LTB Premium 010 – Ein Fall für Micky X 5/5 (1)

376 S., 9,95 €

Krimolds Herz

Mysteriöse Geschehnisse in der Anderswelt: Während eines heftigen Gewitters verlieren Missis Haushälterin Griseldis Zucker und ihr Wachwirsing Audrus das Bewusstsein, während Diener Igor wie ferngesteuert eine Schatulle in ein Grab werfen will. Darin befindet sich das steinharte Herz von Krimold, dem Meister der Schatten und einem der Zwölf Alten. Missi hatte ihn einst bezwungen, jedoch dabei ihre Freunde verloren [richtig gelesen! Harter Tobak für einen Disney-Comic!]. Nun scheint er sich aus der Ferne wieder zu regen – Missi will sich ihm gemeinsam mit Goofwolf und Micky stellen. Also besichtigen die drei “den Turm”, das Gefängnis für die bösesten Wesen der Anderswelt, und treffen dort den verängstigten Wächter Gideon Gandor. Doch es ist nichts, wie es scheint…

Düster und stimmungsvoll – genauso, wie Micky X sein muss. Francesco Artibani beweist wie so oft seine Klasse als Autor und hat hier einen stimmigen Plot mit Spannung und Atmosphäre erdacht, letztere wird von Roberto Vians Zeichnungen perfekt umgesetzt.

Goofwolf XI (Schule)

Goofwolf erzählt einiges über die Schule in der Anderswelt. Ganz nett, allerdings glaube ich, dass einige Gags die Übersetzung nicht überlebt haben.

Im Auge des Betrachters

Missi schleppt Goofwolf in eine Kunstausstellung, da auch Anderswelt-Kunst ein Thema für seine Begleiter-Prüfung ist. Aber in der Anderswelt ist eben einiges anders, auch die Kunst!

Sehr ungewöhnlich, Fausto Vitaliano bringt seinen ganz eigenen Humor ein (die vielen absurden Einfälle und lustigen Wortwechsel), allerdings charakterisiert er Missi auch deutlich freundlicher als alle anderen Autoren, was von Marco Gervasios Zeichnungen noch unterstrichen wird.

Goofwolf XII (Portale)

Goofwolf erzählt noch ein bisschen über Dimensionsportale. Mäßig witzig.

Auf der anderen Seite

Micky und Goofwolf stecken in einem Dimensionsportal fest – hinter einer Tür, die einfach nicht aufgehen will! Toppersby hört ihre Hilferufe, findet aber das Portal nicht… bis Micky daraufkommt, woran ihn das Ganze erinnert…

Nett, zumal eine lange unerklärte Episode vom Anfang der Serie endlich ihr logisches Ende findet.

Die Nacht des Wolfs

Goofwolf kommt aus einer Truhe in Toppersbys Laden und benimmt sich irgendwie seltsam. Toppersby ist nun besorgt, dass Goofwolf womöglich seine “Nacht des Raubtiers” durchmacht, in der er ganz alleine seinen animalischen Instinkten folgt. Als Micky im Fernsehen von einem Monster hört, das Entenhausen unsicher macht, scheinen sich die Befürchtungen zu bewahrheiten…

Eine der besseren Geschichten in Band 10, dank Bruno Ennas Fähigkeiten, eine Story spannend aufzubauen.

Goofwolf XIII (Frühling)

Goofwolf lernt den Postvampir Vladi kennen und erzählt von Harmonigall und Dissonente.

Lustig und skurril, Turconis Zeichnungen passen gut zum Humor.

Im Prüfungssaal

Missi und ihre Kollegen bei der Abnahme der Begleiter-Prüfung mit schlecht vorbereiteten Prüflingen, schlecht gelaunten Lehrern und einer Bedrohung, die ganz zufällig verhindert wird…

Im Prinzip hat diese Geschichte gar keinen Inhalt. Marco Gervasios Zeichnungen können auch nicht viel retten.

Rechenfehler

Micky dreht an einer Rechenmaschine, die ihn daraufhin quer durch die Anderswelt teleportiert.

Recht billiger Grusel ohne sonderlich viel echten Inhalt. Vian hält sich zumindest etwas zurück.

Goofwolf XIV (Ägypten)

Nach Vladi kommt diesmal Postmumie Tutankamel als Urlaubsvertretung für Griffin vorbei und bringt Leserbriefe. Goofwolf nimmt das zum Anlass, ein wenig übers alte Ägypten zu erzählen. Da gab es ja noch den Fluch des Pharaos…

Sehr witzig! Das ist doch mal eine kreative Interpretation des alten Themas “Fluch der Mumie”.

Im Regen

Noch so eine von Ambrosio recht geradlinig heruntergespulte Geschichte, die aber immerhin mehr Spannung und Dramatik aufweist: Außerhalb der Weißen Maus versinkt Mac Feix plötzlich in einer Regenpfütze. Es stellt sich heraus, dass Bargeul an dieser Stelle kürzlich Portalschmiermittel verschüttet hat und Mac Feix von irgendeinem Monster durch das nun entstandene Portal gezogen wurde. Micky und Goofwolf eilen ihm zu Hilfe, und die ist bitter nötig: Steht der Anderswelt-Schotte und Weiße-Maus-Kellner doch kurz vor der Verspeisung durcheinen allesfressenden Schwarzork…

Raubbuch-Anekdoten – Im Zeitraffer

Eigentlich verrät der Titel schon alles: Micky liest ein Buch. Es ist langweilig, trotzdem kann er es irgendwie nicht aus der Hand legen. Irgendwann merkt er, dass es sich um ein Raubbuch handelt, das ihm die Lebenszeit raubt…

Sehr interessante Ausgangslage, aber die Auflösung überzeugt mich nicht so recht. Seltsam übrigens, dass der Titel zwar eine Serie impliziert, es aber bis heute keine weitere “Raubbuch-Anekdote” gegeben hat! (Wurden vielleicht alle von einem Raubbuch aufgefressen… ha, ha, ha. Mann, bin ich heut wieder witzig!)

Der Spielzeugmacher

Merkwürdige Dinge gehen vor sich in Entenhausen. Menschen werden von lebendigen Puppen attackiert! Und auch Micky und Goofwolf gehen fast drauf. Sie können sich gerade noch in die Anderswelt retten. Dort erwartet sie nicht Missi, aber ihr Butler Igor weiß Bescheid: Der Übeltäter ist Pupetz, ein Spielzeugmacher, der in Entenhausen zwar sein Geschäft, jedoch in der Anderswelt seine Werkstatt hat. Allerdings handelt es sich nicht um den echten Pupetz, sondern selbst um eine Puppe, die von den Schöpfungen des Spielzeugmachers erschaffen wurde!

Sicher eines der Highlights des dritten Micky-X-Bandes, Bruno Enna ist eben ein Garant für Qualität. Roberta Mighelis Zeichnungen sind zwar etwas ungewöhnlich, aber gar nicht schlecht – meilenweit besser als ihre heutigen.

Goofwolf XV (Strand)

Ein nur bedingt unterhaltsamer Strandausflug mit Goofwolf. Da gab es schon Besseres.

Librus außer Rand und Band

Goofwolf hat ein Haus”tier”, ein zahmes Raubbuch namens Librus. Irgendwie ist die Situation ähnlich wie bei Pluto: Die Stories, in denen die jeweiligen Begleiter auftauchen, stellen diese als wichtig dar, stehen aber in keiner Relation zu der Anzahl derer, in denen sie überhaupt nicht zu sehen sind. Ich komme gerade mal auf vier bislang auf Deutsch veröffentlichte Comics, in denen Librus vorkommt! Jedenfalls steht das Wesen hier im Mittelpunkt, denn es möchte endlich mal wieder von Goofwolf Gassi geführt werden, aber ständig kommt jemand anderes dazwischen… hier hat übrigens auch Groovwolf (der in Premium 15 wichtiger wird) bereits einen namenlosen Auftritt.

Insgesamt ganz nett, aber auch recht langweilig, und wie gesagt: Es wirkt seltsam, wenn Librus hier so wichtig ist, und sonst fast nie irgendwo vorkommt. Gervasios Zeichnungen sind aber ohne Zweifel hübsch anzuschauen.

Was mir wirklich nicht gefällt: Die “Atemlos”-Einlage von Michael Bregel. Erstens weil es ein unglaublich nerviger Schlager ist, zweitens weil es den Song zur Entstehungszeit des Comics noch gar nicht gab und drittens weil ich finde, dass Übersetzungen zeitlos sein sollten!

Ein kleines Abenteuer

Und noch eine Geschichte, die mich zu dem Ausruf “Joah!” bewegt. Micky und Goofwolf sind mal wieder irgendwo gelandet, nur nicht da, wo sie hinwollten. Rosa Schlamm und unbeschreibliche Ungeheuer. Was könnte das wohl sein? Nun, der Titel gibt einen Hinweis. Mehr sei hier nicht verraten, aber die Erklärung ist nun auch nicht verblüffend.

Das Hotel der Schatten

Neben “Krimolds Herz” die unheimlichste Geschichte des Bandes (kein Zufall, dass beide von Vian gezeichnet wurden, der auf solche Szenarien ja spezialisiert ist). Micky und Goofwolf landen in einem mysteriösen Hotel. Der einzige andere Gast ist ein Monster namens Screep Ork. Am nächsten Tag ist er verschwunden, obwohl die Hotelleitung behauptet, das Dimensionsportal würde nicht funktionieren. Und das ist nicht die einzige Ungereimtheit. In der nächsten Nacht geschieht dann das Grauen: Goofwolf wird in die Hotelwand gezogen…

Auch wenn ich Stefano Ambrosio für einen ziemlich durchschnittlichen Autor halte: Hier hat er wirklich ganze Arbeit geleistet, und der von ihm gerne (auch bei “Kampf der Zauberer”) forcierte düstere Touch kommt hier mal wirklich überzeugend rüber.

Bei der deutschen Bearbeitung sind wohl ein paar Fehler passiert, denn die Gästeliste macht so keinen Sinn. Auf S. 247 steht Micky bereits drin, obwohl er sich noch nicht eingetragen hat – auf S. 249 ist er wieder weg! Und auf S. 259 müsste Goofwolfs Name durchgestrichen sein!

Goofwolf XVI (Vampire)

Goofwolf hat Leserbriefe zu Vampiren bekommen und sich daher zwei Experten an die Seite geholt, die mit einigen Mythen aufräumen…

Vampiero und Vampietro heißen hier Vampeter und Vampaul – da hat der Übersetzer mal wieder nicht richtig aufgepasst.

Die Farbe der Angst

Ein kleines Verwirrspiel gibt es hier: Im Gewächshaus wird Missis Haushälterin Griseldis Zucker von irgendetwas angegriffen, kann dem Wesen aber ein grünes Büschel ausreißen. Der fürs Gewächshaus verantwortliche Gärtner Grünberg behauptet zwar, nicht anwesend gewesen zu sein, verhält sich jedoch verdächtig. Was könnte dahinter stecken? Die Auflösung ist ebenso schlüssig wie überraschend…

Etwas Verwirrung gab es wohl auch bei der Redaktion, denn die Zeichnungen stammen nicht wie angegeben von Marco Mazzarello, sondern von Marco Palazzi. Und der hat wirklich schöne Arbeit geleistet!

Gut gemeintes Gegenmittel

Nach “Im Auge des Betrachters” Vitalianos zweiter Beitrag, diesmal vom Alessio Coppola gezeichnet. Und hier kippt der Humor vom Skurrilen ins Bizarre: Goofwolf hat nämlich eine komische Grippe, die seine Sprache durcheinanderbringt. Dennoch soll er mitkommen und für das Team der Weißen Maus Monsketball spielen. Dieses Spiel ähnelt Basketball, allerdings muss man die Bälle in den Schlund eines Monsters werfen. Und das Spiel ist zu Ende, wenn eines der beiden Monster laut rülpst!

Wie gesagt, schon sehr seltsam. Der letzte Wurf ist übrigens falsch koloriert, so sieht es aus, als ob der Ball am Monster vorbeigehen würde…

Der Illusionist

Micky besucht die Show eines Illusionisten namens Les Trick, der sich als krönenden Abschluss seiner Show selbst verschwinden lassen will. Nur mit der Rückkehr hapert es dann doch ein wenig… was zunächst wie eine kurze Gagstory klingt, entpuppt sich als recht spannendes Abenteuer, denn nach dem Sarkophag, in dem Les Trick verschwunden ist, sucht Missis Familie schon seit Langem. Das Artefakt wird von einem Anderswelt-Bösewicht aus Arghypten namens Khotantus benutzt, um Sklaven zu fangen. Diesmal gehen Missi und Goofwolf auf die Suche, während Micky immer nervöser wird…

Für meinen Geschmack bleiben am Ende etwas zu viele Fragen offen. Dennoch eine der besseren Geschichten im Band.

Unsichtbare Bande

Ganz anders diese unglaubwürdige Episode, die vom (in meinen Augen enorm überschätzten) privaten wie beruflichen Paar Teresa Radice (Story) & Stefano Turconi (Zeichnungen) verbrochen wurde. Es geht schon arg konstruiert los: Anstelle eines Mysteriums oder eines konkreten Grundes muss alleine Mickys Gefühl, lange nichts mehr von Goofwolf gehört zu haben, als Anstoß dienen. In der Weißen Maus will nun niemand etwas von Goofwolf gehört haben, bis ein Typ namens Snobbs auftaucht und sich als Mickys offizieller Begleiter vorstellt. Dass der Kerl unsympathisch und pedantisch ist, überrascht irgendwie nicht. Aber warum niemand von Goofwolfs sogenannten Freunden für ihn einsteht, ist mir nicht klar. Genauso wenig wie die Frage, weshalb Micky nicht bei Toppersby um Rat fragt – der war schließlich lange als Begleiter tätig und wäre im Zweifel auch sicher eine vertrauenswürdigere Möglichkeit gewesen, um zu Goofwolf zu kommen, als ein unsympathischer Typ, der seinen Reisenden gar nicht kennt. So kann man hier Micky und Snobbs bei einer mäßig unterhaltsamen Irrfahrt durch die Dimensionen zuschauen, bis zum unwürdigen Ende – das dann (sehr pathetisch) von Goofwolf verhindert wird. Auch wenn sich der Schluss schön anhört: Auf andere Micky-X-Folgen hat er keine Auswirkungen. Ich erinnere nur an “Rechenfehler”, wo waren denn da bitte die unsichtbaren Bande?

Der Keller

Eine Geschichte, die komplett ohne Micky (okay, keine Seltenheit bei Micky X) und Goofwolf (das schon eher ungewöhnlich) auskommt. In Missis Anwesen gibt es große Probleme, denn eine mysteriöse Energie scheint sich auszubreiten. Butler Igor und Haushälterin Griseldis Zucker wissen Bescheid – Missi nicht! Aber das kann man ja ändern. Es stellt sich heraus, dass das Anwesen von Missis Vorfahren genau dort errichtet wurde, wo früher Archont der Grausame (einer der Zwölf Alten) seine Experimente betrieben hatte. Eine seiner Geheimwaffen sollte sich erst Jahrhunderte später aktivieren. Und genau das passiert nun offenbar gerade…

Auch wenn es bessere Zeichner als Marco Mazzarello gibt: Die Geschichte hat Spannung, einen ordentlichen Touch Mystery und ein Ende, das gleich mit einer doppelten Überraschung aufwartet. Schöner Abschluss.

Bewertung

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Ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!! Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.