LTB Premium 22 – Micky X: Das große Finale

Micky und Goofwolf öffnen eine Tür

366 S., 9.95 €

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Das Cover ist in Ordnung, jedoch sicher nicht das schönste Micky-X-Cover, obwohl es von Davide Cesarello stammt, der fast alle Titelbilder zur Reihe angefertigt hat. Wirklich toll hätte ich es gefunden, wenn Missi auch mal auf dem Titelbild zu sehen gewesen wäre, z.B. mit diesem Cavazzano-Cover oder diesem von Baccinelli.

Der Schein trügt

Goofwolf sucht nach Mineralien für ein Projekt, Groovwolf hilft ihm dabei. Dann treffen sie Elkas, die verfolgt wird und die beiden bittet, ihr gegen Ulmerrr und seine Schwarzen Knappen zu helfen. Erst viel zu spät dämmert Goofwolf, was wirklich gespielt wird.

Der Titel verrät viel zu viel (ist im Original aber auch schon so). Davon abgesehen eine nette Geschichte für den Einstieg, aber nicht wirklich Teil 1 des Finales, höchstens eine Art erweiterter Prolog. Die Überleitung am Ende ist nicht notwendig, um das Finale zu verstehen. Das ist schade: Immerhin wurden beide Geschichten ja ursprünglich in einem Heft abgedruckt, und da hätte man durchaus die Chance nutzen können, mal eine richtig lange Geschichte in zwei Teilen zu erzählen. Giovanni Riganos Zeichnungen sind gewöhnungsbedürftig, passen aber recht gut zum Ambiente.

Das große Finale

Finale? Ach ne, wir sind ja gerade erst am Anfang des Buchs. Mit ein bisschen mehr Weitsicht hätte man die Premium-Reihe so planen können, dass das Finale Band 19 abgeschlossen hätte. Dafür hätte man lediglich die Seitenzahl ein wenig erhöhen müssen (z.B. so: 379, 373, 380, 381 und 379 Seiten – dann wären noch 405 Seiten aus dem Topolino übrig geblieben).

Goofwolf ist jedenfalls so nervös, als ob sein Ende bevorstünde, aber tatsächlich ist es nur die Begleiter-Prüfung. Kurz zuvor schläft er allerdings ein, und als er aufwacht, ist Wolfenköttel verwüstet, seine Freunde sind entweder gefangen oder Widerständler im Untergrund und die Anderswelt in der Hand der Union der Übeltäter. Ein sichtlich gealterter Meister Altwolf erklärt, dass Goofwolf stolze 200 Jahre durchgeschlafen hat (!) – Goofwolf will daraufhin in der Zeit zurückreisen, um die Machtübernahme des Monstermeisters von Horror City zu verhindern. Das allerdings ist nicht so einfach: Das Begleiter-Bulletin wird nicht mehr gesendet, und die einzige Person, die den geheimen Zugang zur Zentrale kennt, ist Missi – die im Gefängnisturm eingekerkert wurde…

Puh. Zunächst war ich vom Finale recht enttäuscht und kann mir vorstellen, dass es vielen italienischen Lesern 2004 auch so gegangen ist. Dann jedoch ist mir aufgefallen, wie akribisch der Abschluss vorbereitet wurde – viele Elemente aus Band 19 wurden wohl vor allem deswegen eingeführt, damit am Ende alles zusammenpasst. Dass es das dennoch nicht so richtig tut, liegt an Stefano Ambrosios merkwürdiger Vorstellung von Logik (der er bald darauf dann auch bei „Kampf der Zauberer“ frönen sollte). Ich bin also hin- und hergerissen. Zwar ist das dystopische Szenario an sich außergewöhnlich und dramatisch genug, um einer außergewöhnlichen Serie wirklich die Krone aufzusetzen. Die vielen Rückgriffe auf ältere Episoden (inklusive Fußnoten) sind gut eingewoben und machen Sinn. Und Roberto Vian als Zeichner war auch nachvollziehbar, ist er doch klar der Hauptzeichner von Micky X (er hat etwa 1/4 der Albumreihe gezeichnet).

Aber die Probleme sind folgende: 1. Die Geschichte ist viel zu umfangreich für mickrige 34 Seiten. Mindestens zehn Seiten mehr wären nötig gewesen, um das Ganze vernünftig zu erzählen. 2. In der Anderswelt gibt es nichts, das es nicht gibt, dennoch will ich 200 Jahre Schlaf ohne Wasser- oder Nahrungszufuhr nicht einfach so akzeptieren. 3. Ein Zeitparadox hätte ja schon gereicht, aber hier wird Unlogik daraus. Denn wenn Goofwolf in der Zeit zurückreist und die Geschehnisse verändert, dürfte ja auch die Zukunft, in der er aufgewacht ist, gar nicht erst existieren dürfen. Er vernichtet damit quasi seine eigene Zeitlinie (ein Thema, das spätestens seit Castys „Wunderbrause“ die Gemüter erregt, und auch der neue Phantomias ist nicht immer frei von solchen Problemen). 4. Völlig unerklärlich ist, warum das Portal nicht wie behauptet funktioniert. Missi könnte Goofwolf angelogen haben, aber welchen Sinn hätte das gehabt? 5. Hätte Goofwolf nicht einfach in irgendein Regenrohr klettern können, um in der Zentrale zu landen? 6. Manche Figuren sind gealtert, andere sehen völlig unverändert aus. 7. Für eine Reihe, die sich „Micky X“ nennt, hat Micky Maus in beiden Teilen des Finales bemerkenswert wenig zu tun (gerade mal acht Panels im originalen 64-seitigen italienischen Album!). Und 8. sind Vians Zeichnungen hier zwar besser als bei „Außer Betrieb“, aber schlechter als seine anderen Comics aus Band 19. Sie wirken teilweise wirr oder leer – besonders ärgerlich beim epischen Endkampf, der einfach nach nichts aussieht. Überhaupt frage ich mich… müssten da nicht viel mehr Figuren beteiligt sein? Es muss doch eigentlich eine Menge Begleiter geben…

Also: Ein (vorübergehender) Abschluss nach Maß, aber leider an vielen Stellen fehlkonstruiert.

Manchmal kommen sie wieder

Goofwolf kommt zurück nach Wolfenköttel. Bis auf Griffin und seinen Kollegen Morsot (die ihn mit Briefen und Päckchen überhäufen) sieht er aber gar niemanden. Na ja, eigentlich sieht er die zwei auch nicht, denn sie sind ja unsichtbar… und so ärgert sich Goofwolf zunächst und erlebt dann eine Überraschung!

Als Einstieg in den Band und Wiedereinführung der Figuren nach längerer Pause hätte diese sympathische Kurzgeschichte wunderbar funktioniert. So wirkt sie, direkt im Anschluss an das Finale der Albumreihe, reichlich befremdlich. Selbst die Verbindung zu Goofwolfs Leserbriefen funktioniert nicht richtig, weil die Pause zwischen Band 19 und Band 22 deutlich kürzer war als zwischen allen bisherigen Micky-X-Bänden…

Die Geschichte läutete 2006, zwei Jahre nach dem großen Finale (vermutlich ist auch im Comic ähnlich viel Zeit vergangen) ein kurzes Micky-X-Comeback (ohne Micky!) ein, jedoch nicht mehr als Album, sondern im normalen italienischen Wochenmagazin „Topolino“ (aus dem ja auch fast das gesamte LTB-Material stammt). Von sechs 2006 veröffentlichten Geschichten haben es allerdings nur zwei in diesen Band geschafft. Hoffentlich gibt das später keine Probleme…

Detektiv des Düsteren – Teil 1: Der Sprachfluch

2008, zwei Jahre nach den letzten Micky-X-Geschichten, flackerte die Reihe erneut kurz im Topolino auf. Diesmal allerdings mit einem ordentlich langen Zweiteiler, den Fausto Vitaliano offenbar schon für die Heftreihe geschrieben hatte, die jedoch nach 30 Ausgaben eingestellt wurde (mehr als „Micky Mystery“, aber deutlich weniger als PKNA).

Die Geschichte beginnt damit, dass Goofwolf immer noch nicht als Begleiter tätig sein kann (muss man nicht verstehen…), und er sich nach etwas Neuem umschauen will. Er sucht nach Arbeit und übernimmt einen Laden in Monsterhausen. Sofort hat er anspruchsvolle Kunden. Aber einer ist ganz besonders anspruchsvoll – er heißt Lemmus und erklärt, dass das Geschäft nur Tarnung ist und Goofwolf nun als Detektiv tätig ist. Der ist wenig überzeugt, lässt sich aber breitschlagen. Zumal Lemmus‘ Anliegen ein ernstes ist, denn sein ganzes Dorf leidet unter verunstalteter Sprache!

Gleichzeitig werden an anderer Stelle üble Pläne gegen Goofwolf geschmiedet…

Ein klarer Unterschied zur Albumreihe ist sofort merkbar: Der Horrorfaktor ist stark reduziert. Der Humorfaktor ist dafür im ersten Teil immens hoch, denn die verschwurbelte Sprache ist so lustig, dass man kaum anders kann, als große Teile der Geschichte laut vor sich hinzulesen. (Lemmus‘ Sprachfehler erinnert übrigens verdächtig an Bubble Billy… ihr wischt schon, wasch isch meine.) Schade nur, dass man nicht noch mehr unterschiedliche Sprachfehler einbauen konnte. Auch der Seitenhieb auf diverse Berufszweige kommt herrlich bissig daher („Chief Executive Clown gesucht“, LOL) und ist ganz typisch für Vitaliano. Am Ende löst Goofwolf den Fall bemerkenswert souverän (und ausgerechnet Trinokel kommt dabei auch eine wichtige Rolle zu).

Schade auch, dass man mal wieder das Splashpanel durch einen klobigen Schriftzug verschandeln musste. Im italienischen Original kommt das Artwork deutlich besser zur Geltung, und der Schriftzug an sich ist viel, viel schöner! Ansonsten muss man seinen visuellen Anspruch doch um einiges herunterschrauben. Hat Marco Mazzarello bei Micky X (ganz besonders bei „Gruppenbild mit Vampir“) oft seine Klasse gezeigt, so sind seine Bilder hier über weite Strecken ziemlich leer und simpel geraten, und die allzu helle, sehr basische Kolorierung, die zu normalen Entenhausen-Comics deutlich besser passt, unterstützt auch nicht den Micky-X-Charakter.

Detektiv des Düsteren – Teil 2: Die Legende vom Schwarzen Monstermann

Goofwolf lernt weiter für die Nachprüfung, Fach „Legenden und Larifari“. Das passt gut zu den Neuigkeiten, die man sich in der Weißen Maus erzählt: Offenbar ist jemand dem Schwarzen Monstermann zum Opfer gefallen – ein Monster, das im Reich der Träume leben soll und angeblich auftaucht, wenn man in der Nähe des Waldes der Hundert Verschwundenen (siehe „Missis Geheimnis“) einschläft. Goofwolf ist neugierig und geht der Sache auf den Grund – und erfährt mehr, als er erwartet hat…

Der zweite Teil (und die für viele Jahre letzte Micky-X-Geschichte) von „Detektiv des Düsteren“ ist ein bisschen unübersichtlicher als der erste, da sich die vielen Handlungsfäden ein bisschen gegenseitig im Weg stehen. Dafür sind die Zeichnungen (von Marco Palazzi) deutlich besser als beim ersten Teil und auf ziemlich hohem Niveau, auch wenn die Kolorierung nach wie vor etwas blass wirkt .

Ein bisschen merkwürdig finde ich eines: Die Rattentrinnerer ähneln in allen Aspekten stark den Gedächtnissaugern, dennoch heißen sie nicht nur anders, sondern scheinen auch bei der „Weißen Maus“ völlig unbekannt zu sein.

Und wer die „neuen“ Bösen sind bzw. ob sie eigentlich die „alten“ sind (?), ist auch nicht so klar. Insgesamt sind die 87 Seiten hoher Lesegenuss und Vitaliano auf dem Höhepunkt seiner Fähigkeiten, vergleichbar mit den ersten DoppelDuck-Folgen.

Verschwunden im Nichts

Nach fast acht Jahren Pause erschienen, zeitgleich mit dem Nachdruck der ersten zwanzig Micky-X-Alben im Rahmen der „Legendary Collection“ (in der zuvor „Kampf der Zauberer“ nachgedruckt wurde), von 2016 bis 2017 endlich wieder neue Micky-X-Geschichten. Und diesmal spielt Micky auch wieder eine Rolle, auch wenn die Rollenverteilung ein wenig verquer ist – Goofwolf braucht als Detektiv einen Assistenten, und da liegt Micky natürlich nahe. Das Problem diesmal sind aus der Anderswelt verschwundene Wesen. Micky, der mit Minnie ein wenig im Clinch liegt (u.a. wegen unterschiedlicher Ansichten bezüglich moderner Kunst!), ist über ein wenig Ablenkung froh. Goofwolf und Micky verfolgen einige Spuren, aber die Lösung liegt am Ende näher, als beide dachten.

Falls es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Fausto Vitaliano als Autor auf dem absteigenden Ast ist, dann haben wir ihn hier. Zwar ist die Geschichte kein Totalausfall wie einige seiner neueren LTB-Storys („Invasion der Jedermanns“, „Der Superschleim“ oder „Die Ultra-Umwandlungswellen“), und es gibt ein paar lustige Gags, aber der qualitative Unterschied ist im direkten Vergleich heftig. Es stecken einige nette Ideen in der Story, die aber durch ein erstaunlich schwaches Skript kaum zur Geltung kommen. Die Fortsetzung des Handlungsstrangs aus „Detektiv des Düsteren“ wirkt sehr unmotiviert eingebaut (und wird in den folgenden Geschichten gar nicht weiterverfolgt…). Und das Thema Kunst hat Vitaliano schon vor Jahren in „Im Auge des Betrachters“ verwurstet.

Ich hätte mir auch einen anderen Zeichner als Marco Mazzarello gewünscht, dessen Zeichnungen ebenfalls an Qualität verloren haben. Das (tolle!) Cover zur Geschichte stammt von Alessandro Perina, der aber außer der allerersten Folge leider gar keine Micky-X-Storys gezeichnet hat…

Immer noch gut, aber sicher nicht überragend.

Der Schrecken der Straße

Hier dagegen kommt wieder richtige Anderswelt-Stimmung auf – Marco Bosco gehört immerhin ebenfalls zu den wichtigen Micky-X-Autoren. Auch wenn er sich stark bei seinen eigenen Geschichten (besonders „Das Karussell“, aber auch „Das verbotene Portal“) bedient, macht das Lesen dennoch Spaß.

Los geht es mit einer Meldung über demolierte Autos. Toppersby erklärt Micky und Goofwolf, dass dahinter ein verfluchtes Auto steckt – ein 55er Topontiac, der offenbar ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat und nun andere Autos in Entenhausen angreift. Die Ermittlungen laufen allerdings zunächst ins Leere, und dann taucht auch noch das Automonster auf…

Wenn man „Das Karussell“ gelesen hat, ist die überraschende Wendung leider nicht mehr so überraschend. Trotzdem eine gut lesbare Geschichte, was auch mit an den Zeichnungen liegt. Ettore Gulas präziser, detaillierter und stimmungsvolle Strich passt so gut zur Story, dass man sich wundert, weshalb dieser Zeichner nie zuvor (oder danach) einen Micky-X-Comic zeichnen durfte. Auch die etwas eingedunkelte Farbgebung unterstreicht die Atmosphäre perfekt.

Die Schöne und das Mumienbiest

Auch diese Geschichte hat viel Flair. Noch mehr als Bosco in „Der Schrecken der Straße“ gelingt es Bruno Enna (der ja auch die Einführungsgeschichte geschrieben hat) hier, die Faszination der allerersten Micky-X-Folgen wiederzubeleben und geschickt an jene Zeiten anzuknüpfen, in denen der Übertritt in andere Dimensionen für Micky noch nichts Alltägliches war.

Ausgangspunkt ist ein Filmdreh in der Anderswelt („Das Mumienbiest kehrt zurück“). Star des Films neben dem titelgebenden Mumienbiest (ein Roboter) ist Stella Fischer: wunderhübsch, eine echte Sirene und ein wenig schwierig im Umgang.

Kurz darauf eilen Goofwolf und Micky ihr zu Hilfe: Im Restaurant hat das Mumienbiest ihren Regissezr Edward Mood entführt! Und der Erfinder des Roboters, Geek, ist ebenfalls nicht aufzufinden. War es eine Tat aus Eifersucht?

Vielleicht sogar meine Lieblingsgeschichte im gesamten Band. Bruno Ennas Stärken kommen alle zum Tragen: Die poetischen und die komischen Momente genauso wie die bedrohlichen Szenen und die geschickten Szenenwechsel (S. 245/246 – absolut großartig!), und alle neu eingeführten Figuren sind stark und facettenreich charakterisiert. Dazu ist Stellas Social-Media-Kauderwelsch einfach nur grandios lustig („Es war superdupermegasauer, Hashtag bedrohlich“) und passt perfekt.

Auch die Zeichnungen sind alles andere als 08/15 – selbst wenn mir die Farben ein wenig zu bunt sind, muss ich Giampaolo Soldati für seine Arbeit loben: Seine Zeichnungen sind irgendwo zwischen Cavazzano und Mottura angesiedelt, bleiben aber immer eigenständig, detailliert und lebendig.

Lediglich eine Sache wundert mich ein bisschen. Wie schafft Mood es eigentlich, zwischen den Dimensionen zu wechseln? Er ist ja offenbar ein Reisender, aber ohne Begleiter…?!

Ein Sommernachtsalbtraum

Ähnlich wie bei „Verschwunden im Nichts“ geht es mit einer leichten Meinungsverschiedenheit zwischen Micky und Minnie los, dabei dreht es sich diesmal um Dichtung. Micky hat allerdings bald ganz andere Sorgen, denn Goofwolf teilt ihm eines mit: Toppersby ist verschwunden!

Die Spur führt zu einem Buch – einer Ausgabe von Shakespeares „Sommernachtstraum“ (der übrigens akkurat zitiert wird, inklusive Quellenangabe der deutschen Übersetzung – Chapeau!). Und was Micky und Goofwolf dann in der Anderswelt erleben, lässt beiden den Atem stocken…

Ich will nicht zu viel verraten, aber es wird unheimlich und fantastisch. Genauso wie bei der vorigen Geschichte fungiert ein zu Beginn eingeführtes Element als „deus ex machina“, das aber so gekonnt, dass man sich kaum beschweren kann. Alessia Martusciellos Zeichnungen sind vielleicht nicht ganz so super wie Gulas und Soldatis, aber immer noch ziemlich gut und vor allem: stimmungsvoll.

Auch hier bleibt am Ende nur eine Frage offen: Hatte Toppersby nicht eigentlich einen Zwillingsbruder?

Besuch bei der alten Dame

Die bislang letzten neuen Micky-X-Geschichten stammen von Matteo Venerus, der ja bereits „Kampf der Zauberer“ (ab der zweiten Hälfte von LTB Collection 5) von Stefano Ambrosio übernommen hat.

Goofwolf besucht gemeinsam mit Micky eine alte Bekannte, „die Dame“ (die grün ist und eigentlich Bessy heißt), in ihrem Palazzo in Monsterhausen. Dort kreuzt auch Missi auf, die kontrollieren will, ob die alte Dame ihre gefährlichen Schauerschätze wirklich unter Kontrolle hat. Dann passiert allerdings einiges Unerwartetes.

Ein bisschen wirr und übervoll, die Geschichte. Auch bin ich weiterhin kein Freund von Mazzarellos Zeichnunge. Es sind aber einige gute Ideen enthalten.

Öffentlicher Dienst

Micky und Goofwolf laufen durch den Grünkerngrund, um nach Anomalien zu suchen. Auf den ersten Blick gibt es keine, denn die Gegend von Entenhausen ist ein vorbildliches Stadtviertel. Auf den zweiten Blick allerdings ist gerade das irgendwie unnormal. Der Verdacht bestätigt sich, als die beiden eine Gruppe von „Seelengärtnern“ dabei beobachten, wie sie einer jungen Frau das Kurzzeitgedächtnis löschen und sie damit den Sturz vom Skateboard vergisst. Der Chef der Truppe ist reichlich bedrohlich. Man beratschlagt sich mit Missi und diese fördert Erstaunliches über diesen „öffentlichen Dienst“ zutage. Ganz offensichtlich überschreiten sie massiv Kompetenzen, und das schon seit Jahren…

Ein bisschen arg esoterisch angehaucht ist sie schon, die Geschichte von Venerus. Wie ein ganzes Viertel jahrelang ohne Regen auskommen kann, ohne dass die Pflanzenwelt darunter beträchtlich leiden muss, können wohl auch die Seelengärtner nicht erklären. Die Moral ist aber recht nett.

Ein weitere neuer Zeichner: Emmanuele Baccinelli durfte fast alle Covers der „Legendary Collection“ zeichnen, in denen Micky X (leider nur unvollständig) nachgedruckt wurde, insofern hat er eine Affinität zum Micky-X-Universum. Stilistisch irgendwo zwischen Roberto Vian und Stefano Turconi angesiedelt, bin ich weiterhin kein großer Freund seiner Bilder, die auf mich irgendwie schludrig wirken.

Unglaubliche Strände

Ein großer Unterschied zu den vorigen Micky-X-Bänden ist das Fehlen von Kurzgeschichten – mit dieser einen Ausnahme (die schon von 2006 ist und damit chronologisch aus der Reihe tanzt): Goofwolf stellt Strände aus der Anderswelt vor. Erinnert an „Leser fragen – Goofwolf antwortet“ (ebenfalls hauptsächlich von Augusto Macchetto erdacht), und dort gab es das Thema auch schon häufiger. Insofern nicht wirklich spannend, aber von Marco Palazzi schön gezeichnet und im Stil der Albumreihe mit hübschen Schattierungen koloriert.

Fazit:

Die älteste Geschichte ist von 2004, die neueste von 2017. Dass man da nicht die Stringenz der vorigen Bände erwarten kann, ist klar. Trotzdem ist Premium 22 mehr als bloße Resteverwertung. Dass man es geschafft hat, diese ja doch recht eigenwillige Serie (fast) komplett zu uns zu bringen, ist ein Riesenverdienst der LTB-Reducktion.

Ein bisschen schade finde ich, dass man den neueren Comics deutlich anmerkt, dass sie fürs Topolino produziert wurden – das Layout wird praktisch nie variiert, die Kolorierung ist eher bieder, und der große Gruselfaktor kommt – wohl aufgrund der jüngeren Zielgruppe – nicht so richtig zum Tragen. Man merkt, dass es für die Künstler Anfang der 2000er eine große Befreiung gewesen sein muss, sich nicht an die Beschränkungen des Topolino halten zu müssen und sich stattdessen im Albumformat austoben zu können.

Dass es anders geht, zeigt allerdings PKNE, die ebenfalls im Topolino veröffentlichte Fortsetzung des „neuen Phantomias“, welche sich in puncto Layout, Farbgebung und Inhalt deutlich vom Topolino-Standard unterscheidet. Dennoch zeigt gerade Bruno Enna hier, dass man der Anderswelt und den längst bekannten Figuren noch neue Facetten abringen kann – ich hoffe, dass speziell von ihm noch einiges kommt. Leider wird auch aus der eigentlich recht vielversprechenden Idee „Goofwolf als Detektiv des Düsteren“ wenig gemacht, nach „Verschwunden im Nichts“ hört man gar nichts mehr davon. Da habe ich ein bisschen das Gefühl, die Autoren wissen nicht, wohin die Reise gehen soll. Einige (speziell weibliche) Figuren durften leider auch nicht mehr als zwei, drei Mal auftreten, obwohl sie noch Potenzial gehabt hätten (Rowenta, Klara Kritzel, Madame Zebú, Verdana). Und was ist eigentlich mit Persipan passiert?

Angesichts der Tatsache, dass die „Legendary Collection“ (die ja parallel mit den neuen Geschichten im Topolino lief) nach zehn Ausgaben abgebrochen wurde, ist es fraglich, ob in nächster Zeit neue Micky-X-Comics veröffentlicht werden. Neben den „unsichtbaren“ Chroniken von Invisibilia rund um Griffin & Co. (24 S.) fehlen jetzt noch drei mittellange Geschichten von 2006 (61 S., noch im alten Stil koloriert) sowie die Kurzgeschichtenserie mit Berufen aus der Anderswelt (bislang 6 * 6 = 36 S.). Das sind zusammen gerade mal 121 S., also bei weitem nicht genug für einen weiteren Band – und durch die Bank komplett ohne Micky! Sollte neues Material in Italien produziert werden, könnte man aber noch einen Cartoon von Silvia Ziche, die Ulkwerbung aus den frühen Alben und eine Menge Covers (30 Alben der Hauptreihe, 10 Covers für die Legendary Collection, 3 Topolino-Titelbilder und 3 französische von Giorgio Cavazzano!) als Füllmaterial dazugeben…

Jetzt steht erst mal (endlich!) wieder der neue Phantomias an. Titel von Band 23 laut Vorschau: „Der neue Phantomias jagt durch die Zeit“. Das bedeutet dann leider wohl, dass mein Vorschlag, die Kapitelreihenfolge sinnvoll umzustellen, nicht berücksichtigt wurde…

Bewertung

Über Spectaculus 6 Artikel
Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!! Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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MaxReichle 2004 Letzte Kommentartoren
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MaxReichle 2004

Schöne Rezension . Wie viel ;Material ist denn noch übrig? Und warum kammen seit 2017 keine neue Folgen mehr oder gibt es noch welche ?