneben. Er konnte doch überhaupt nichts dafür!

Die gewöhnungsbedürftigen Zeichnungen sind übrigens definitiv nicht von Fizialetti, sondern mit ziemlicher Sicherheit von Antonello Dalena. Man vergleiche nur mit der Kleine-Welt-Geschichte aus LTB 490.

Das Geschenkproblem

Daisy will einer extravaganten Gräfin ein besonderes Geschenk machen. Das ist gar nicht so einfach. Dann taucht Dussel auf. Aber – man höre und staune – Dussel ist hier alles andere ein Störfaktor, sondern hilft Daisy tatsächlich dabei, eine ganze Reihe von unschönen Situationen zu klären…

Eher eine Aneinanderreihung von mehreren Episoden, aber mit rundem Abschluss. Und Matteo Venerus zeigt, dass man Dussel richtig positiv einsetzen kann, wenn man nur will. Die Kombination Daisy/Dussel ist generell ziemlich unverbraucht und sorgt hier für hohen Lesegenuss, der mir auch von Michele Mazzons Zeichnungen nicht beeinträchtigt wird. Obwohl ich diesen Zeichner mit seinen überdrehten Gesichtsausdrücken und aggressiven Nebenfiguren eigentlich eher nicht mag, passt er hier mal richtig gut zum Weihnachtsstress und zu der Geschichte. Sehr schön.

Bleibt nur die Frage: Seit wann sind Straußenfedern so bunt? (Für mich sieht das doch wohl eher nach Pfauenfedern aus…)

Der Neujahrs-Coup

Das Niveau bleibt hoch (und wird auch nicht mehr abfallen). Pietro Zemelo liefert hier viel bessere Arbeit als bei der stummen Düsentrieb-Geschichte ab, Carlo Limidos knalliger Stil ist für die Umsetzung gut geeignet. Inhalt: Gamma führt Micky eine Uhr vor, mit der man die Zeit eine Minute anhalten kann. Kater Karlo bekommt das mit und will das Teil haben. Dabei geht es kaputt und solange Gamma die Uhr nicht repariert, können sich nur die beiden bewegen. Gamma bräuchte nur eine gewöhnliche Uhrenfeder, aber bei der Suche zeigen sich deutlich die Mentalitäts-Unterschiede zwischen den beiden…

Die Grundidee ist nicht ganz neu, ich erinnere nur an Don Rosas „Zeitdiebe“ oder Castys „Spiel auf Zeit“. Aber die Geschichte lebt von der Figurenkonstellation, denn sowohl Gamma als auch Karlo werden mit ihren jeweiligen charakterlichen Unzulänglichkeiten konfrontiert und liefern sich einen grandiosen verbalen Schlagabtausch – bis hin zum genialen Schlussgag.

Ein Schluck Güte

Erster Teil

Zweiter Teil

Dritter Teil

Vierter Teil

Und zum Schluss noch ein Highlight, auf das wir sechs Jahre lang warten mussten – warum bloß? Silvia Ziche hat hier eine lange Geschichte geschrieben und gezeichnet, wie sie nur von ihr stammen kann: Dagobert lacht sich plötzlich einen Juniorpartner an, seine Freunde und Verwandten sind entsetzt. Auch das von den beiden gemeinsam auf den Markt gebrachte Produkt, eine Art „Geist der Weihnacht in Dosen“, ist sehr ungewöhnlich.

Zwar gebärden sich die Konsumenten des Getränks danach tatsächlich deutlich friedvoller, das kann jedoch weder Klaas Klevers Wut noch den Einfallsreichtum der Panzerknacker aufhalten. Und dann gleitet allen die Sache aus den Händen…

Wenn man den typischen überzeichneten Ziche-Humor mag, dann ist diese Geschichte sowieso Pflichtlektüre. Aber auch sonst kann ich sie nur empfehlen, denn es geht nicht nur um Geschäftliches und Marketing, oder die üblichen Fehden zwischen Dagobert und seinen Feinden, sondern auch darum, was Weihnachten letztendlich ausmacht.

FAZIT:

Auch wenn die Rezension vielleicht einen anderen Eindruck vermittelt: Die wirklich empfehlenswerten fünf Geschichten nehmen immerhin 192 Seiten (von insgesamt 250) ein. LTB Weihnachten 24 ist somit deutlich besser als die meisten seiner Vorgänger.

Bewertung

Über Spectaculus 6 Artikel
Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!! Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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