LTB Mini Pocket 4: Tick, Trick und Track

Preis: 4,50 €, 304 S.
Ein Heim für Mutter Natur

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Recht unausgegorene Geschichte der McGreals, Bancells‘ Zeichnungen gehen bis zu dem Zeitpunkt, wo der „anstrengend aussehende Arzt“ (Zitat einer der Neffen) auftaucht. Alles danach ist einfach nur noch unschön: Menschen, die eine harmlose ältere Dame (die von sich selbst behauptet, sie sei „Mutter Natur“) in die Klapsmühle zerren wollen; Dagobert, der den Unsinn lange nicht nur mitmacht, sondern geradezu antreibt; Donald und seine Neffen, die auf der Flucht sind. Die schlussendliche Aussage ist ganz nett, aber die Umsetzung einfach nicht gut.

Jugendträume rosten nicht

Daniel Düsentrieb erzählt Tick, Trick und Track aus seiner Jugend. Man erfährt: Der junge Daniel wollte eigentlich Künstler werden – genauer: Schauspieler! Blöd nur, wenn man anscheinend nicht das nötige Talent hat, und wenn diejenigen, die es haben – z.B. Marco Mallone – sich darüber lustig machen. Schonungslos berichtet Düsentrieb von den fiesen Streichen und Mobbing-Attacken, unter denen auch seine bis dato hervorragenden Schulnoten gelitten haben. Aber auch davon, wie er es dann mithilfe seines erwachenden Erfindergeists seinen „Peinigern“ zurückgezahlt hat. Und als Mallone bei der Jahresabschlussfeier durch einen seiner Streiche plötzlich in Lebensgefahr gerät, kommt es auf Jung-Daniel und eine seiner frühen Erfindungen an…

Toll geschriebene (Giorgio Figus), ebenso toll gezeichnete (Valerio Held) Geschichte mit einer unerwarteten Pointe, die vom Titel allerdings ein wenig vorweggenommen wird.

Der Schatz der Marchesa

Daisy besucht Oma auf ihrer Farm, wo seit kurzem seltsame Dinge geschehen: Der Traktor funktioniert nicht mehr, genauso wie die Wasserpumpe. Um das nötige Geld aufzutreiben, will Dorette darum ihre Rezepte als Kochbuch veröffentlichen. Doch dann werden diese gestohlen, und dann brennt auch noch der Heuschober ab! Indizien deuten auf den noch nicht lange in der Gegend ansässigen Señor Perez, aber was will der Mexikaner damit bezwecken? Die Antwort ist einfach: Im Keller soll eine Schatztruhe versteckt sein. Überraschend ist einerseits der Handlungsverlauf, andererseits der Schatz…

Frühwerk von Giorgio Cavazzano, der hier noch nicht viel mit seinem späteren Stil zu tun hat, sondern noch stark von Romano Scarpa beeinflusst ist.

Die große Flut

(Nachdruck aus LTB 259)

Die zweite und leider letzte LTB-Geschichte von Egmont-Ausnahmeautor Huck Akin ist mindestens genauso gut wie die erste („Fantastische Zinsen gehen in die Binsen“) und gehört zu meinen persönlichen Highlights der gesamten 50 Jahre Lustiges Taschenbuch. Es ist auch eine der ersten Fecchi-Geschichten im LTB und der Zeichner hat hier ebenfalls ein riesiges Ausrufezeichen gesetzt. Für meinen Geschmack übertrifft er Flemming Andersen sogar noch: Auf teilweise atemberaubenden Splashpanels (darunter die titelgebende Flut selbst) kann er sich richtig austoben und das skurrile Geschehen gekonnt in Szene setzen.

Der Inhalt ist ein Musterbeispiel an Komplexität, denn es gibt drei Handlungsstränge, die allesamt miteinander verbunden sind. Einmal wären da die Wald- und Wiesenspiele des Fähnlein Fieselschweif, wo mehrere Teams gegeneinander im Signalrennen antreten und eine Nachricht so schnell wie möglich über mehrere Stationen weitergeben müssen. Leider hat der Bürgermeister nach Einflussnahme von korrupten Politikern die entsetzliche Entscheidung getroffen, die Osterferien zu streichen (und das vor den Augen der Pfadfinder!), weshalb das Fähnlein zum letzten Mal die Spiele abhalten kann.

Donald wiederum hat bei seiner Suche nach einem Job einen Arbeitsplatz bei der Telemob gefunden, einer Werbung, die in Telefonwerbung macht. Auf die Frage, ob es da nicht ein Gesetz dagegen gäbe, erhält er die Antwort: „Schließlich hat uns das eine schöne Stange Bestechungsge… äh, Überzeugungsbeihilfe (!) gekostet!“ Da wird das Thema Korruption schon wieder angeschnitten. Beim Versuch, einen der Computer zu reparieren, verkabelt Donald den Apparat unbeabsichtigt so, dass er doppelt so viele Anrufe tätigt wie zuvor. Als Reaktion bieten ihm seine begeisterten Bosse an, wie sie Mitglied im Klub „Fischerfreunde“ zu werden. Dafür muss er allerdings am Stausee eine Forelle mit silberner Krawattenklammer fischen.

Vor der Abreise in die Berge hat Donald an einem der Computer sieben Anschlüsse miteinander verbunden – mit fatalen Folgen: Der Apparat ruft nun 7^7=823.543 Anschlüsse gleichzeitig an! In der Folge sind alle Telefone in Entenhausen dauernd belegt und die Lage wird langsam chaotisch. Da kann dann schon mal eine Popcornfabrik explodieren und die Feuerwehr kommt nicht ran… und es kommt noch schlimmer, denn der Damm des Stausees hätte eine Sanierung dringend nötig, diese wurde jedoch vom Bürgermeister (der zugleich Präsident der Fischerfreunde ist) mithilfe einer Gesetzesänderung abgeschafft!!

Alles hängt nun ausgerechnet an den im Gemeinderat verteufelten Pfadfindern: Erstens müssen sie rechtzeitig die Warnnachricht übermitteln (und nicht etwa per Telefon…), zweitens müssen sie die Evakuierung der Stadt in die Wege leiten… und dann war da ja noch ein Möchtegern-Fischerfreund namens Donald Duck, der genau in dem Moment mit seinem Boot in der Nähe des Damms herumfährt, als dieser bricht!!!!!!!!

Es gibt nur wenige Comics, die ich immer und immer wieder lesen kann, ohne dass diese an Reiz verlieren. Die Dichte der Gags (gerade die jeweils zur Situation passenden Telefonwerbespots – bis zum Finale!! Uahahaha!) ist enorm, die inhaltliche Verknüpfung der verschiedenen Handlungsstränge vorbildlich, Fecchis Zeichnungen sind wie schon geschrieben atemberaubend und das Ganze hat keinerlei erkennbare Schwächen. 45 Seiten sind gar nicht so viel, aber es kommt einem beim Lesen viel länger vor, weil die Handlung einfach so toll konstruiert ist. An dieser Messlatte können andere Egmont-Comics nur scheitern.

Untergetaucht

(Nachdruck aus LTB 282)

Merkwürdige Kurzgeschichte von einem der m.E. schwächsten italienischen Autoren, Gianfranco Cordara: Nacheinander müssen Tick, Trick und Track Onkel Dagobert, Tante Daisy (am Telefon) und Onkel Dussel abwimmeln, die alle etwas von Onkel Donald wollen. Und warum? Na ja…

Die perfekte E.V.A.

(Nachdruck aus LTB 241)

Dagobert hat eine neue Verteidigungsanlage für seinen Geldspeicher. Die heißt nicht nur „E.V.A.“, sondern scheint auch merkwürdige Ähnlichkeiten zum Verhalten von gewissen weiblichen Personen aufzuweisen…

Eine interessante Geschichte rund um lernfähige künstliche Intelligenzen. Der Zeichner ist nicht wie angegeben Guido Scala, sondern Claudio Panarese.

Die Wunderkerze

(Nachdruck aus LTB 286)

Tick, Trick und Track werden von Sorgen geplagt. Sie wollen ein Spiel kaufen, doch Donald hat außer Schulden nix anzubieten. Und dann gibt es ja noch die Schule… Schließlich landen die Drillinge bei einer netten alten Dame, die den dreien eine Zauberkerze schenkt. Wie soll das funktionieren? Anzünden, fest konzentrieren, schon gibt es für jedes Problem eine Lösung! Quatsch, denken die Jungs, solcherlei Hokuspokus kann ja wohl nicht funktionieren… oder?

Die Moral von der Geschicht‘ kommt so überraschend nicht, aber bis dahin ist es spannend dabei zuzusehen, wie alle möglichen Entenhausener mithilfe der Wunderkerze ihre persönliche Erleuchtung erreichen. Nur bei Dussel gab es wohl leider nix zu erleuchten!

Guido Scalas schnörkelige Zeichnungen (diesmal ist er es – unverkennbar!) passen wie die Faust aufs Auge, und die verspielte Katze der alten Dame sorgt für ein paar lustige Auflockerungen.

Ersatzonkel gesucht

(Nachdruck aus LTB 302)

Hier kann man gut vergleichen, wie sich Cavazzano im Laufe der Jahrzehnte (!) entwickelt hat.

Es beginnt mit einem Schulprojekt, für das Tick, Trick und Track Leute befragen, was sie von den dreien halten. Alle finden das Trio toll, nur einer nicht…

Donald ist nämlich sauer auf die Jungs, die Jungs wiederum werfen ihm vor, dass er seine Sache als Erziehungsberechtigter nicht gut macht. Das trifft Donald wiederum so sehr, dass er sich in seine Hängematte zurückzieht und sagt, sie könnten sich ja einen anderen Onkel suchen. Doch entgegen seiner Erwartungen sind seine Neffen sofort Feuer und Flamme und werfen Namen in den Ring: Tick schlägt Dagobert vor, Trick bringt Dussel ins Spiel und Track fände Gustav am besten. Das wiederum ärgert Donald dann schon, doch seine Neffen ziehen ab und so nimmt das Drama seinen Lauf…

Großartig, wie die familiären Beziehungen ausgelotet werden: Einerseits helfen die Neffen ihren „Ersatzonkeln“ bei gewissen Problemen, andererseits haben sie keine Lust, Donald deswegen wirklich zu verlassen. Und Donalds Wut auf Tick, Trick und Track verfliegt sehr schnell, als er deren Ersatzmützen wegwerfen will. Lustig sind auch diverse Gags wie „Mein automatischer Hausheini spuckt umsonst Eis aus“ (Was?) oder die Szene, wo Tick, Trick und Track über ihr Dokuprojekt sinnieren und die Meinungen der meisten mit der ihres Hauptonkels („Gefährliches Gemüse auf zwei Beinen.“ […] „Widerborstige Würmlinge.“) vergleichen.

Das Ende gefällt mir zwar nicht sonderlich, aber ansonsten zeigt sich wieder mal gut der Unterschied zwischen italienischen und dänischen Geschichten. Während in LTB 313 die beiden Parteien einander auf übelste und mit teilweise ekelhaften Mitteln bekämpfen, ist der Konflikt hier viel lebensechter und, Entschuldigung, weniger geisteskrank dargestellt.

Die Autogrammjäger

Tick, Trick und Track sind seit neuestem Autogrammjäger. Mit Cleverness schaffen sie es, an Autogramme von Donaldo, Verena Dombusch („Sie werden ja geholfen“!) und vielen anderen Stars aller Couleur zu kommen. Doch als sie den berühmten Schauspieler Richard Gier treffen (der später „die einzigartige Rulia Joberts“ präsentiert), scheint irgendetwas nicht zu stimmen. Wieso isst er plötzlich Karotten, obwohl in „Stars privat“ steht, dass er keine Möhren mag? Ist der Kerl womöglich gar nicht Gier, sondern ein Doppelgänger?

Schön aufgebaute Geschichte, die mit den Erwartungen des Lesers spielt und diese clever unterläuft, bis zum Schlussgag. Sandro Dossis Zeichnungen sind prinzipiell in Ordnung, allerdings erinnert er mich manchmal ein wenig an Bancells…

Der Elfenbeinstamm

(Nachdruck aus LTB 126)

Ganz frühe dänische Produktion mit Dagobert, Donald und den Drillingen heißt oft: Klassische Schatzsuche im Stil Barks‘. Dem ist auch hier so: Donald entdeckt durch Zufall in Dagoberts Bibliothek eine Schatzkarte, die den Weg zum sagenumwobenen Elfenbeinstamm weist. Doch Dagobert, der natürlich nicht teilen will, fliegt einfach alleine ab, und hat dafür gesorgt, dass seine Verwandten nicht in ein Flugzeug gelassen werden! Aber ebendiese Verwandten sind auch nicht auf den Kopf gefallen. Und als die beiden Träger ihn ausbooten (nur Dagobert wird nicht argwöhnisch, wenn andere Menschen ihm für lau helfen wollen!) und im Dschungel an einen Baum fesseln, wird er darüber noch sehr, sehr froh sein…

Affen, Elefanten („Schriiiek!“ – „Iiiiek!“) und Böcke sorgen für Auflockerungen, bevor die Ducks schließlich die von einer Felswand umgebene verborgene Stadt entdecken – und prompt von den Einheimischen gefangen genommen werden. Im Gefängnis warten auch schon Dagoberts ehemalige Träger, doch diese können sich befreien und wollen die Eingeborenen mithilfe ihres Seiltricks ausrauben…

Sehr klassisch, und die Zeichnungen wirken verglichen mit den italienischen Geschichten etwas unpersönlich. Trotzdem sicher ein Lesetipp.

Bewertung

Über Spectaculus 6 Artikel
Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!! Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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