LTB Crime 5

312 S., 9,95 €, 11.10.2019

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Auf dem Cover flüchten drei Panzerknacker in Handschellen vor einem Polizeihubschrauber. So weit, so unspektakulär. Auf der Rückseite dann der Schock: Gaaaah! Dieser beknackte Satz „Panzerknacker knacken wacker“ ist nach seiner total unpassenden Verwendung als Titel für LTB 442 wiederauferstanden: ein Ehapa-Zombie! (Passt ja zu Halloween…)

 

Das Silversterfeuerwerk

Und leider gehen die Ehapa-Verirrungen weiter: Lese ich recht? Heißt Trudi hier tatsächlich (nach Band 2 schon zum zweiten Mal) konsequent Trudy? Warum bloß? Im Impressum tauchen fast nur bekannte Namen bei den Übersetzern auf. Besonders interessant: „Lektorat: Michael Bregel und Kai Richter“. Aha! Erstaunlich, dass jemand (Bregel) schon seit Jahrzehnten Disney-Comics übersetzt und lektoriert, aber solche Fehler nicht bemerkt (und stattdessen selbst immer wieder welche macht). Glatte Fehlbesetzung, wenn man mich fragt. Auch Bert Preller hieß bei seinem ersten Auftritt („Alles eine Frage des Stils“, LTB 460) anders, nämlich Anatol Anstand. Kein toller Name, zugegeben, aber mir war der Typ sofort vertraut, denn seine Hauptcharakteristik (dass er Kater Karlos Namen andauernd unabsichtlich verunglimpft) ist recht einzigartig.

Aber reden wir über den Inhalt: Eine ganze Armada von Verbrechern will gemeinsam an Silvester einen spektakulären Raub begehen. Dazu gehören neben Kater Karlo, Trudi, Kralle, Schnauz und dem Schwarzen Phantom auch die Panzerknacker, Hugo Habicht und der dichtende Spion! (Somit handelt es sich strenggenommen um ein Crossover, da die Panzerknacker ja eigentlich zum Enten-Universum gehören; Habicht ist in beiden Welten zuhause.) Als Gegenspieler stehen nur die beiden Inspektoren Issel und Steinbeiß zur Verfügung (Micky und Kommissar Hunter sind im Urlaub), und das wäre eigentlich auch eine lösbare Aufgabe. Leider gibt es aber interne Querelen…

Jacopo Cirillo merkt man das junge Alter, ähnlich wie bei „Superheld 2.0“, deutlich an. Es fehlt der Geschichte ein wenig an erzählerischer Reife. Dass es so viele Figuren wirklich gebraucht hätte, will ich auch mal anzweifeln, und besonders der dichtende Spion sollte doch vielleicht eher für wirklich anspruchsvolle Comics aufgespart werden. Besonders der Schluss ist nicht gelungen. Fragt sich auch, wieso eine Silvestergeschichte im Oktober erscheint? Kein Platz mehr in Crime 6, oder was?

Carlo Limidos Interpretation der Figuren ist mir manchmal etwas zu eigenständig, und das Panel auf S. 13 oben ist doch etwas missglückt. (Oder sieht das nur für mich so aus, als ob räusper Plattnase an Trudis „gut bestückte“ Oberweite fasst?)

 

Rappende Räuber

Hip-Hop ist angesagt in Entenhausen. Auch die Panzerknacker sind (als „Panza Piepel“) unter die Rapper gegangen und YouTube- äh, DuckTube-Stars. Dagobert sieht sich mehr oder weniger gezwungen, die rappenden Räuber unter Vertrag zu nehmen. Trotz aller Bekundungen ist er sehr skeptisch, was einen Videodreh im Geldspeicher angeht…

Tja, irgendwie war von vornherein klar, dass die Geschichte enttäuschend enden musste. Dieses Problem hat sie gemeinsam mit anderen von Federico Buratti, der bekannten Figuren zwar neue Facetten abgewinnen kann, aber Schwierigkeiten damit hat, diese Entwicklungen am Ende sinnvoll aufzulösen, ohne dabei den heiligen „status quo“ zu verletzen. Insofern ganz nett, aber auch nicht mehr. Libero Ermettis Zeichnungen sind ordentlich, aber noch längst nicht so gut wie bei „Edgar Allan Duckoe“ im ersten Band der Reihe.

 

Oropolis – Die wandelnde Stadt:

Erster Teil

Zweiter Teil

Mick Mirakel ist der Detektiv des Übernatürlichen. Als solcher ist er Mythen und Rätseln der Menschheit auf der Spur. Ein solches Mysterium ist Oropolis, die wandernde Stadt – Abbildungen von ihr reichen weit in die Geschichte zurück, und sie scheint sich immer wieder an anderen Stellen befunden zu haben. Der menschenscheue Magnat Boso Bonzer beauftragt Mick Mirakel, zusammen mit seinen Begleitern Dinnie und Wargl (ein Goofandertaler) nach der mysteriösen Stadt zu suchen. Letzten Hinweisen zufolge soll sie sich in Afrika befinden. Dann kommt allerdings auch Mirakels Erzfeind, der skrupellose Karol Katzoff, ins Spiel. Und die Suche bringt in allen Belangen außergewöhnliche Erkenntnisse hervor…

Hervorragende Geschichte, bei der es sich lohnt, sie zwei- oder drei Mal am Stück zu lesen. Erst dann erklären sich wirklich alle Details, die man beim ersten Lesedurchgang womöglich übersieht oder nicht versteht. Was die Geschichte, die ganz klar im Bereich Abenteuer angesiedelt ist, mit Crime zu tun hat, erschließt sich mir aber nicht.

 

Ähnlich wie schon bei „Mysterien des Mondes“ habe ich auch hier das Gefühl, mittlerweile alle typischen Casty-Erzählmuster zu kennen. Das soll nicht heißen, dass sie nicht mehr funktionieren, aber vielleicht hat er seine innovativste Zeit mittlerweile doch hinter sich.

Mick Mirakel heißt im Original Topin Mystère, was eine Hommage an Martin Mystère darstellt, der auf Deutsch offenbar als „Alan Dark“ übersetzt wurde. Dessen Erfinder Alfredo Castelli hat auch die Disney-Adaption seiner Figur durch Andrea Castellan (Casty) überwacht. Obwohl die letzte Seite klar macht, dass Mick Mirakel nicht mit Micky identisch ist, hätte man die Geschichte im Prinzip auch mit Micky, Goofy und Tabea Trifftig schreiben können – was letztlich nur zeigt, wie stark Casty von Castelli beeinflusst ist.

Aber wenn wir schon bei einer gewissen Austauschbarkeit der Figuren sind: Die einzige weibliche Figur, Dinnie, hat nicht viel zu sagen. Nur zu Beginn liefert sie den wichtigen Hinweis, wird danach aber ziemlich unscheinbar und ist über weite Strecken das ahnungslose Püppchen, das ihren Partner in der Öffentlichkeit mit einem peinlichen Kosenamen anspricht und sich alles von Mick erklären lassen muss. Nur beim Kampf mit Katzoff kann sie noch mal kurz glänzen. Wie war das noch mal mit den starken Frauenfiguren, Casty?!

Immerhin: Ein Vorteil des Abdrucks im Crime ist, dass die teilweise beeindruckenden (und toll kolorierten) Zeichnungen im etwas größeren Format deutlich besser glänzen können als in der LTB-Hauptreihe oder der Maus-Edition.

 

Ein unerwarteter Verbündeter

(ursprünglich aus LTB 366)

Phantomias wird das Auto geklaut. Von den Panzerknackern. Unschön, denn der 313-X ist voll mit Waffentechnologie. Andererseits will es das Schicksal, dass einer der Knacker sich zum Phantomias-Fanboy entwickelt hat, und seinem Lieblingshelden nun helfen will.

Tja, die Geschichte steht und fällt damit, ob man den vorigen Satz für realistisch hält oder nicht. Warum soll ein Berufskrimineller plötzlich einen Schrein mit Phantomias-Fanartikeln haben? Akzeptiert man die Prämisse, dann ist die Geschichte aber sehr gelungen. Die Running Gags bzw. wiederkehrenden Situationen (bei Donald klingelt es an der Tür) sowie Paolo Motturas wunderbar souveräne (dabei total normale) Zeichnungen können überzeugen.

Ärgern kann man sich allerdings darüber, dass Phantomias sich jetzt auch noch im Crime breitmacht. Zudem ist die Geschichte schon in der Sonderedition 2013 nachgedruckt worden – zusammen mit dem irgendwann wohl auch noch folgenden Nachdruck im Ultimate bedeutet das letztlich, dass ein Komplettsammler den Comic stolze vier Mal in der Sammlung haben wird. Muss nicht sein!

 

Der mutige Ermittler

argh Wie kann man nur ein so geniales Splashpanel, auf das ich mich, seitdem ich es im Inducks gesehen habe, lange gefreut habe, mit einem dermaßen hässlichen und klobigen Titelschriftzug so sehr entstellen? Kann Steffen Uzler sich nicht die italienischen Originale ein bisschen anschauen und versuchen, den Stil besser zu treffen? argh

Daisy vergleicht Donald mit dem „Bullen von Sülz“, Benny Bergschrammer. Dass der Enterich mit dem Serienheld nicht mithalten kann, ist klar. Donald ist erst genervt von den ständigen Vergleichen, dann begeistert von der Serie, und schließlich entschlossen, den Schauspieler Otti Angler zu besuchen. Und dann zeigt sich, dass Realität und Fiktion manchmal heftig auseinanderklaffen können…

Tja, irgendwie verstehe ich die Geschichte nicht so recht.

Spoiler
Wie kann ein solcher Schussel denn vor der Kamera bestehen?

Davon abgesehen ist auch der Schluss eher seltsam, diese Wendung müsste Donald doch eigentlich freuen.

Ein Fest für mich sind dagegen mal wieder, wie angedeutet, Francesco Guerrinis detaillierte und lebendige Zeichnungen, irgendwo zwischen Barks, Rosa und etwas ganz Eigenem.

 

Glück im Spiel – Pech für die Diebe

Das totale Gegenteil sind Maurizio Amendolas steife und rudimentäre Zeichnungen. Und die Geschichte ist nicht der Rede wert. Irgendwas mit Panzerknackern, die bei einem Gewinnspiel mitmachen, ich hab’s schon wieder vergessen… 😛

 

Ein Fall für Micky: Das Geheimnis des Kapuzenadlers

seufz Ich werde wohl nie ein EFFM-Fan werden. Dieses hier ist die eine Geschichte aus dem allerersten EFFM-Heft, aber von einer Einführung wie bei „Micky Mystery“ kann keine Rede sein – die Serie ist einfach da und das Setting muss akzeptiert werden, basta!

Ein gewisser Marco will eigentlich mit seinem Kapuzenadler in Entenhausen auftreten, aber der ist verschwunden, weshalb er Trenchcoat-Micky um Hilfe bittet und schließlich mit ihm in die Berge fährt. Erst viel zu spät bemerkt der Privatdetektiv , was wirklich vor sich geht…

Ja, spannend ist die Geschichte, und Miguels Zeichnungen erschaffen schon so etwas wie eine Atmosphäre (lassen aber in anderen Belangen auch deutlich zu wünschen übrig). Gleichzeitig steckt sie aber voller Logikfehler, wirkt nicht richtig durchdacht, und manches Element erklärt sich auch bis zum Schluss nicht. Beim Bösewicht der Geschichte fällt zudem eine fehlerhafte Charakterisierung (und eine ziemlich unansehnliche zeichnerische Darstellung) auf:

Spoiler
Das Schwarze Phantom ist berühmt für sein „zartes Gemüt“ und geht normalerweise nicht mit einer Axt auf Micky los

 

Die unfassbaren Panzerknacker: Aufs Herrchen gekommen

Einer der besseren Panzerknacker-Einseiter bis jetzt. Trotzdem wirklich nichts, über das es sich zu reden lohnen würde.

 

Spezialagent Franz Gans: Der Fünf-Sterne-Fall

Die GAG soll einen Fall von Hotelbetrug aufdecken. Franz hat dabei das scheinbar große Los gezogen: Sein Hotel gibt sich sehr nobel und edel und hat für Vielfraße wie ihn jede Menge zu bieten. Doch als er am nächsten Tag aufwacht, hat sich das vermeintliche Traumhotel in einen richtigen Albtraum verwandelt…

Wo der Band in einiger Hinsicht schwächelt, da macht er ausgerechnet bei den bis dahin verlässlich schlechtesten Serien Boden gut: Bisher war die GAG-Reihe ja eher klamaukig angelegt und die „Bedrohungen“ kaum bedrohlich (mit Ausnahme der Debütstory vielleicht, die aber auch durch Lara Molinaris knuffige Zeichnungen sehr „entschärft“ war). Diesmal aber hat die Geschichte einen ernsthafteren Anstrich, der ihr gut steht, und das Szenario ist gar nicht mal so unrealistisch. Paolo Motturas moderne, verwirrend-unübersichtliche Zeichnungen passen diesmal zu 100% und können in puncto Atmosphäre mit denen von Miguel beim „Kapuzenadler“ klar mithalten, was ein Übriges dazu tut, den Kontrast zwischen erstem Eindruck des Hotels und der erschreckenden Enthüllung nachdrücklich herauszuarbeiten. Insgesamt für mich die positive Überraschung des Bandes. Klar, ein paar niveaulose Essen-Schlafen-Gags gibt es auch hier, aber was kann man bei Franz als Titelfigur auch anderes erwarten.

 

Das verlorene Gedächtnis

(ursprünglich aus LTB 217)

Wenn Dagobert Duck den berühmt-berüchtigten Detektiv Hubert Bogart aufsucht, muss schon etwas Schlimmes passiert sein. Und das kann man laut sagen: Dagobert weiß die Kombination für seinen Tresorraum nicht mehr! Es liegt nun also an Bogart, das Gedächtnis des Multimilliardärs zurückzubringen. Schwierig…

Gute Zeichnungen vom Meister Giorgio Cavazzano. Die Geschichte ist durchaus interessant und lesenswert, hat aber auch ein paar schwache Momente. Eine der besseren Bogart-Geschichten.

 

Duck’scher Geheimdienst: Der Wassertelegraf

 

Dagobert will einen Katalysator produzieren lassen, mit dem man Erze aus dem Meerwasser extrahieren kann. Um zu verhindern, dass die Blonk (ist das jetzt doch dieselbe Organisation wie die MOB?) die Pläne in die Hände bekommen, hat er einen Wassertelegrafen benutzt: Ein altes Leitungssystem aus der Gründerzeit, das noch funktioniert. Oder zumindest funktionieren sollte, denn die Pläne sind irgendwo stecken geblieben. Nun ist es an Donald und Dussel, erstens die Pläne zu retten und zweitens zu verhindern, dass sie dabei bei Blonk landen.

Giuseppe Dalla Santas lebendige Zeichnungen sind schon eine Bank. Und auch die Handlung hat mehr Pfiff und Pep als die meisten DGD-Geschichten. Der Erklärteil rund um den Wassertelegrafen ist sogar richtig interessant. Aber was das Ganze dann doch ein wenig sabotiert, ist dieser Nicht-Schluss. Ich meine, was soll das? Konnte oder wollte Giorgio Figus die Geschichte nicht zu Ende erzählen? So bleibt die Geschichte in den diesmal wirklich guten Ansätzen stecken. Vielleicht wäre es mit mehr Seiten richtig gut geworden…

 

Fazit

Das LTB Crime wirkt immer mehr wie ein Sammelsurium. Dabei springen durchaus gute Geschichten raus (diesmal kann ich mich auch mit DGD und GAG weitgehend anfreunden – und Casty ist natürlich eh ein Highlight), und auch die Nachdrucke gehen weitgehend in Ordnung. Bleibt aber die Frage: Warum ist Kommissar de Mauss nicht mehr dabei? Es gibt zwölf Folgen. Nächstes Jahr noch mal sechs Bände Crime, da hätte man die gesamte Serie komplett abdrucken können. Auch wenn es zwei Folgen schon vor dem Crime auf Deutsch gab – ich finde es immer nervig, wenn man herumsuchen muss (oder erst Bände nachkaufen), bevor man eine Serie wie diese komplett lesen kann… (Doppelt schade: Drei der bei uns noch fehlenden Folgen wurden von Alessandro Perina gezeichnet, und von seinem Zeichenstil habe ich ja schon oft geschwärmt.)  Und davon abgesehen fehlt mir erneut der ganz normale italienische „Herr Maus“. Eben so wie bei „Der Raub der Kronjuwelen“ oder „Das verzögerte Telefonat“. Es gibt doch aus der Hochphase des LTB noch eine Menge guter Krimis mit dem regulären Micky in der Hauptrolle (z.B. „Das Geheimnis der Statue“), und sicher noch eine Menge bei uns unveröffentlichter Geschichten (z.B. von Silavno Mezzavilla oder was Altes von Martina/Carpi) in dem Stil…

 

★★★½

Bewertung

LTB Crime 5

312 S., 9,95 €, 11.10.2019   Auf dem Cover flüchten drei Panzerknacker in Handschellen vor einem Polizeihubschrauber. So weit, so unspektakulär. Auf d

Bewertung des Redakteurs:
3.5
Über Spectaculus 7 Artikel
Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!! Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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