COMICSCHAU

LTB Crime 10 5/5 (1)

312 S., 9,95 €, 14.8.2020

Das Cover ist schlicht und einfach von LTB 389 kopiert bzw. freigestellt, verliert aber nichts von seiner Wirkung. Das Phantom ist einfach eine eindrucksvolle Figur.

Die Stadt der Diebe (EV)

Ein Gefängnisausbruch, bei dem Kommissar Hunter im allgemeinen Tumult entführt wird. Ungut? Und wie. Micky macht sich zusammen mit einem Musterhäftling namens Kolja Klepto auf, denn offenbar hat Koljas Zellengenosse Hunter entführt und ist nun mit ihm auf dem Weg nach Exlex, der sagenumwobenen Stadt der Gesetzlosen. Kolja bietet seine Hilfe an, doch auf der Reise kommen Micky immer mehr Zweifel an Koljas Absichten – und das nicht zu Unrecht…

Gleich die Eröffnung lässt praktisch keine Wünsche offen. Über ein, zwei Logiklücken kann man großzügig hinwegsehen, denn die Geschichte lebt von der dichten und ungewohnt realistischen Inszenierung. Zwei grundverschiedene Charaktere gemeinsam durch die Wildnis – ein gerne genommenes Thema, aber die Enthüllung macht alles noch viel besser. Interessant hierbei, dass im LTB mit der “Insel voller Halunken” ein recht ähnliches Thema behandelt wurde, aber “Die Stadt der Diebe” ist um mehrere Klassen gelungener. Dazu tragen auch die starken Zeichnungen von Marco Palazzi bei, und Autor Marco Bosco beherrscht das Jonglieren von ernsten Themen mit witzigen Szenen (u.a. mehrere Running-Gags) zumindest hier genauso gut wie Casty. Extrem starke Geschichte, die auch ein reguläres LTB hätte aufwerten können.

Kommissar de Mauss: Der Fall Paraplü (EV)

Die Brüder Palidor und Polidor Paraplü benötigen die Hilfe von Mick de Mauss und Goofotte: Ihr Onkel, der berühmte Schirmmacher Pamphilius Paraplü, ist verschwunden, und mit ihm auch sein Vermögen. Was steckt dahinter? Die Schirme bringen es ans Licht…

Wenn auch nicht sonderlich kriminell, liefert Augusto Macchetto auch diesmal wieder eine sehr schöne, poetische Geschichte rund um Kommissar de Mauss mit viel Lebensweisheit und feinen, kleinen Gags. Bemerkenswert ist hierbei auch die Nebenhandlung, die erst am Schluss wirklich Sinn macht – bis dahin können die beinahe willkürlich wirkenden Schnitte für einige Verwunderung sorgen.

Ein Hingucker sind die Zeichnungen von Claudio Sciarrone, der sich zu diesem Zeitpunkt im regulären Disney-Universum sehr rar gemacht hatte, aber noch herkömmlich mit Tusche und Papier zeichnete – und das kann er wirklich gut! Seine Bilder veredeln die Geschichte und passen besonders gut zu den vielen Regenszenen.

Von Kommissar de Mauss gibt es nun noch zwei unveröffentlichte Geschichten. Auch wenn es mir lieber gewesen wäre, die Serie komplett im Crime unterzubringen, ist es wohl zu erwarten, dass wir bald alle Geschichten auf Deutsch vorliegen haben.

Agent DoppelDuck (4): Enttarnt

(Nachdruck aus LTB 387)

Donald ist Kay-K auf der Spur, die von Joe Feldmanns Männern entführt wurde, gerät aber prompt selbst in die Falle. Feldmann ist aber nicht so froh über seinen Fang. Und dann greifen die angeblichen Überläufer Black-B und Berry-B in die Handlung ein. Die Geschichte wird aber immer verworrener und das Blatt wendet sich noch mehrfach…

Ich muss zugeben, dass ich den Abschluss der ersten DoppelDuck-Reihe erst jetzt wirklich kapiere. Beim Erstabdruck war mein Hirn ganz offensichtlich noch nicht weit genug entwickelt, um einen Überblick über die vielen Fäden zu behalten. Ich hatte früher immer irgendwie den Eindruck, dass der Vierteiler am Ende ganz woanders ist als am Anfang und dass der rote Faden verloren geht. Dem ist nicht so; dennoch hat die Story das Potenzial, eine Menge Leser nachhaltig zu verwirren.

Das liegt aber auch daran, dass es eben ein paar logische Ungereimtheiten gibt. Damit meine ich nicht nur so banale Dinge wie das Pflaster, sondern auch die etwas wirre Vorstellung, dass es ausgerechnet Red Rose selbst war, die Donald in Teil 3 vor Red Rose gewarnt hat. Ein bisschen unvorsichtig vielleicht?

Trotzdem: “Enttarnt!” bringt das Ganze in bester James-Bond-Manier mit einigen spektakulären Szenen zu einem vorläufigen Schluss. Die Zeichnungen von Francesco D’Ippolito sind vielleicht nicht exzellent, aber ziemlich gut – und wie gewohnt hervorragend von Max Monteduro koloriert.

Ärgerlich: Nachdem der Übersetzerfehler mit Farlo Feldmann im vorigen Band noch korrigiert wurde, kann davon hier leider nicht die Rede sein: Das Ende ist hier genauso unsinnig bzw. falsch übersetzt wie in LTB 387. Wieso soll Donald denn das Gedächtnis gelöscht werden?? Das macht auch im Kontext der Fortsetzungen keinen Sinn.

Spezialagent Franz Gans: Die lange Nacht der Linsen (EV)

Der Bürgermeister verspricht seinen Bürgern ein kostenloses Neujahrsessen – Schweinefilet mit Linsen. Wird aber schwierig, dieses Versprechen einzuhalten, wenn plötzlich alle Linsen verschwunden sind. Ein Fall für die Sondereinheit der Entenhausener Polizei, “Garantiert astreiner Genuss”…

Au weia. Diesmal kann ich mit der G.A.G.-Geschichte aber rein gar nichts anfangen. Vielleicht bin ich mittlerweile auch schon etwas zu sehr “politically correct”, aber alleine die Zahl der nötigen Schweinefilets wirft für mein Gefühl zu viele Fragen auf, die in einem Disney-Comic einfach keinen Platz haben. Dann auch noch die Tatsache, dass der Urheber der Idee (der Bürgermeister) selbst wie ein Schwein aussieht… muss nicht sein. Dann die “Folterszene”… klar, disneymäßig so weit entschärft, dass man drüber lachen kann. Trotzdem wird hier ein falsches Bild der Polizeiarbeit vermittelt.

Auch ansonsten lässt die Handlung zu wünschen übrig und die Auflösung ist einfach nur enttäuschend einfallslos.

Ganz schlimm sind auch die zerfahrenen, teils potthässlichen Zeichnungen von Francesco D’Ippolito, und das ausgerechnet direkt nach der ebenfalls von ihm (und viel schöner) gezeichneten DoppelDuck-Episode!

Die mysteriöse Stimme (EV)

Dagobert Duck wird von einer Stimme heimgesucht, die seinen Namen ruft, und die nur er hören kann. Was steckt dahinter? Auf der Suche nach einer Lösung stößt Dagobert auf den Namen eines Anderen, der von demselben Problem berichtet. Sein Name ist Mirko Fon (!), und er berichtet von einem Berg, aus dem die Stimme entspringt…

Carlo Panaro hat sich alle Mühe gegeben, eine metaphysisch anmutende Geschichte mit unheimlich-übersinnlichen Elementen im Stil Rodolfo Ciminos zu schreiben (inklusive dem obligatorischen Splashpanel auf der ersten Seite), aber die Enthüllung banalisiert das Ganze dann doch deutlich. Trotzdem noch ganz unterhaltsam, besonders sympathisch hier der Papagei Ferdinand. Auch Alessandro Gottardos Zeichnungen (obwohl sie in ihrer Qualität teilweise schwanken) gefallen mir hier recht gut.

Ein Fall für Micky: Lösegeld für eine Geige

Der weltberühmte Geiger Nicolemo Paganino soll bei der Eröffnung des Entenhausener Opernhauses spielen. Der Maestro ist recht exzentrisch. Und als er kurzerhand seine Geige zerschmettert (da diese nicht seine wertvolle Duckivari ist) und kurz darauf erpresst wird, ist das natürlich ein Fall für Privatdetektiv Micky…

Für EFFM-Verhältnisse eine ziemlich handzahme Geschichte, der aber die Spannung doch ein Stück weit fehlt. Man kann sich schon ziemlich schnell zusammenreimen, was Sache ist – noch dazu finde ich es logisch gesehen schon fragwürdig, dass zwei verschiedene Geigen ein und desselben Geigenbauers, die noch dazu fast identisch aussehen, so unterschiedlich wertvoll sein sollen. José Cardona Blasis Zeichnungen wirken auch ein wenig steif, sind allerdings sehr schön neukoloriert.

Duck’scher Geheimdienst: Der grüne Smaragd (EV)

Ein Fall für den DGD: Dagobert Duck hat das “Wiesel” aufgespürt, einen Meisterdieb, der dem Fantastilliardär einst einen unbezahlbaren grünen Smaragd gestohlen hat. Da die üblichen Agenten verhindert sind, muss er selbst ran, dabei tarnt er sich als Sekretär eines Milliardärs. Der wiederum wird von Daniel Düsentrieb gespielt. In seiner Tarnidentität als Daniel Düsenpepp lernt er Tina Tausendschön kennen und ist sofort hin und weg. Das beißt sich leider stark mit seiner Mission…

Immerhin, die Geschichte ist ungewöhnlich und verlässt die ausgetretenen DGD-Pfade. Anstelle von Donald und Dussel treten hier die beiden in Aktion, die sonst eher Hintermänner sind – Daniel Düsentrieb und Dagobert Duck himself. Und Düsentrieb als Düsendepp, äh, tolpatschiger Verehrer ist zwar nicht mehr ganz unverbraucht, aber immer noch ein eher seltener Anblick. Allerdings ist der sehr stereotype Schluss dann doch enttäuschend, obwohl die Mission ja eigentlich erfolgreich war.

Der Gebieter der Gedanken (EV)

Nachdem ein Tenor auf der Opernbühne plötzlich wie ein Hahn kräht und ein Baseballspieler den Ball in den Mund nimmt, kommt bald heraus, wer dahintersteckt: Das Schwarze Phantom! Der Schurke verlangt hundert Taler von jedem Einwohner der Stadt, andernfalls will er alle per Hypnose in Spatzen verwandeln. Micky und Goofy versuchen der Sache auf den Grund zu gehen, doch das Phantom ist gerissen…

Im Prinzip ist das typischer Casty-Stoff (siehe z.B. dessen Frühwerk “Der König des Vergessens”), aber Casty schrieb zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht fürs Topolino! Tatsächlich beweist Carlo Panaro hier mal wieder, dass er durchaus gute Krimis schreiben kann (wobei er hier nicht an die Klasse seines eigenen Klassikers “Eine tödliche Falle” heranreicht), und einige starke Szenen erinnern sogar deutlich an die Anfänge des Phantoms bei Floyd Gottfredson (“Jagd auf das Phantom”) bzw. die Fortsetzung von Guido Martina und Romano Scarpa (“Das doppelte Geheimnis des Schwarzen Phantoms”). Sergio Asteritis Zeichnungen unterstreichen dieses klassische Flair zusätzlich, auch wenn seine Zeichnungen wie immer etwas behäbig wirken.

Erwähnenswert noch, dass dies eine der wenigen italienischen Geschichten ist, in denen das Phantom nie demaskiert wird. (Eine weitere wurde ebenfalls von Asteriti gezeichnet – “Die Pilz-Bande”.)

Rätsel um Dick Goof

(Nachdruck aus LTB 177)

Bei einem Besuch im Entenhausener Museum für Archäologie gerät Mack aus Versehen in die Zeitmaschine und ist damit seinem Onkel Micky voraus, der eigentlich einer merkwürdigen Zeitungsmeldung rund um Detektiv Dick Tracy (eigentlich nur als Comicfigur bekannt) nachgehen sollte. Mack gerät also ungewollt ins Entenhausen der 1920er Jahre, und das ist ein ganz schön hartes Pflaster. Zum Glück trifft er den gerissenen Dick Goof, doch auch der scheint der organisierten Kriminalität unterlegen.

Eindrucksvolles Zeitmaschinen-Abenteuer mit einer total unverbrauchten Ausgangslage. Ein Kind in einer fremden Zeit gestrandet, in einer Welt, in der es niemandem vertrauen kann? Das Gangster-Flair wird von Bruno Sardas komplexer Story, aber noch mehr von Giampiero Ubezios “harten” Zeichnungen hervorragend transportiert. Aber natürlich gibt es auch das für die Zeitmaschine typische Zeitparadoxon. Der Nachdruck war lange überfällig. Super!

Fazit:

Während LTB Crime 9 in erster Linie von der “Zeitenwelle” lebte, diesem Brocken aber nicht genügend Gegengewichte entgegensetzen konnte, ist der zehnte Crime-Band ausgeglichener. Es gibt zwar kein großes Casty-Epos, dafür passen diesmal fast alle Comics unter die Crime-Überschrift, und es gibt auch einige Leseempfehlungen von mir.

Sehr schön hierbei ist die starke und vielfältige Präsenz des Maus-Universums: Es gibt gleich zwei starke Auftritte Mickys im italienischen Krimi, dazu kommen Kommissar de Mauss, EFFM und ein langer Zeitmaschinenschinken. Das macht mehr als die Hälfte des Buchs aus. Leider enttäuschen die Entengeschichten mehrheitlich: Wirklich gut ist nur der DoppelDuck, und das ist nun mal ein Nachdruck. Wer also nur Ducks mag, der kommt mit der Crime-Reihe mal wieder nicht auf seine Kosten.

★★★★½

Bewertung

Spectaculus

Spectaculus

Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!!
Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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Spectaculus

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Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!!
Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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