LTB Ostern 11

250 S., 26.3.2019

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Intergalaktische Ostereiersuche

 

Es scheint wirklich gar keine Ostercomics im LTB-Format mehr zu geben, nicht mal Nachdrucke wie noch in Band 10. (Vierreiher wie z.B. dieser sind im LTB-Format ja nicht so gerne gesehen…) Was tun, sprach das Huhn? Selbst welche produzieren! Zeichner war der bei solchen Auftragsarbeiten gerne eingesetzte Flemming Andersen, Autor Jaakko Seppäla (hoffentlich richtig geschrieben! Ich habe  schon drei verschiedene Varianten gelesen) – damit sein Debüt im 3-reihigen Bereich. Auch wenn die Künstlerkombi neu ist: Der Comic gibt nicht viel her. Donald soll einem Außerirdischen helfen, auf fremden Planeten Ostereier einzusammeln. Wie das Ganze ausgeht, kann man sich denken (Stichwort „Meister seines Fachs“) und Andersens Zeichnungen merkt man die Auftragsarbeit leider auch an. Zumindest wirkt er auf mich hier etwas uninspirierter als sonst in letzter Zeit. Eher ein Alibi-Comic, um irgendwie den Osterbezug zu wahren.

 

Der Planet der Blumen

 

Zunächst mal das hier:

Was ist das?

Es ist das Cover des im April erscheinenden Greatest-Hits-Albums der Rolling Stones. Wer sich nun fragt, was das mit einem über zwanzig Jahre alten Comic zu tun hat, welcher im Oster-LTB zum ersten Mal auf Deutsch erscheint… nun, der muss in das Buch schauen. Einer der seltsamsten Zufälle, denen ich in letzter Zeit begegnet bin. Bizarr, um ehrlich zu sein. Ich habe meinen Augen nicht getraut.

 

Damit zum Comic. Es ist eine typische Geschichte aus dem Minni-Magazin, alleine von der Kolorierung her, aber auch inhaltlich deutlich für eine weibliche Leserschaft gedacht. Aber während ich mit den beiden im LTB Winter veröffentlichten Comics so meine Probleme habe, schlägt sich Silvano Mezzavilla hier deutlich besser (das große Aber kommt am Schluss). In Entenhausen soll ein altes Viertel abgerissen werden. Minnie und Klarabella wollen sich für dessen Erhalt einsetzen. Dabei gerät Minnie in einen merkwürdigen Raum voller seltsamer Blumen, und auf einmal wird sie auf einen anderen Planeten teleportiert. Auf dem herrscht nur noch öde Wüste und gemeine Fieslinge, die gegen Blumen allergisch sind.

 

So weit, so gut. Die Zutaten für ein spannendes Abenteuer im klassischen LTB-Stil sind eigentlich alle vorhanden. Nur an der Länge hapert es dann deutlich, denn 45 Seiten waren offenkundig nicht ausreichend. Der Schluss kommt viel zu plötzlich und man vermisst ein wirklich befriedigendes Ende. Trotzdem würde ich noch eine Leseempfehlung aussprechen.

 

Kampf um Stille

 

Auch ganz unterhaltsam ist dieses Werk von Rudy Salvagnini und Valerio Held: Donald fährt in den Urlaub nach Stillwalden, um dort in aller Ruhe Kreuzworträtsel zu lösen. Allerdings kommt ihm eine Gruppe namens Combo Cravallo dazwischen – folkloristische Musiker mit Trommeln und Alphörnern…

 

Im Prinzip eine Variante des Themas „Nachbarschaftsstreit“, auch wenn Donald hier gleich gegen ein ganzes Quintett kämpft. Dabei fallen durchaus einige lustige Szenen ab, z.B. der Running Gag mit Donald, der vom Alphorn „weggetrötet“ wird. Auch die Übersetzung ist passend witzig („Albtraumhorn“, „folkloristischer Flurschaden“). Mit der Leiterin der Pension Leiser gibt es zudem eine richtig sympathische Nebenfigur. Negativ finde ich den wenig passenden Schluss und die Form des Alphorns.

 

An der frischen Luft: Fast perfekt

 

Gleich noch mal Salvagnini in freier Natur, diesmal Donald mit Daisy. Ein ganz manierlicher Einseiter.

 

Geldspeicher in Blüte

 

Dagobert soll seinen Geldspeicher verschönern und fragt Düsentrieb um Rat. Was dann kommt, ist sehr vorhersehbar. Soldatis Zeichnungen sind ganz nett, aber die Geschichte als solche gab es schon mehrfach und auch schon deutlich inspirierter. Massenware von Carlo Panaro.

 

Rätselhafter Hennenraub

 

Rudy Salvagini schreibt schon seit einigen Jahren nicht mehr fürs Topolino, dennoch erscheinen gerade in letzter Zeit viele Erstveröffentlichungen von ihm bei uns. Mal tolle („Mittwochs bei Goofy“), mal fade (LTB Galaxy 1). Während „Kampf um Stille“ noch ganz lesbar war, übertreibt er es hier aber wirklich. Dussel und Hubert Bogart richten bei einer Ermittlung zu verschwundenen Hühnern eine derartige Zerstörung an, dass mir geradezu schwarz vor Augen wird. Völlig gaga! Und auch nicht lustig, trotz vieler Stellen, die es gerne wären. Hätte es nicht gebraucht.

 

An der frischen Luft: Die Radtour

 

Annehmbar dagegen dieser Einseiter, tatsächlich Salvagninis vierter Beitrag hier.

 

Turbulente Zugfahrt

Auch wenn es nicht angegeben ist, handelt es sich hier um eine Folge der Serie „Topolino chë risate“, in welcher verschiedene Künstler Remakes von frühen Micky-Kurzfilmen vorgelegt haben. Bei uns ist bisher bloß Castys hübsches „Die Garten-Zwerge“ (in der Hardcover-Micky-Anthologie 2018) und „Ein Moment voller Magie“ erschienen. Das erklärt natürlich auch das etwas ungewohnte Verhalten der bekannten Figuren Micky und Karlo, zumindest auf den normalen LTB-Standard bezogen.

 

Der Inhalt ist schnell zusammengefasst: Kater Karlo ist Schaffner und will Micky und Pluto nicht in den Zug lassen. Die beiden schleichen sich dennoch hinein und sind fortan auf der Flucht vor Karlo. Dann werden auch noch Passagiere bestohlen…

 

Für Faccini-Fans wohl eine Offenbarung. Dass ich keiner bin, habe ich schon öfter durchklingen lassen. So konnte ich hier kein einziges Mal wirklich lachen, obwohl die Geschichte fast nur aus Slapstick besteht. Es wirkt einfach alles sehr bemüht und gewollt, wie ich finde. Und Faccinis Zeichnungen finde ich an einigen Stellen ziemlich hässlich.

 

Schocktherapie

 

Die zweite „Minni“-Geschichte hier, aber wenn die Kolorierung nicht wäre, man würde es nicht merken: Der Comic könnte auch im Topolino erschienen sein. Mit dem Frühling einhergehen jedenfalls die Frühlingsgefühle. Daisy erweist sich hier als psychologisch begabt und bietet fortan Beratung an. Aber mit einem arg schüchternen Verliebten tut sie sich schwer. Und Donald, der glaubt, er hätte einen neuen Nebenbuhler, macht die Sache auch nicht besser. Erst mal zumindest…

 

Eine klassische Donald-Geschichte. Die Idee, dass er von falschen Tatsachen ausgeht und glaubt, Daisy wolle ihn verlassen, gab es schon mal, aber die Umsetzung hier ist auch gut. Der Schlussgag passt wie die Faust aufs Auge. Claudio Panareses Zeichnungen sind in Ordnung.

 

Wetter nach Maß

 

Dagobert will genauere und längere Wettervorhersagen. Düsentrieb erklärt, dass das unmöglich ist, bietet Dagobert allerdings ein Gerät an, mit dem man das Wetter sozusagen programmieren kann. Wer wissen will, wie das Wetter wird, muss also Dagoberts Kalender kaufen. Und der ist seiner Sache so sicher, dass er eine Geld-zurück-Garantie mitliefert, für den Fall, dass sich sein Kalender irrt. Aber als Düsentrieb erfährt, dass Dagobert das Gerät an andere Länder weiterverkaufen will, kippt er schier aus den Latschen: Dadurch könnte das Weltklima dauerhaft aus dem Gleichgewicht kommen…

 

Trotz unrealistischer Grundlage eine ziemlich ernste Geschichte, bei der die Moral am Ende siegen muss. Die Zeichnungen sind vom eigentlich bewährten Alessio Coppola – wer sich nun fragt, warum sie stellenweise irgendwie hässlich aussehen bzw. wie eine recht unverblümte Cavazzano-Kopie: Es handelt sich wohl um Coppolas ersten Disney-Comic, in den Jahren seitdem hat er sich natürlich klar verbessert.

 

Bewegte Landpartie

 

Der vorige Comic war von 1990, der hier ist sogar von 1966. In der Hauptreihe kommen so alte Geschichten nur noch selten zum Einsatz, in Reihen wie Ostern und Winter dagegen schon ab und zu. Diesmal hätte es die Ausgrabung von mir aus aber nicht gebraucht. Donald gerät hier während einem Picknick-Ausflug von einer Bredouille in die andere, und zwar ausnahmslos wegen Daisy, die hier als absolut strohkopfige Person dargestellt ist. Man kann wohlwollend darüber schmunzeln und es als überspitzte Alltagsbeobachtung sehen, man kann aber auch unverblümten Sexismus und Chauvinismus drin erkennen. Muss wirklich nicht sein. Auch die Zeichnungen sind nur so lala (wenn sie wenigstens von Scarpa oder Carpi gewesen wären…), und die Kolorierung ist halt so, wie sie damals gewesen ist.

 

Das Traumhaus

 

Auch die dritte Mausgeschichte ist alles andere als alltäglich. Goofy würde gerne aufs Land ziehen, aber das Geld… Micky ist in der Zwischenzeit in Ägypten, und als er zurückkommt, hat sich bei Goofy einiges verändert.

 

Mit neun Seiten mehr ein Strohfeuer. Auf Rodolfo Cimino als Autoren wäre ich aber nicht gekommen. Etwas komprimiert, könnte ich mir die Handlung sogar als frühe Gottfredson- oder Gonzales-Sonntagsseite vorstellen (wer weiß, vielleicht hat sich Cimino hier ja sogar bedient).

 

Grenzenlos kreativ

 

Bruno Enna kennt man für seine poetischen Donni-Geschichten oder für seine Beiträge zu Micky X und PKNA (der neue Phantomias). Hier dagegen nimmt er sich Dussel und Kuno Knäul vor und baut auf sieben Seiten eine Geschichte, die wirklich herrlich absurd ins Satirische überspitzt ist. Kuno Knäul ist hier Musikmanager und Dussel sein Liedtexter. Der entdeckt, dass er großartige Texte produziert, wenn er sich bewegt. Also muss er andauernd in Bewegung bleiben.

 

Eigentlich total durchgeknallt, aber auf eine sympathische Weise. Und die Songtexte sind auch nicht schlecht. Genauso wie die Zeichnungen.

 

Landlust: Wo ist Franz?

 

Na, wo ist er wohl?

 

Verkannter Künstler

 

François Corteggiani hat einige gute Geschichten geschrieben, aber auch viel wirren, brutalen Müll, und in letztere Kategorie gehört dieser Comic leider. Donald, der unbedingt Geige spielen will, ohne auch nur ein Fünkchen Talent zu besitzen, könnte ja durchaus lustig sein, aber ich kann der Sache nichts abgewinnen, und der Schluss ist ja wohl das Allerletzte. Auch die teilweise absonderlichen Zeichnungen können nicht glänzen.

 

Fazit:

 

Einen gemischten Eierkorb hat uns die Reducktion hier gesammelt. Mit Ostern hat exakt eine Geschichte zu tun – die erste. Man kann also schon ein wenig von Etikettenschwindel sprechen. „LTB Frühling“ wäre wohl mittlerweile ein passenderer Titel für die Reihe. Und warum man weiterhin auf Kurz- und Kürzestgeschichten setzt, will ich auch nicht verstehen. Trotzdem finden sich ein paar interessante Storys im Band, die in der Hauptreihe wohl kaum eine Chance hätten.

Bewertung

LTB Ostern 11

250 S., 26.3.2019   Intergalaktische Ostereiersuche   Es scheint wirklich gar keine Ostercomics im LTB-Format mehr zu geben, nicht mal Nachdrucke

Bewertung des Redakteurs:
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Über Spectaculus 7 Artikel
Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!! Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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