LTB Premium 003 – Micky X

376 Seiten, Preis: 9,95 €

Gefangen im Spiegel

Micky und Minni waren in einem Horrorfilm und sind nun auf dem Weg nach Hause. Micky hat bereits ein merkwürdiges Gefühl, “als würden sich der Film und die Wirklichkeit irgendwie vermischen”. Das bewahrheitet sich spätestens, als Minni ihre Puderdose unbemerkt im Park verliert und Micky sie auf dem Rückweg von einem Werwolf (der Goofy ähnelt) zurückbekommt! Noch abstruser wird es, als Micky in der Dose zwei Spiegel entdeckt – und ihn aus einem der beiden Spiegel ein Monster anstarrt!

Jetzt ist Mickys detektivischer Spürsinn gefragt – und der führt ihn erst zum “Haus der Irrtümer” und dessen schrulligen Inhaber Tony Toppersby und dann in die Kneipe “Weiße Maus” mit ihren seltsamen Besuchern (neben Goofwolf wären das zumeist Vetter Hobi und Frosti, der Schneemann) und ihrem Personal (Wirt Bargeul und Kellner Mac Feix). Von Toppersby erfährt Micky, dass der Spiegel ein Monster namens Mordrag abgebildet hat, das seitdem auf der Suche nach diesem Spiegel ist, um seine Macht zurückzugewinnen. In der Weißen Maus wiederum erfährt er, dass er anscheinend dazu auserkoren ist, ein “Reisender” zu sein – und Goofwolf sein “Begleiter”. Die erste Reise in die Anderswelt führt durch ein Portal in einer Standuhr (die im Haus eines völlig fremden Ehepaars steht!) hin zum Anwesen von Missi, der finsteren (und von Goofwolf gefürchteten) Portalwächterin. Dort taucht bald darauf auch Mordrag auf…

Die Micky-X-Einführungsgeschichte wirft ihren Helden recht unvermittelt in eine neue Welt, der monsterbegeisterte Postbote Persipan wird sogar eingeführt, als ob er schon immer da gewesen wäre. Trotzdem ist “Gefangen im Spiegel” gleich eine der besten Micky-X-Folgen. Sehr schade finde ich, dass Alessandro Perina keine weiteren Micky-X-Folgen gezeichnet hat – seine Gesichtsausdrücke, besonders bei der Unterhaltung zwischen Micky und Toppersby, sind einfach köstlich.

Verglichen mit der alten deutschen nach fünf Ausgaben abgebrochenen Heftreihe wurden einige Dinge geändert; am wichtigsten die Überarbeitung der Übersetzung im Hinblick auf die Namen: Aus Ninni (Original: Manny) wurde Missi (weil sie sich laut Peter Höpfner “wie eine altenglische Miss” gebärdet), aus Goowulf (Original: Pipwolf) wurde Goofwolf.

Goofwolf I: Leser fragen (oder auch nicht) – Goofwolf antwortet (so oder so)

Leser fragen nicht, Goofwolf antwortet trotzdem. Na ja, aber das kann sich ja bald ändern. Zumindest werden alle möglichen Kontaktierungsmöglichkeiten hier aufgelistet: Adresse, Fax(en), E-Mail (mailto:goofwolf@anderswelt.buh), Ghostfacebook…

Außerdem wird hier der ständige Begleiter von Goofwolfs Leserbriefen eingeführt: Der unsichtbare Postbote Griffin!

Ein Brief aus Monsterhausen

Obwohl Micky bereits ein wenig mit der Anderswelt vertraut ist, scheint er noch nicht so ganz auf den Trichter gekommen zu sein. Zumindest glaubt er kein Wort, als ein Herr Maierle zu ihm kommt und sagt, dass er ein Monster sei, das von einem Raubbuch eingesogen und nach Entenhausen verfrachtet wurde. Micky gibt ihm jedoch den Tipp, einfach ein Buch über seine Heimat zu schreiben, was er dann auch sofort in Angriff nimmt. Ein Jahr später ist “Ein Brief aus Monsterhausen” von Matthias Maierle ein Bestseller und Micky wird klar, dass er nicht veräppelt wurde…

Ähnlich gut wie “Gefangen im Spiegel”, wird hier doch ein sehr wichtiges Element des Micky-X-Universums eingeführt, nämlich das Raubbuch. Nur frage ich mich, wieso Micky so dermaßen skeptisch ist… womöglich spielt die Geschichte (oder zumindest das erste Treffen mit Herrn Maierle) noch vor seinem Treffen mit Goofwolf.

Übrigens enthält das Buch leider einige Fehler bei den Künstlerangaben – hier werden die Zeichnungen Perina zugeschrieben, jedoch stammen sie von Alessio Coppola.

Wettstreit des Grauens

Missi lädt regelmäßig begabte Grusel-Autoren zu einem Kurzgeschichten-Wettstreit ein. Micky, der eher zufälligerweise ebenfalls bei Missi gelandet ist, soll als Schiedsrichter fungieren. Allerdings geschehen unheimliche Dinge, denn die Autoren werden von ihren eigenen Fantasiegebilden angegriffen… Grund ist ein besonders gefährliches Raubbuch.

Goofwolf II (Anderswelt-Literatur)

Goofwolf liefert noch ein paar Hintergrundinformationen zum Thema Bücher – interessant und ungewöhnlich.

In einer frostigen Nacht

Es liegt Schnee – das ideale Wetter für einen Schneemann. Genau so einer steht blöderweise vor Mickys Garage. Okay, Micky und Minni haben ihn dahin gebaut. Kritisch wird es, als Micky nach einem Besuch in der Weißen Maus plötzlich selbst zum Schneemann geworden ist! Schließlich wird er von Frosti in dessen Geheimnis eingeweiht…

Die 13. Etage

Micky geht abends mit Pluto Gassi und kommt dabei bei Toppersbys Laden vorbei, wo er einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt, kann ihn jedoch nicht festsetzen. Dann stellt Micky fest, dass Toppersby nicht zuhause ist. Am nächsten Tag bekommt er ein Päckchen von Toppersby mit etwas, das wie eine Glühlampe aussieht, und der Nachricht “Bewahren Sie das bitte sorgfältig auf!”. Micky wartet in Toppersbys Laden, Goofwolf stößt auch dazu, und dann taucht der Einbrecher wieder auf…

Mickys detektivischer Spürsinn ist geweckt, und tatsächlich ist dem mysteriösen Angreifer bei der zweiten Auseinandersetzung ein Detektivausweis aus der Tasche gefallen. Aber Micky staunt nicht schlecht, als Inspektor Festplattner ihm erklärt, dass der Mann namens Argus Warmal von 1920 bis 1932 als Privatdetektiv tätig war und seit dem Brand im Hoffmann-Haus als verschollen gilt!

Dann entdeckt Micky in Toppersbys Laden eine Artikelsammlung über ebendieses Hotel, das vor kurzem wieder aufgebaut wurde. Ganz offensichtlich gibt es da einen Zusammenhang…

Francesco Artibani hat die Serien PKNA/PK² und Micky Mystery entscheidend geprägt, zu den Nachfolgeserien PK-Pikappa und Micky X jedoch nur selten Beiträge geleistet. “Die 13. Etage” ist formal “Gefangen im Spiegel” recht ähnlich (Bösewicht auf der Suche nach einem besonderen Artefakt, der am Ende von Micky reingelegt wird), lebt aber stark von Artibanis Talent, Geschichten dicht und fesselnd zu erzählen. Silvio Cambonis manchmal ins Karikaturistische tendierende Zeichnungen unterstützen diese Stimmung allerdings nicht unbedingt. Trotzdem ist auch “Die 13. Etage” wieder ein Highlight.

Goofwolf III (Spiegel)

In Anlehnung an die erste Micky-X-Folge referiert Goofwolf über Spiegel. Geht so.

Bitte lächeln!

Micky bekommt von Toppersby eine uralte Sofortbildkamera, die bei jedem Schnappschuss ein Portal zeigt, das immer weiter aufgeht. Und dahinter ist irgendein unheimlicher Schatten zu sehen…

Eher so lala, allerdings ist es interessant, dass die Geschichte viel später, nämlich in LTB Premium 10, fortgesetzt wird und man dann auch endlich eine Erklärung bekommt.

Angriff der Gedächtnissauger

Missi dringt in Mickys Traum ein und warnt ihn, denn es sind zwei Gedächtnissauger ausgebrochen. Außerdem soll er Goofwolf nichts davon erzählen. Es stellt sich heraus, dass Goofwolf bereits einmal das fragwürdige Vergnügen hatte, den beiden zu begegnen…

Die Idee mit den Gedächtnissaugern ist ja ganz interessant, an der Umsetzung hapert es aber dann doch: Wenn sich diese Monster angeblich von den gestohlenen Erinnerungen ernähren, wieso hat Goofwolf dann am Ende alle seine Erinnerungen wieder – inklusive die bereits vor längerer Zeit geraubten? Und die Art, wie Verg & Isses letztlich besiegt werden, erinnert doch stark an die PKNA-Folge “Trauma” (LTB Premium 7), ist hier aber deutlich unglaubwürdiger umgesetzt. Denn Micky mag ein hervorragender Detektiv und auch auf seine Art ein Held sein, ein Superheld ist er jedoch nicht unbedingt. Außerdem bin ich nicht der größte Fan von Andrea Ferraris’ Zeichenstil.

Goofwolf IV (Spukstätten)

Wo kann es spuken? Nicht in Wohnwagen, allerdings in Telefonzellen, Aufzügen, Sockenschubladen… nicht so spannend.

Sperrstunde

Micky hat seine Autoschlüssel in der Weißen Maus verloren und will darum noch mal zurück. Doch von draußen hört er merkwürdige Dinge: Bargeul, Mac Feix, Hobi und Frosti wollen Goofwolf “eliminieren”!

Eher schwache Episode, die ein Stück weit allerdings von der Übersetzung gerettet wird.

Vor dem Morgengrauen

Micky ist auf dem Weg in das kleine Dorf Gothic Hill, als er plötzlich einen Autounfall hat. Auf einem Bauernhof erholt er sich von dem Schreck und lernt in dem Dörfchen jede Menge nette Leute kennen. Na gut, “nur” die 47 Einwohner und die coole Lastwagenfahrerin Tine. Dort erfährt er dann auch von einer Legende: Angeblich hat vor 300 Jahren dort ein mysteriöser Kerl, genannt Svenson, Vogelscheuchen gestohlen und sie zum Leben erweckt, bis die Bauern seinen Hof anzündeten. Dann schließlich taucht Goofwolf wie angekündigt auf und erklärt Micky, dass die “Legende” 100% wahr ist – und dass in letzter Zeit wieder Scheuchen von den Feldern verschwunden sind, hat Micky ja schon mit eigenen Augen gesehen. Die Mission lautet also nun, Mok (wie der böse Zauberer wirklich heißt) den magischen Wurzelstock abzunehmen, bevor er wieder sein schwarzmagisches Ritual vollführen kann. Was die Sache schwieriger macht: Micky muss auf eigene Faust handeln, weil Goofwolf nicht durch die magische Barriere kommt, die den Stock umgibt…

Schön gruslig. Bruno Enna hat die Geschichte einerseits nach allen Regeln der Kunst aufgebaut, andererseits einen verblüffenden Twist am Ende eingebaut. Und Alessio Coppola zeigt, dass er einer der besten Micky-X-Zeichner ist. Alleine die Darstellung von Mok und seinen rund ums Feuer aufgestellten Vogelscheuchen auf Seite 285 ist unglaublich unheimlich.

Allgemein muss ich auch mal anmerken, dass ich Mickys Darstellung in der Serie großartig finde. Er ist für meinen Geschmack perfekt getroffen: abenteuerlustig, aber nicht unbedacht oder verantwortungslos; nett, aber nicht übermäßig naiv; rational, aber nicht spießig. Eine sehr ausgewogene und sympathische Mischung.

Goofwolf V (Anderswelt-Post)

Dass Goofwolf einen unsichtbaren Postboten namens Griffin hat, dürfte inzwischen bekannt sein. Allerdings ist heute eine Vertretung da: Duffy, der durchsichtige Briefträger! Goofwolf nimmt das zum Anlass, ein paar Dinge über Postboten und Briefkästen zu erzählen. Ziemlich witzig.

Missis Geheimnis

Missi ist verärgert, denn ihrer Meinung nach ist Micky zu sorglos und “überentspannt”. Bargeul und Goofwolf erklären ihm später, dass Missi bis heute darunter leidet, dass vor längerer Zeit ihr Zwillingsbruder Mikko im Wald der Hundert Verschwundenen… nun ja, verschwunden ist. Dieser Wald ist tückisch und gefahrvoll, besonders für Wagemutige, die sich von ihm wie magisch angezogen fühlen. Dann plötzlich erhält Missi einen Brief, in dem steht, dass Micky auf dem Weg in den Wald ist, um ihren Bruder zu suchen, während gleichzeitig Micky via Goofwolf die Nachricht erhält, dass Missi in den Wald aufgebrochen ist. Was ist hier eigentlich los?

Düster-spannende Episode, in der man endlich mehr über den Hintergrund von Missi erfährt. Warum ist sie so, wie sie ist? Und ist ihre Strenge und Härte wirklich echt oder doch nur Fassade? Am Ende hat man die Gesetzeshüterin liebgewonnen, und auch das Verhältnis zwischen ihr und Micky entspannt sich merklich. Seit diesem Zeitpunkt duzen sie einander!

Auch hier wieder ein Fehler: Die Zeichnungen sind nicht von Stefano Turconi, sondern (erfreulicherweise) von Marco Gervasio.

Das Karussell

Micky und Minni sind auf dem Jahrmarkt, als Micky auf einem Kinderkarussell in Ohnmacht fällt. Bevor er die Besinnung verliert, sieht er allerdings noch verschwommen seine Tante Linda (siehe “Die Irokesenkette”, komischerweise heißt sie hier in der Übersetzung Mina). Kurz darauf wird genau dieses Holzpferd, auf welchem sich der Vorfall ereignet hat, gestohlen, und auch Toppersby ist der Sache auf der Spur. Warum? Nun, das Pferd war genauso wie mehrere andere in letzter Zeit verschwundene Reittiere ursprünglich Teil eines ganz besonderen Karussells. Gebaut vom bayrischen Hans Brugger (selbst ein Reisender), ist es in der Lage, den Benutzer vorwärts oder rückwärts durch die Zeit zu schicken. Da Toppersby und Micky davon überzeugt sind, dass jemand Übles mit dem Karussell vorhat, stellen sie Nachforschungen an. Goofwolf landet einen Zufallstreffer, denn er weiß, wo sich der Schwan befindet. Doch der Dieb ist den dreien auf den Fersen und es beginnt eine Verfolgungsjagd…

Interessante Geschichte, das Ende ist richtig schön poetisch (und eine nette Hommage an den oben erwähnte Scarpa-Klassiker). Lorenzo Pastrovicchio ist noch so ein Zeichner, von dem ich mir gewünscht hätte, dass er noch mehr für Micky X gezeichnet hätte.

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Ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!! Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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