COMICSCHAU

LTB 524 – Mission DoppelDuck 4.34/5 (29)

10.9..2019, 6,50 €, 250 S.

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Das Cover ist zwar von Andrea Freccero, aber vom italienischen Topolino übernommen. Und siehe da: Schon haben wir ein wirklich ansprechendes Coverbild! Das Cover zur allerersten DoppelDuck-Folge in LTB 384 stammte auch von Freccero, und so schließt sich gewissermaßen ein Kreis.

Mission DoppelDuck: Die Agentur macht dicht (51)

 

Es beginnt mit einem Paukenschlag: Die Agentur macht dicht! Wie? Was? Genauso reagiert Donald alias Doppel-D, als Head-H ihm davon erzählt. Die Mittel wurden gekürzt und die Agentur durch die Direktion ersetzt, einen Haufen Imkompetenzlinge, angeführt von dem selten dämlichen Ybbs-Y. Der will die Identitäten aller Agenten der Agentur aufdecken. Das gilt es zu verhindern. Zunächst allerdings bekommt Donald Besuch von Kay-K, die sich von ihm verabschiedet, nicht ohne ihm von einem Zug mit gefährlicher Fracht zu erzählen, den er stoppen muss… und dann wären da noch diverse Verpflichtungen gegenüber Daisy (okay…) und Onkel Dagobert (schon deutlich weniger okay…), die Donald ganz schön in Beschlag nehmen.

Spannende Eröffnung mit mehreren geschickt verwobenen Handlungssträngen, von denen am Ende allerdings nicht so viele wirklich übrig bleiben. Der komische Geisterzug ist für den weiteren Verlauf nicht mehr wichtig, und bei dem Freifräulein hatte ich lange gedacht, dass sie sich als Spionin entblößen, will sagen entpuppen würde… ach ja: wieso haben Züge in Comics eigentlich praktisch nie Bügel und Oberleitung?

Andrea Freccero liefert mit die besten Zeichnungen ab, die ich je von ihm gesehen habe: Detailliert, mit wunderbar variiertem Layout, und natürlich von Max Monteduro hervorragend koloriert. Auch dass sein Repertoire an Gesichtsausdrücken eher limitiert ist (im Prinzip die paar, die auch auf all seinen Covers zu sehen sind), stört mich diesmal nicht weiter. Nur die Schnabelform von Head-H sagt mir nicht so zu.

Das Timing stimmt im LTB leider nicht ganz. In Italien erschienen die letzten Folgen in folgender Reihenfolge: „Ignoto“, „Weltweit im Einsatz: Flammen auf Feuerland“, „Weihnachten in Gefahr“, „Element 109“, „Der letzte Tag“, „Spion oder Spieler?“, „Vereinte Kräfte“. In letzterer Geschichte wurde ja ein Großteil der Organisation und Division ausgeschaltet, und das könnte durchaus ein triftiger Grund dafür sein, weshalb die Agentur dichtmacht. Zudem war die Pause vor „Mission DoppelDuck“ deutlich größer als bei uns, sodass es nicht ganz so überraschend wirkt, dass das Hauptquartier der Agentur total verfallen aussieht.

Nach meiner Zählung müsste es übrigens die 51. Folge sein, die Kurzgeschichten zähle ich ganz bewusst nicht dazu, das Crossover „Vereinte Kräfte“ allerdings schon.

Trubel im Paradies

 

Ende des 19. Jahrhunderts, Micky ist ein Adliger, der aber gerne Entdecker und Abenteurer wäre. Das Abenteuer bekommt er: Auf einer einsamen Insel gestrandet, wird er von einem üblen Burschen namens Kater Karlo empfangen, der sofort seinen Primatenfreund Bongo auf den Neuankömmling hetzt. Wobei: In einiger Hinsicht ist der Affe der bessere Mensch, zumindest im Vergleich mit Kater Karlo…

Das Traumduo Tito Faraci/Giorgio Cavazzano ist endlich wieder zurück im LTB (mit einem Comic, der bereits im Micky-Maus-Stickeralbum auf einer Doppelseite vorgestellt wurde), wobei es schon bessere Geschichten von den beiden gab. Die Handlung an sich ist gar nicht so spannend, aber die vielen Gags („ein unausstehlicher Typ mit riesigen Lauschern“), teilweise auch auf der Metaebene, machen das Ganze lesenswert. Und natürlich sind Cavazzanos Zeichnungen nach wie vor eine Bank, auch wenn sie mittlerweile etwas „skizzenhafter“ wirken als früher. (Vielleicht liegt es daran, dass Cavazzano mittlerweile wieder mehr selbst tuscht? Auffällig sind jedenfalls die vielen Schraffuren.)

Insgesamt kein Meisterwerk, aber GUT+

Der Dieb in der Vergangenheit

 

Phantomias hat eine Reihe seltsamer Begegnungen. Eine Person sammelt nachts Geldsäcke ein, die sich dann am nächsten Tag an derselben Stelle vor aller Augen auflösen. Offenbar kann hier ein Schurke Dinge in die Vergangenheit versetzen. Aber wie stoppt man so jemanden? Bei Versuch wird Phantomias selbst in die Vergangenheit versetzt und sucht Hilfe bei sich selbst. Und dann nimmt die Geschichte noch eine seltsame Wendung…

Hirnverknotende Zeitreisegeschichten sind eine Spezialität von Alessandro Sisti, der dieser Leidenschaft besonders in der PKNA-Serie frönen durfte. Dass es auch im kompakten 25-Seiten-Format mit dem klassischen Phantomias funktioniert, beweist er hier. Man darf nicht zu sehr über die Logik nachdenken, dann funktioniert es und hat viele schöne Szenen.

Wunderbar anzuschauen sind die Zeichnungen von Stefano Zanchi, der 2013 noch nicht zum bloßen Freccero-Kopisten mutiert war und mit sympathischen, lebendigen Bildern glänzen kann. Schönstes Detail dabei: Die Spiegelung im Wasser auf der letzten Seite. Wow! GUT+

Bürden eines Butlers: Sparprogramm

 

Ein Einseiter. Nicht sonderlich sinnvoll, mäßig lustig.

Auf den Spuren der Pioniere

 

Dagobert ist sauer, weil sein Resort in einer ehemaligen Geisterstadt nicht die erwarteten Gewinne einbringt. Donald und Dussel müssen sich also auf in den nicht mehr ganz so Wilden Westen machen und nach dem Rechten sehen. Dabei gibt es allerdings ein paar Hindernisse, und nicht alle davon sind Dussels Schuld…

Mit Giulio D’Antonas voriger Geschichte „Dufte Geschäfte“ (LTB 519) konnte ich wenig anfangen. Auch dieses Werk trägt Spuren von Rodolfo Cimino in sich, und wurde von einem angesehenen Zeichner umgesetzt, was diesmal aber deutlich weniger verschwendet wirkt. Denn die Geschichte hat Charme, Atmosphäre und eine in sich stimmige Handlung (die auch auf einer angemessenen Seitenzahl präsentiert wird). Die Gags sitzen auch, wobei es daran in „Dufte Geschäfte“ auch nicht gemangelt hat. Besonders Dussel finde ich hier sehr lebendig getroffen. Lorenzo Pastrovicchios Zeichnungen sind immer noch stark, allerdings merkt man ihm mittlerweile deutlich an, dass er einen ähnlichen Weg wie Massimo De Vita zu gehen scheint, indem er seinen Stil immer effizienter gestaltet. Das führt dann schon dazu, dass manche Bilder ein bisschen seltsam anmuten, gerade was Gesichter und etwas zu dicke Tuschestriche angeht. GUT+

Mission DoppelDuck: Angriff der Agenten (52)

 

Das Hauptquartier der Agentur wird abgerissen. Gleichzeitig sind die Überreste der Agentur (neben Doppel-D eigentlich nur Sekretärin Liz Zago und das neue „Genie“ Qwerty) wieder quicklebendig. Der neue Auftrag: Die Direktion daran hindern, die restlichen Klarnamen der Agentur-Mitarbeiter zu verschlüsseln. Ach ja, und Kay-K (alias Arianna Adelaide Konnery, alias Red Rose) stoppen, die wieder kriminell geworden ist. (Was eigentlich ihre Familie dazu sagen würde?) Selbst für einen erfahrenen Agenten wie Donald keine einfache Aufgabe. Zumal er im Hauptquartier der Direktion auffliegt. Und er sieht sich mal wieder damit konfrontiert, dass in der Welt der Spionage Loyalität nicht so viel zählt, wie er sich gerne wünschen würde…

Das Ende ist ungewöhnlich emotional für einen Disney-Comic, signalisiert aber gleichzeitig schon so etwas wie einen Neuanfang.

„Qwerty“ ist übrigens bei englischen Computer- oder Schreibmaschinen-Tastaturen die Abfolge der ersten paar Buchstaben. Bei deutschen Modellen sind „z“ und „y“ vertauscht, auf Deutsch würde der Name also eher „Qwertz“ lauten, was aber irgendwie blöder klingt und auch nicht zum internationalen Anstrich der Agentur passen würde. Auch wenn ich in dem Zusammenhang nicht ganz verstehe, wieso man den Leiter der Direktion, im Original Wyle-Y, auf Deutsch zu „Ybbs-Y“ verunstalten musste. Das passt ja nicht zu Namen wie „Jay-J“, „Hecks-X“ oder „Kay-K“, die alle nur englisch ausgesprochen wirklich gut klingen. Mit Ybbs-Y funktioniert das aber nicht mehr…

Ein unmöglicher Coup

 

So gut das LTB bis hierhin zugegebenermaßen war, hier scheiden sich wohl die Geister. Ein Gauner namens Ali prahlt mit einem unmöglichen Einbruch, den er mal begangen hat. Opa Knack ist erzürnt, denn er ist der Meinung, dass er selbst diesen Einbruch vollführt hat.

Okay, der Twist rund um Ali Gater ist nicht schlecht, aber was an dem Einbruch jetzt so spektakulär gewesen sein soll? Dafür muss man ja nicht unbedingt ein Verbrechergenie sein. Totale Unfähigkeit auf Seiten der Wachleute! Was aber letztlich die Geschichte komplett versaut, sind die – sorry – potthässlichen Zeichnungen von Alberto Lavoradori, von denen mir streckenweise fast schlecht wird. Von Realismus, Details oder halbwegs natürlichen Körperhaltungen und Gesichtsausdrücken keine Spur. Der Qualitätsunterschied ist besonders in diesem LTB neben Top-Zeichnern wie Freccero, Cavazzano, Zanchi oder Pastrovicchio spürbar. Und deshalb wirklich nicht mehr als SCHLECHT+

Die Sonne bringt es an den Tag

 

Ein Geldtransporter wurde überfallen. Die Inspektoren Issel und Steinbeiß sowie Kommissar Hunter müssen die Sache aufklären. Bei der Befragung tauchen Ungereimtheiten auf.

Ordentlich gezeichnet, inhaltlich nicht mehr als Kurzkost, immerhin ein bisschen lehrreich. Marco Bosco könnte eigentlich auch Rätselcomics schreiben.

O.M.A. (31): Transformer und Transmitter

 

Donald und Dussel sind wegen eines Fehltritts aus der Organisation zur Abwehr von Monstern aller Art geflogen. Dann allerdings bekommt Dussel ein Video von einem O.M.A.-Agenten zugespielt, das offenbar von einer großen Gefahr für die Menschheit kündet… Konrad, der die Invasion mit verursacht hat, ist bereit, seinen Fehltritt wiedergutzumachen. Seine neue Erfindung, ein Transformer (durch den Personen im Wirkungsfeld) die Gestalt tauschen, soll dabei helfen.

Nach 24 Folgen hatte der bisherige Hauptautor der O.M.A.-Serie Lars Jensen (ab und an unterstützt von David Gerstein) die Verantwortung an Byron Erickson abgegeben. Der hat wiederum nach gerade mal sechs Folgen offenbar den Staffelstab nun an Maya Åstrup übergeben, was ich persönlich schade finde, denn mir haben Ericksons stringente und wasserdicht konstruierte Plots sehr gut gefallen. Maya Åstrup war allerdings auch schon als Redakteurin an der Reihe beteiligt, insofern ist die Organisation zur Abwehr von Monstern aller Art kein Neuland für die Autorin.

Das Ergebnis ist eine Geschichte, die stärker an Jensens frühe O.M.A.-Folgen erinnert, allerdings ohne die früher üblichen Cameo-Auftritte (wobei: zählt der Goofy-artige Vampir auf Seite 194?). Die Logik ist nicht so wichtig, und die Monster wirken ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Dass Donald und Dussel von der O.M.A. gefeuert wurden, wirkt ja wie eine Art Neuanfang á la DoppelDuck-Reboot, ist aber letztlich gar nicht so wichtig für die Geschichte. Zumal die beiden ja enorme Leistungen vollbracht haben (auch ihr Streit wirkt bemüht). Zum Schluss sind auch Flemming Andersens Zeichnungen nicht mehr so gut wie noch z.B. bei „Außerirdische Andenkensammler“. GUT-

Kristallklare Sache

 

Noch ein Einseiter. Schön gezeichnet, aber ansonsten belanglos. Angesichts dessen, dass das Mausiversum nach den zwei Vorgänger-LTBs wieder eher unterrepräsentiert ist, hätte ich mir lieber zwei Perina-Einseiter (z.B. mit Goofy oder Maxi Smart) gewünscht.

Mission DoppelDuck: Eine neue Herausforderung (53)

 

Neuer Auftrag für die Agentur-Bruchstücke: Doppel-D soll verhindern, dass die Herrscherfamilie eines Inselstaats namens Haphi-Hula beim Staatsbesuch in Entenhausen entführt wird. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit Black-B und Berry-B, die mittlerweile für die Direktion arbeiten. Und wieder einmal kommt Donald der Zufall zu Hilfe…

Dagobert nervt langsam ein wenig. Irgendwie ist er mir in der Geschichte zu präsent und Donald gegenüber eindeutig zu fies. Ansonsten aber eine interessante weitere Folge. Das ganze Konstrukt „Mission DoppelDuck“ bekommt von mir die Note TOP-

 

Fazit:

 

LTB 524 steht und fällt mit DoppelDuck, der Cover, Titel und Rahmenprogramm für die anderen Comics liefert. Nun haben wir also eine radikal veränderte Situation. Ein Großteil der bekannten Figuren aus dem DoppelDuck-Universum ist verschwunden (ich frage mich ja schon, was eigentlich aus Gizmo, Jay-J oder dem „obersten Chef“ geworden ist – von den vielen regionalen Agenten wie Otto-O oder Titan-T mal ganz zu schweigen). Eine der interessantesten und mysteriösesten bleibt uns aber wohl erhalten: Kay-K war von Anfang an faszinierend. Man hat nie richtig erfahren, wie es eigentlich dazu kam, dass sie wieder für die Agentur gearbeitet hat, nachdem sie ja in der vierten Folge beinahe Donald erschossen hätte. Der erneute Sinneswandel wird ein bisschen besser erklärt, kommt aber trotzdem überraschend. Dazu haben wir mit der Aktinie ein neues Verbrechernetzwerk, das sich von Organisation und Division zu unterscheiden scheint. Mal sehen, was sich daraus noch machen lässt – bislang ist in Italien gerade mal ein weiterer Dreiteiler erschienen, und der ist auch schon ein Jahr alt. 2019 kam bisher gar nix…

Aber auch der Rest des LTBs kann sich durchaus sehen lassen. Dabei haben die ersten drei Nicht-DoppelDuck-Comics deutlich die Nase vorn, mit dem Rest kann ich mich weniger anfreunden.

Ein Blick in die Vorschau lässt das Herz vor Vorfreude höher hüpfen: Nicht nur, dass man endlich wieder ein tolles Cover von Alessandro Perina verwendet, nein, die dazugehörige Geschichte dürfte ein echter Hammer werden. Im Original „Il segreto di Cuordipietra“ (also „Mac Moneysacs Geheimnis“), handelt es sich um ein weiteres episches Werk von Starautor Francesco Artibani und Zeichner Alessandro Perina á la „Alle gegen einen“ (LTB 452, LTB Fan-Edition 3). Und wir wissen ja alle, was für ein toller Comic das war.

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Spectaculus

Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!!
Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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Spectaculus

Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!!
Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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