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LTB 532 – Der Wünsch-O-Mat 5/5 (2)

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28.4..2020, 6,99 €, 250 S.

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Das Cover ist von Giorgio Cavazzano! O Jubel, o Freud’! Wann gab es das zum letzten Mal? Müsste LTB 501 sein, damit also vor fast drei Jahren. Verglichen mit dem italienischen Original hat man aber unnötig herumgedoktert: Die Effekte kann ich ja noch zu einem gewissen Grad nachvollziehen, aber dass Dagobert dadurch nun so aussieht, als ob er keine Beine habe, geht gar nicht. Bitte volle Figuren für den vollen Preis, ja?

 

Insgesamt sind mir aber auch die Farben nun zu aufdringlich. Schade, so wird aus einer an sich doch schönen Zeichnung eher ein “Weggucker”.

 

Der Wünsch-o-mat

 

…ist natürlich eine Erfindung von Daniel Düsentrieb, was sonst? Das Konzept ist ganz interessant: Der Apparat analysiert die Hirnwellen und druckt dann ein Foto aus, das den größten Wunsch der jeweiligen Person symbolisiert. Damit ist Dagobert Duck mal wieder obenauf. Aber warum kreuzt er dann plötzlich bei Habakuk auf und will ein echter Hinterwäldler werden? Und welche Rolle spielt Klaas Klever bei alldem?

 

Nicht Vito Stabiles stärkste Geschichte, aber durchaus gelungen. Klaas Klever ist hier im Sinne von “Alle gegen einen” ein altes Schlitzohr, aber kein skrupelloser Schurke. Dass sein Gewissen die Form einer Melone (!) hat, ist eines von vielen kleinen witzigen Details, die den Comic aufwerten. Ottavio Panaros Zeichnungen sind nicht überragend, aber akzeptabel – man wünscht sich aber schon, Giorgio Cavazzano hätte nicht nur das Cover, sondern auch den Comic gezeichnet. Oder Alessandro Perina, der Stabiles Plots ja schon mehrfach veredelt hat.

 

Insgesamt im besten Sinne klassisch. GUT+

 

Wie im Comic

 

10 Seiten… damit ist die Vorfreude auf Kari Korhonens zweiten LTB-Comic überhaupt doch etwas gedämpft. Wenn man den Schluss gelesen hat, dann macht das Ganze sogar Sinn. Bis dahin ist die Geschichte eher fragwürdig: Donald erzählt von einem Supersauser-Comic mit umgedrehten Cover. Dadurch beginnt eine irre Jagd mit zwei absoluten Comic-Fanatikern…

 

Nun gut, eine Bewertung möchte ich mir sparen. Ein paar Gags zünden, aber das Ganze ist nicht so doll.

 

Korhonens Zeichnungen können in meinen Augen nicht wirklich glänzen: Phasenweise erinnert das Ganze doch an Miguel. Während man bei seinen Klondike-Chroniken im MM-M wenigstens das Gefühl hat, dass er sich Mühe gibt (die Zeichnungen wollen aber dennoch nicht wirklich zum Ambiente passen, da wäre Arild Midthun weitaus besser gewesen), wirkt das Ganze hier doch ziemlich schnell aufs Papier geklatscht.

 

Mysteriöses Meeresleuchten

 

Micky Maus, Sekretär, will in dem Dorf Innsmaus zum Schriftsteller Gooward Philgoof Goofkraft. Hilfe bekommt er nur durch den auswärtigen Reporter Kater Karlson, der Micky auch gleich von einem merkwürdigen Phänomen erzählt: Nachts leuchtet das Meer offenbar ab und zu.

 

Schön finde ich vor allem die Charakterisierung mit Goofy als schrulligem und etwas geheimniskrämerischem Autor und Micky als seinem neugierigen, aber unerfahrenen und etwas tollpatschigen Sekretär. Das erinnert von der Konstellation fast ein wenig an “Mittwochs bei Goofy”.

 

Der Name G. P. Goofkraft deutet es schon an, es handelt sich hier um eine Hommage an H. P. Lovecraft. Auf den ersten Blick mag der Autor von Schauergeschichten nicht so recht zu LTB-Comics passen, tatsächlich diente er aber schon mehrfach Disney-Künstlern als Inspiration, von Carl Barks’ “Vor Neugier wird gewarnt – eine Geschichte aus dem alten Persien”, über “Der Supersänger” bis zu “Böses F.O.W.L.”. Im Gegensatz zu den genannten Comics ist “Mysteriöses Meeresleuchten” aber kaum dazu geeignet, Leser nachhaltig zu verstören. Die Referenzen werden eher subtil eingewoben (Goofkrafts Maske) und die Handlung ist absolut im Rahmen dessen, was ich persönlich als LTB-kompatibel empfinden würde. Ein bisschen Grusel darf natürlich schon dabei sein (hätte daher auch gut ins Halloween-LTB gepasst), aber eben in Maßen.

 

Insgesamt eine hervorragende Geschichte von Gabriele Panini, die mir bei jedem Lesedurchgang mehr gefällt. Auch die Zeichnungen von Alessia Martusciello sind überraschend gut. TOP-

 

Donald gegen Donald

Teil 1: Identitätskrise

Teil 2: Heldenchaos

 

Eine Geschichte, in der Donald in unterschiedlichen Identitäten auf sich selbst trifft… Moment, hatten wir so etwas nicht schon? In der Tat, aber während “Vereinte Kräfte” von Francesco Artibani ein episches Abenteuer war, das einen zentralen PKNA- und DoppelDuck-Handlungsstrang fortsetzte, geht es Fausto Vitaliano (immerhin Miterfinder von DoppelDuck und auch mit PKNA nicht ganz unvertraut) nur um eines: Gags, Gags und noch mal Gags. Aber fangen wir vorne an:

 

Donald hat Probleme mit seinen vielen Geheimidentitäten (das musste ja mal passieren). Daniel Düsentrieb soll mit einer absurden Maschine (alleine der Name ist absurd) helfen. Das Ergebnis ist aber ein Desaster, denn nun haben sich die vier Identitäten unabhängig vom Original manifestiert: Agent Donald (alias IQ 001, alias QQ7), die modernere Variante DoppelDuck, sowie der klassische (reguläre) und der neue (PKNA-) Phantomias streiten sich nun miteinander, wer der Beste ist – und Donald selbst ist mittendrin.

 

Nun muss ein Wettstreit her: Jeder sollte gegen den Gegner des jeweils anderen antreten. Aber das funktioniert auch nicht so recht…

 

Mit “Vereinte Kräfte” kann “Donald gegen Donald” nicht mithalten, keine Frage. Manche Dinge wirken doch sehr an den Haaren herbeigezogen (z.B. die gefüllten Paprikaschoten). Generell widerspricht die Geschichte teilweise dem Helden-Image des neuen Phantomias (der mit seinem Transformer-Schild ja eigentlich schon so ziemlich gegen alles und jeden gekämpft hat), und der erste echte Auftritt der Evronianer im LTB, wenn man “Schicksalswege eines Helden” außer Acht lässt (siehe dazu auch die “Vielseitig”-Rezension im nächsten Bertel-Express), hat auch nicht viel tieferen Sinn.

 

Dennoch ist die Geschichte lesenswert. Einerseits wegen des irren Gagfeuerwerks, das Vitaliano hier abbrennt, aber auch weil es eben um die Unterschiede zwischen den verschiedenen Rollen geht, die Donald spielt, und ein Problem der Meta-Ebene (wie passen diese vielen Facetten überhaupt noch zu einer einzigen Figur?) gewissermaßen zum Kern der Handlung wird.

 

Leider sind die Zeichnungen von Emilio Urbano (sowohl mit dem PKNA-Universum als auch mit der DoppelDuck-Serie vertraut) eher wechselhaft. Daniel Düsentrieb z.B. sieht sehr seltsam aus. Andere Panels erreichen dagegen eine fast schon Silvia-Ziche-artige Cartoonhaftigkeit, welche durchaus gut zu der durchgeknallten Handlung passt. Ausgefeilte Kolorierung darf man hier nicht erwarten, auch das ein Grund, weshalb man “Donald gegen Donald” nicht wirklich als Teil der angesprochenen Serien sehen sollte.

 

Erwähnenswert noch einer der Gegner, denn das ist schon wieder Zantaf, mit dessen deutschem Namen “Graf Zahltag” ich nach wie vor ein bisschen fremdele. Zwar passt er zum “Z” auf seinem Dress, die Uni-Witze erschließen sich aber nicht – und der ebenfalls schon verwendete “Professor Piepenbrinck” klingt auch so deutlich witziger, gerade wenn man sich anschaut, wie gaga der Kerl ist. Als Ganzes GUT+

 

Pyjama-Party

 

Daisy soll auf den Geldspeicher aufpassen. Sie willigt ein, unter der Bedingung, dass Fräulein Rührig und Gitta Gans auch dabei sein dürfen… und dann feiert man, was? Genau, eine Pyjama-Party! Fehlt nur noch die Pizza. Und die bringt Gundel Gaukeley. Moment! Was?!?

 

Die Grundidee wirkt schon etwas konstruiert, und was mit Dagoberts Hexenabwehr-System ist, will ich auch gerne mal wissen. Dafür überzeugt die Charakterisierung der Figuren, und Gaja Arrighini hat es geschafft, eine Handlung zu schreiben, die von vier weiblichen Charakteren geprägt ist, ohne dabei in Kitsch á la “Minnie” (die Reihe, nicht die Figur) abzugleiten.

 

Nicolino Picones Zeichnungen sind eine Sache für sich: Stark von Stefano Intinis verzerrtem Stil geprägt, teilweise schon ein bisschen anstrengend zu lesen. Aber nicht sooo schlecht.

 

Interessant: Der Kurzauftritt von Mona Menetekel als hipper Grufti. Diese Rodolfo-Cimino-Figur wurde in jüngerer Zeit kaum noch verwendet (und sah je nach Zeichner total unterschiedlich aus). Insgesamt GUT

 

Die Promi-Pizza

 

Nachdem Phantomias geholfen hat, eine Pizza auszuliefern, ist Dagobert Duck “not amused”. Warum? Man ahnt es, die Pizza war von Klaas Klever.

 

Ettore Gulas Zeichnungen (sehenswert: Dagoberts Schreibtisch!) sind wohl das Beste an der insgesamt nicht ganz gut durchgebackenen Geschichte. Von Marco Bosco habe ich jedenfalls schon deutlich überzeugendere Geschichten gelesen. Was besonders stört, ist die völlig passive Art, in der sich Phantomias vor Dagobert Ducks Karren spannen lässt. Wo ist er hin, der Rächer mit dem unbegrenzten Selbstbewusstsein, der eine Lage wie diese in der Kontrolle hat, anstatt sich zum Handlanger zu machen? Dieses Problem ruiniert die ansonsten ja nicht ganz unwitzige Handlung für mich leider doch ziemlich. MITTELMÄßIG+

 

Und warum es in gleich zwei Geschichten hintereinander um Pizza-Lieferungen geht, will mir auch nicht in den Kopf. Man hätte das LTB ja fast “Promi-Pizza-Pyjama-Party” nennen können, :PPPP

 

Völlig verblendet

 

Dussel hat sich in eine Dame namens Kathi Eule verliebt und sucht nun seine Geldbörse. Donald soll helfen. Dann lernt auch er Kathi kennen und es ist auch um ihn geschehen…

 

Noch ein Zehnseiter. Irgendwie hat die Geschichte was vom Humor der alten Zeitungsstrips: Der Schlussgag lässt sich auf diese Weise am ehesten ertragen. Was Daisy wohl dazu sagen würde?

 

Insgesamt ein Lückenfüller der besseren Art von Pietro Zemelo, und Davide Baldonis Zeichnungen sind auch ziemlich hübsch. Besonders Donalds Gesichtsausdrücke finde ich herrlich.

 

Unter falschem Verdacht

 

Richter Großkauz (was für ein genialer Name) schlägt Dagobert Duck vor, die Panzerknacker zu resozialisieren, indem sie für ihn arbeiten sollen. Dagobert ist so lange begeistert, bis sein Geldspeicher ausgeraubt wird. Die naheliegenden Verdächtigen beteuern aber ihre Unschuld.

 

Nun ja. Selbst Micky hat schon (in Maus-Edition 9) zugegeben, dass der hier verwendete erzählerische Kniff einen Bart hat. Und Carlo Panaro tut auch nicht viel dafür, der klasssichen Krimikonstellation viel Neues abzugewinnen, abgesehen von ein paar technischen Feinheiten. Nicola Tosolinis Zeichnungen sind aber ganz ordentlich, insgesamt also “nur” GUT-

 

Ach ja: Generell bin ich ja mit den Übersetzungen in diesem Band recht zufrieden, aber musste man diesen x-mal verwendeten Titel wirklich schon wieder benutzen?

 

Schlummerzeit: Wo gesägt wird, fallen…

 

Meta-Humor. Muss man mögen.

 

Super drauf

 

Zehnseiter zum Dritten: Pluto jagt einer Katze hinterher und richtet dabei allerhand Chaos an. Aber nicht nur…

 

Diesmal erinnert der visuelle Humor an Zeichentrickfilme. Witziger Lückenfüller mit ungewöhnlichen, aber gar nicht so schlechten Zeichnungen von Gigi Piras. Interessant sind bei Piras die kurzen Cameo-Auftritte. Hier ist es Goofy, bei der Geschichte in der Maus-Edition waren es Minnie und Klarabella (gut versteckt!). Allerdings ist auch Mickys Auftritt kaum mehr als ein Cameo, was mal wieder ein unangenehmes Gefühl hervorruft: So gut “Mysteriöses Meeresleuchten” auch ist, es ist nicht der heutige Micky. Bei Donald oder Dagobert ist es nie der Fall, dass eine “Kostümgeschichte” gleich die regulären Versionen der Charaktere aus dem LTB drängt…

 

Man kann gespannt sein, was die Maus-Edition zum Thema Pluto zutage fördern wird.

 

Die verborgene Stadt

 

Donald erzählt etwas von einem “Kullerklopper”, den er für die Sportausstellung des Fähnlein Fieselschweif besorgen will. Ein Lapsus mit schwerwiegenden Folgen (erinnert ein bisschen an Dagoberts “Gulugulu”-Gestammel), denn dieses Sportgerät gibt es tatsächlich im Hochland von Tubet. Donald schafft es sogar, Dagobert für die Suche einzuspannen. Aber die verborgene Stadt, in der Wakayak gespielt wird, birgt ein übles Geheimnis: Wer dort einmal angekommen ist, darf nicht mehr weg. Man gibt den Ducks aber eine Chance. Wenn sie beim Wakayak gewinnen, dürfen sie weg.

 

So gut Stefano Zanchis Zeichnungen hier auch sind: Für eine derart klassische Abenteuergeschichte (irgendwo zwischen Barks und Cimino) ist sein moderner, ganz klar an Andrea Freccero geschulter Stil vielleicht nicht die beste Wahl. Da fehlt irgendwie die Faszination für das Fremde. Das vierte Panel auf S. 231 geht übrigens gar nicht!

 

Ansonsten aber eine schöne Abschlussgeschichte, doch. Vito Stabile zeigt erneut, dass er die LTB-Stilmittel beherrscht, und dabei geschickt das Alte (Expedition in abgelegene Stadt, aus der es kein Entkommen gibt) mit dem Neuen (Rückblick in Donalds Kindheit, Erpressung mithilfe von Handykamera) verbinden kann. GUT+

 

Fazit:

 

Ein insgesamt durch die Bank lesbares LTB, das man aber auch recht schnell wieder vergessen kann, da keine Geschichte wirklich heraussticht – aufgrund der Länge noch am ehesten “Donald gegen Donald”.  Auch die eröffnende und abschließende Geschichte von Vito Stabile können mich überzeugen, mein Favorit ist aber überraschenderweise “Mysteriöses Meeresleuchten” von dem bislang eher übersehenen Gabriele Panini.

Dafür gibt es diesmal aber auch keine Geschichte, die wirklich abfällt wie letztes Mal “Erschöpfend erschöpft”, und ohne Donald Quest kann das LTB endlich wieder richtig atmen. Trotzdem fällt es natürlich auf, dass gleich drei Zehnseiter und ein Einseiter dabei sind. Den Platz hätte man auch besser nutzen können.

Leider ist es auch wie in LTB 501, dass von Cavazzano zwar das Cover, aber kein Comic im Buch stammt. Schade.

Insgesamt aber ein sehr ausgeglichener Band.

Verwundert bin ich darüber, dass die Vorschau nach wie vor Vorfreude auf ein LTB Extra und eine folgende Ausgabe namens “Anpfiff in Europa” machen will, obwohl das doch nach Verschiebung der EM ebenfalls verschoben /geändert wurde. Wird das LTB wirklich dermaßen früh im Voraus produziert?!

LTB 533 wird “Die Legende des 1. Phantomias: Alles auf Anfang” heißen (blöder Titel) und von einem recht schönen Marco-Gervasio-Cover geziert werden.

Bewertung

Spectaculus

Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!!
Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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Spectaculus

Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!!
Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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