LTB Crime 3

312 S., 9,95 €, 14.6.2019

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Das Cover ist nicht schlecht (der antike griechische Tempel im Hintergrund ist übrigens ein cleverer Touch in Anspielung auf die erste Geschichte), aber auch nicht richtig toll. Interessant ist, dass hier zwei Figuren zum ersten Mal auf einem LTB-Cover auftreten dürfen. Allerdings hat Hugo Habicht im Band nur eine minimale Rolle, und Zwerg Zwetschge taucht gleicht gar nicht auf. Da wäre mir Trudi zusammen mit Karlo lieber gewesen, immerhin ist sie im Band ja recht präsent… und man muss auch mal eines bedenken: Sechs Bände Galaxy, sechs Bände Crime… und keine einzige weibliche Figur auf auch nur einem Cover! Wo ist denn hier bitte die Gleichberechtigung?

Irrfahrt auf der Flucht

Eine recht ungewöhnliche, dabei aber auch sehr klassische Geschichte steht am Anfang. Sie spielt nicht im bekannten Entenhausen, was alleine daran erkennbar ist, dass Micky und Karlo gemeinsam (!) aus dem Gefängnis fliehen. Auf der Flucht vor der Polizei heuern sie als Schauspieler auf einem Schiff an und spielen fortan Homers Odyssee. Bis die Polizisten im Publikum auftauchen…

Ein ganz typischer Faraci. Was in meiner Zusammenfassung jetzt vielleicht nur mäßig interessant klingt, ist tatsächlich von der ersten bis zur letzten Seite unterhaltsam. Bezüge zur Odyssee beschränken sich nicht nur auf die Theateraufführung, sondern sind auch in der Haupthandlung mehr oder weniger klug versteckt. Der bissige, treffsichere Faraci-Humor bricht sich in großartigen Dialogen ständig Bahn, andererseits hat die Geschichte aber auch einen starken Bezug zu Floyd Gottfredson, denn es tauchen nicht nur gleich mehrere Gottfredson-Figuren auf, sondern auch Mickys Charakterisierung (speziell gegen Ende) greift spürbar auf seine Charakterisierung in den Zeitungsstrips zurück. Marco Gervasios Zeichnungen erinnern an die von Giorgio Cavazzano, sind aber vielleicht ein Stück weniger elegant und souverän. Trotzdem: eine tolle Eröffnungsstory!

Kreuzfahrt mit Glück

Sisto Nigro ist der am meisten unterschätzte italienische Disney-Autor aller Zeiten. Behaupte ich jetzt einfach mal so. Diese Geschichte unterstreicht diese These aber mal wieder. Es geht schon mal herrlich los: Kater Karlo gewinnt bei einem Gewinnspiel eine Kreuzfahrt für sich und Trudi. Auf dem Schiff fallen die beiden dank ihrer Manieren schnell negativ auf. Als der Clown Max sich als Pirat erweist, bekommt Karlo aber die Chance, seinen Ruf aufzupolieren…

Wirklich schön lesbare Geschichte mit auch sehr guten Zeichnungen von Ettore Gula. Einzig am Schluss habe ich ein wenig zu knabbern. aber das liegt einfach in der Natur der Sache, wenn ein Schurke die Haupt- und Identifikationsfigur einer Geschichte ist. Man muss sich als Autor dann entscheiden, ob man dem Gesetz oder dem Gesetzesübertreter das letzte Wort überlässt…

Die unfassbaren Panzerknacker: Langfristige Pläne

Unfassbar, wie schnell man von einer Einseiter-Serie wie dieser gelangweilt sein kann. Unnötig.

Ein Fall für Micky: Das Geheimnis des Grafen

(ursprünglich aus EIN FALL FÜR MICKY 12, nachgedruckt in LTB Mini-Pocket 3)

Nachdrucke von „Ein Fall für Micky“-Geschichten sind prinzipiell nichts Schlechtes, aber diese hier kannte ich bereits, weil sie in Mini-Pocket 3 nachgedruckt wurde. Es gibt noch viele Folgen, die nie nachgedruckt wurden… deswegen kopiere ich einfach mal meine alte Rezension (mit kleinen Verbesserungen).

Zwar ist es die längste Story des Bandes, aber so richtig warm werde ich damit nicht. Die Geschichte ist mit ihren teils unabhängigen Handlungssträngen zwar recht komplex, kommt aber leider völlig ohne Gags aus, und es gibt wenig sympathische Charaktere. Miguel zeigt, dass er Angst und Schrecken hervorragend beherrscht, aber eben nur das und sonst nichts. Die Zeichnungen sind blass und wurden leider auch nicht neukoloriert.

Es geht um einen aus der Ägypten-Ausstellung gestohlenen Papyrus (der sich nach einer bestimmten Zeit auflöst, wenn er nicht mit einem Konservierungsmittel behandelt wird), einen beim Anblick einer Mumie in Ohnmacht gefallenen Kurator und das seltsame „Jogger-Virus“ – Jogger brechen zusammen und fallen ins Koma. Was hat das alles mit dem verschwundenen Graf mit dem seltsamen Namen Alucard (!), der von seiner lichtscheuen Frau gesucht wird, zu tun? Und warum landen immer mehr ältere Herrschaften mit komplizierten Beinbrüchen im Krankenhaus?

Immerhin: Am Ende wird alles schlüssig aufgelöst und die drei unterschiedlichen Handlungsstränge werden zusammengeführt. Aber die Erklärung für das seltsame Verhalten von Frau Alucard, sprich der gesamte persönliche Hintergrund der Familie, wirkt auf mich doch extrem konstruiert.

Gerangel um die Beute

(ursprünglich aus LTB 399)

Panzerknacker-Kurzgeschichte. Immerhin mit netten Zeichnungen von Roberto Marini, aber nichts, was man unbedingt hätte nachdrucken müssen.

Der Coup des Sommers

Eine weitere Urlaubsgeschichte mit Karlo und Trudi. Da offenbar alle reichen Entenhausener ihre Wertsachen mit in den Urlaub nehmen, lässt sich Karlo als Page bei einem Hotel am Strand anstellen. Die Idee ist simpel: Wenn er die Kombination herauskommt, kann er die Juwelen aus dem Tresor rauben. Leider warten einige Hürden auf den Meisterschurken…

Lustige, unterhaltsame Geschichte. Wunderbar sind die Zeichnungen des allzu früh verstorbenen Giuseppe Dalla Santa. Wie gewohnt erinnern sie an Großmeister Romano Scarpa, aber Trudi (die sowieso der eigentliche Star der Geschichte ist, beweist sie doch eine Menge Köpfchen) sah nie attraktiver aus.

Kommissar de Mauss: Das gestohlene Geheimnis

Eine weitere eher enttäuschende Folge von „Kommissar de Mauss“, und ich frage mich langsam, ob ich die restlichen Folgen überhaupt noch lesen will… dabei ist zumindest der Mittelteil mit den vielen Geheimagenten ganz witzig, und die Erklärung, was das größte Staatsgeheimnis ist, finde ich auch einfallsreich. Aber die Auflösung ist einfach… nichts. Gervasios Zeichnungen sind ordentlich und heben die humorvollen Elemente hervor, aber noch nicht so gut wie seine heutigen.

Arbeitswut tut selten gut

Noch eine Geschichte rund um Karlos Gefägnisse (siehe Band 2). Das Strickmuster ist aber schnell durchschaubar, und Sergio Asteritis Zeichnungen gefallen mir auch nicht so sehr. Lückenfüller.

Spione wie wir!

(ursprünglich aus LTB 347)

Donald bemerkt, dass Daniel Düsentrieb verschwunden ist, und trifft Micky, der sagt, dass auch Doktor Zweistein entführt wurde. Und zwar von einem Geheimbund namens „Ninjas der Nacht“, in den man sich nun einschleichen muss, um die beiden zu befreien.

Damals war das eine der besseren Crossover-Geschichten von Pat & Carol McGreal. Alleine Massimo Fecchis Zeichnungen sind stark wie (fast) immer, und viel besser als die Zeichnungen der anderen Egmont-Zeichner, die damals mit Micky herumpfuschen durften. Über den Plan des Oberbösewichts kann man natürlich geteilter Meinung sein – die wenigsten dieser Weltherrschafts-Geschichten machen wirklich Sinn…

Heutzutage wirkt die Geschichte aber wie ein Relikt aus einer anderen Zeit, in der man krampfhaft versucht hat, Micky einem sehr jungen Publikum „anzupassen“. Und im Kontext des LTB Crime wirkt sie daher umso fremder.

Ein Fall für Wachtmeister Karlo

Eine weitere „Maus ohne Maus“ von dem, der dieses Genre quasi erfunden hat: Tito Faraci! Diesmal schickt er Kater Karlo in den Polizeidienst. Wie, was? Ja, der Ganove wurde dazu verurteilt, eine Woche lang der Polizei zu helfen. Schlimm genug, aber dann muss er sich den Streifenwagen auch noch mit Arnold Schwartenäcker teilen, einem peniblen Musterpolizisten. Da ist Konfliktpotential vorprogrammiert. Aber das Verhältnis der beiden ist deutlich vielschichtiger, als es zunächst scheint. Und so ist auch die Geschichte nicht zu Ende, als Karlo aufhört zu erzählen.

Wunderbar: Gleichermaßen lustig wie tiefgründig präsentiert sich Tito Faraci hier mal wieder mit einer außergewöhnlichen Geschichte, die geschlagene zwanzig Jahre auf eine deutsche Veröffentlichung warten musste. Viel zu lang!

Es sind auch mit die ansprechendsten Zeichnungen, die ich von Fabio Celoni bisher gesehen habe, an manchen Stellen merkt man gar nicht, dass die Geschichte von Celoni gezeichnet wurde. An anderen dagegen stört mich doch wieder dieser merkwürdig wackelige Strich und die seltsam verzerrten, verbogenen Figuren. Mit seinen Nebenfiguren komme ich auch weiterhin nicht so richtig klar. Aber es stört mich zumindest nicht allzu sehr. Gleiches gilt für ein paar kleine Logikwackler (wie konnte Schwartenäcker sich so schnell rasieren und den Ohrring loswerden?) – das Auto auf S. 252 oben ist nicht weiß, sondern blau.

Ach ja: Ist es das erste Mal, dass man mal Kater Karlos „richtigen“ Namen erfährt? (Ich glaube nicht, aber wo hat man den schon mal gelesen…?)

Duck’scher Geheimdienst: Das Anti-Gold-Serum

Nach dem Höhenflug folgt der Absturz des Niveaus. Wer auch immer die Idee hatte, den DGD fest im Crime zu installieren: Neeeeeeeeeeiiiiiiiiinnnnnnn! Warum bloß? Diese Geschichte hier ist so mies (besonders der vorhersehbare und dabei gleichzeitig völlig unnötige Schluss), dass ich sie nur entnervt überblättern kann. Auch die Zeichnungen können nicht glänzen. Einfach nur schlecht!

Zwei Fälle auf einen Streich

Zum Glück war das noch nicht das Ende. Mit Hubert Bogart kommt auch die archetypische Detektivfigur schlechthin mal zum Einsatz. Der Privatermittler soll wegen seiner Erfolglosigkeit aus dem Detektivklub ausgeschlossen werden. Phantomias hat Mitleid mit ihm und will ihm quasi einen erfolgreichen Fall „basteln“. Aber Bogart ist nun mal ein eigenwilliger Ermittler und so kommt alles ganz anders, als man denkt.

Zwar ist die Geschichte ein bisschen arg mithilfe von Zufällen konstruiert, aber es macht einfach Spaß, den beiden dabei zuzuschauen, wie sie jeweils versuchen, einen Schritt weiter zu sein. Und das Ende ist ein erfreuliches, sodass man doch mit einem recht zufriedenen Gefühl aus Band 3 entlassen wird.

Fazit

So hart es klingen mag, irgendwie ist jedes Crime in meinen Augen schwächer als das vorige. Dieses Mal liegt es (neben der grausigen DGD-Folge) v.a. an zwei Dingen: Erstens bin ich kein großer Fan der Maus-Nachdrucke, die für meinen Geschmack beide zeigen, warum man bei Egmont Micky einfach nicht richtig begreift – wenn sich auch die beiden Geschichten gewissermaßen als Extreme gegenüberstehen: einmal der übermäßig ernste Detektiv-Micky in einer Geschichte ohne Humor, dann der bemüht lustige Kurzhosenkasper, der sich mit Donald kabbelt. Schwerwiegender finde ich den Verzicht auf längere, unkonventionelle Geschichten (die EFFM-Folge ist zwar 60 Seiten lang, zählt für mich aber nicht). In Band 1 war es der Zweiteiler rund um Edgar Allan Duckoe, und in Band 2 „Der Raub des Jahrtausends“, welche der Reihe ihre Daseinsberechtigung gaben. Hier fehlt eine solche Geschichte. Die Faracis sind zwar beide sehr gut, hätten aber auch in der Maus-Edition oder sogar im regulären LTB (gut, „Irrfahrt auf der Flucht“ vielleicht weniger) erscheinen können. Und das ist schade, denn mit dem langen Bosco/Sciarrone-Sommerkrimi „Topolino e le vacanze in fuga“ hätte sich ein langer, optisch ungewöhnlicher (und deswegen wohl kaum Hauptreihen-kompatibler) Brocken angeboten, der zudem wunderbar in die heiße Jahreszeit gepasst hätte.

★★★★

Bewertung

LTB Crime 3

312 S., 9,95 €, 14.6.2019 Das Cover ist nicht schlecht (der antike griechische Tempel im Hintergrund ist übrigens ein cleverer Touch in Anspielung auf die

Editor's Rating:
4
Über Spectaculus 6 Artikel
Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!! Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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