LTB 517 – Gute Besserung!

6,50 €, 250 S.

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Das Cover ist, ehrlich gesagt, eine Zumutung. Da hilft auch Prägedruck und Beschichtung nichts. Im Prinzip ist die Zeichnung ja OK, aber zu der zentralen Geschichte gibt es von Alessandro Perina zwei verschiedene tolle Coverbilder: https://inducks.org/story.php?c=IC+TL+2775 und https://inducks.org/story.php?c=IC+TL+2776

 

Was wäre mir das lieber gewesen als der vierte, diesmal stark verletzte und aggressive, Donald in Folge…  (apropos: wann waren eigentlich Goofy, Klarabella und Rudi zum letzten Mal auf einem Cover?!)

 

Am Ende wird nicht alles gut

Die obligatorische Egmont-Geschichte gibt es wie so oft gleich zu Beginn, allerdings dürfte das Team ein Neues sein: Autor Sune Troelstrup und Zeichnerlegende Massimo Fecchi haben, soweit ich weiß, noch nie zusammengearbeitet. Das verspricht zumindest ein bisschen frischen Wind, auch wenn Troelstrup bereits einige LTB-Comics schreiben durfte und Fecchi seit Langem ein wichtiger Bestandteil des LTB ist.

Hier geht es damit los, dass ein Angriff Gundels auf den Geldspeicher schiefgeht. Als sie erfährt, dass Donald gerne Unternehmer werden würde, verwandelt sie sich flugs in eine Geschäftsfrau, die ihn unterstützen möchte. Diverse Versuche, Donald gewissermaßen unbewusst zu missbrauchen, gehen aber alle (teilweise wirklich abstrus) in die Hose. Tick, Trick und Track haben eine Ahnung, aber Donalds Übereifer erweist sich letztlich als rettend, und doch irgendwie nicht…

An sich ist die Geschichte sehr klassisch, sie lehnt sich recht stark an Carl Barks und Don Rosa an. Das heißt natürlich auch, dass das alles schon mal irgendwie dagewesen ist, aber eben nicht unbedingt im LTB und schon gleich gar nicht in letzter Zeit. Insofern bietet der Comic tatsächlich Abwechslung. Und Fecchis Zeichnungen sind sowieso eine Klasse für sich. Was dann aber doch ein wenig stört, ist Donalds arg einfältige Charakterisierung, und der arg drastische Schluss, den man wohl nur im Comic überleben kann. GUT+

Dr. Maus

Teil 1: … und seine Patienten

Bereits vor zehn Jahren wurde diese 69-seitige Geschichte in Italien veröffentlicht, jetzt kommt sie endlich zu uns, über ein ganzes LTB verteilt. Fausto Vitaliano und Alessandro Perina legen hier eine Parodie der berühmten Fernsehserie „Dr. House“ vor. (Eine Anspielung findet sich übrigens auch in „Das Ungeheuer aus dem Sumpf“, dort will Micky eine Serie namens „Doktor Laus“ sehen.)

In Entenhausen heißt die Serie „Dr. Maus“ und ist besonders bei weiblichen Zuschauern (Minnie und Klarabella) beliebt. Micky, Goofy und Rudi sind deutlich weniger begeistert, versuchen allerdings, sich das nicht anmerken zu lassen.

Die Serie wiederum dreht sich um Charaktere, die den bekannten Entenhausenern natürlich rein zufällig ähneln. Dr. Maus ist der Chefarzt und als solcher mehr berüchtigt als berühmt, während sich Dr. Goofman, Klara Klammer und Doktor Magerkäs um den Posten als Assistenten streiten. Außerdem gibt es noch die Verwaltungsdirektorin Minnie Lisa. Die wiederum bekommt ein Angebot von Kater Karloff, welcher der Klinik eine großzügige Spende machen will – aber nur, wenn Dr. Maus geht…

Darüber, dass die Untertitel der vier Teile wenig Sinn machen, oder darüber, dass man den Titel eindeutschen musste („Dr. Mouse“ hätte man m.E. einfach original belassen sollen), kann man sicher streiten. Dass die Geschichte es ins LTB geschafft hat, ist aber eindeutig lobenswert.

Hatte ich vor einigen Monaten anlässlich der Micky-Sonderedition noch behauptet, dass ich mir eine Disney-Adaption des „Besuchs der alten Dame“ nicht vorstellen könne, werde ich hier eines Besseren belehrt. Eine gewisse Ähnlichkeit zu Dürrenmatts Klassiker ist mit Karloffs an eine Bedingung geknüpfte Spende jedenfalls vorhanden, womöglich unabsichtlich. Zu „Dr. House“ kann ich wenig sagen, da ich die Serie nie gesehen habe, aber dass die Figuren sich teilweise deutlich anders verhalten als in ihren gewohnten Rollen, ist offensichtlich. So ist Maus ein ziemlich eingebildeter Typ, dessen Diagnosen nicht unbedingt seinen Ruf bestätigen. Und seine Mitarbeiter bestechen auch nicht gerade durch Kompetenz, während Minnie Lisa eine recht zupackende Frau ist.

Aber wie gut ist das Ganze? Nun, die Rahmenhandlung gibt wenig her, und auch in der Serie passiert gar nicht so viel wirklich Bemerkenswertes, aber Vitalianos Stärke als Autor ist es nun mal, auch eine relativ „gewöhnliche“ Handlung durch scharfzüngigen Wortwitz (inklusive politischer Satire auf S. 42 unten) und absurd-übertriebene Elemente aufzuwerten. Und dafür ist Perina der ideale Zeichner, denn einerseits sind seine Zeichnungen handwerklich sehr gut und damit dem Lesefluss zuträglich, andererseits unterstreichen sie mit ihrer Dynamik und der fast unerschöpflichen Vielfalt an Gesichtsausdrücken den der Geschichte innewohnenden Humor. Als Beispiel sei hier Kater Karlo auf S. 241 genannt. Bemerkenswert: Dr. Goofman hat dunkle Hautfarbe, eine Seltenheit im Disney-Universum und bei einer Figur mit Goofys Gesichtszügen ungewohnt. Alles in allem sicher TOP

Bleibt nur noch eine Frage: Wer ist eigentlich Tante Martha?

 

Voll vergriffen

Offenbar hat man sich bei der Reducktion die Kritik an LTB 506 zu Herzen genommen. Zwar gibt es mit Dr. Maus nur eine (lange und auf den Band aufgeteilte) echte Mausgeschichte, aber der Einseiter kommt ebenfalls aus dem Mausiversum (Hauptfigur: Kater Karlo), und er stammt von Alessandro Perina – für mich, der ja seit einiger Zeit Perina-Einseiter fordert, wirklich ein Grund zur Freude. Denn Perinas Einseiter sind nicht nur toll gezeichnet, sondern oft tatsächlich lustig. Und dass dieser auch noch zum übergreifenden Thema passt, ist da nur noch das Sahnehäubchen.

 

Dr. Maus

Teil 2: … und seine Gegner

(siehe oben)

Viele Wege führen aufs Sofa

Es gibt verschiedene Arten von „interaktiven“ Comics. Die bekannteste Variante sind die Which-Way-Storys wie z.B. „Das Geheimnis des alten Schlosses“, „Ein verrückter Tag“ oder gerade im LTB Winter 1. Weniger häufig sind „Videospiel“-Geschichten mit verschiedenen Levels, die bekannteste ist sicher „Das Neujahrsspiel“ aus LTB 333, auch im LTB Sommer gab es mal eine. Marco Bosco (von dem auch schon „Ein verrückter Tag“ stammt) mischt hier beide Varianten: Es gibt nur einen Endpunkt, aber mehrere verschiedene Wege. Mehrere Level bestehen aus deutlich mehr als nur einer Seite. Insofern ist der Titel „Viele Wege führen aufs Sofa“ passend gewählt.

Die Idee ist simpel: Donald will aufs Sofa, aber die Fernseh-Fernbedienung ist defekt. Also ab zu Daniel Düsentrieb. Und was tun in der Zeit, die das Genie zum Reparieren braucht? Jetzt kommt der Leser ins Spiel. Die Wege führen über verschiedene Stationen wie Stadtpart oder Einkaufszentrum, und beinhalten Begegnungen mit diversen Charakteren. Der „richtige“ Weg führt über alle Level, man kommt aber auch deutlich schneller ans Ziel.

Einige Übergänge funktionieren nicht so ganz perfekt, die Episode mit Dussel und Kuno Knäul im Park hätte es für meinen Geschmack nicht gebraucht, und Luccis Zeichnungen finde ich eher mäßig. Deswegen und weil ich die grundlegende Thematik nicht soooo spannend finde, „nur“ GUT

Pflege tut not

Die mit Abstand schlechteste Geschichte des LTB ist dieser höhepunktarme Lückenfüller: Donald liegt flach und er bittet Gustav, sich um ihn zu kümmern. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Außer, dass zumindest ein lustiger Gag dabei ist, aber das war’s dann auch schon. MITTELMÄSSIG

Und dann kam Dolly!

Wann gab es Romano Scarpa als Autor eigentlich das letzte Mal im LTB? Müsste „Sabotage in Pumpistan“ aus LTB 400 (2010) sein, wenn ich mich nicht irre. Klar, einige seiner Geschichten sind in Nebenreihen erstveröffentlicht worden, speziell in der Maus-Edition (Band 3, 5 und 8), aber auch im LTB Spezial (54, 84). Aus dem Duck-Universum fällt mir nur „Sensation auf vier Pfoten“ ein, das im Hardcover-Buch „Entenhausen – Weltstadt an der Gumpe“ erschien: Dolly Ducks zweiter Auftritt! Dolly tauchte immer wieder mal bei uns auf, aber erst jetzt (über fünfzig Jahre nach ihrer Entstehung) schafft es ihre Einführungsgeschichte zu uns.

Los geht es mit einem Brief an Dagobert. Absender: Nelly. Was?! Dagobert reist zu dem Seniorenheim, in dem sie mittlerweile residiert und erfährt dort den Grund für seine Reise: Er soll sich um Nellys Enkelin Dolly kümmern. Dagobert lässt sich erweichen und zeigt auch, dass ihm Nelly am Herzen liegt, indem er die Verhältnisse in dem Altersheim ein wenig „zurechtrückt“. Und auch für Dolly legt sich der reichste Mann der Welt ins Zeug: Er lässt ihre Ankunft übers Radio mitteilen, sodass sie von einer großen Menge in Entenhausen begrüßt wird. Der Beginn einer wilden, kapriolenreichen Geschichte.

Es fällt schwer, die Handlung zusammenfassen, weil es ihr irgendwie komplett an Stringenz oder einem roten Faden fehlt. Es passieren viele Dinge nacheinander, ohne dass sie wirklich miteinander zusammenhängen, andererseits wird der Anfang am Ende wieder wichtig. Am besten, man liest sie selbst und macht sich ein eigenes Bild davon. Auf der Ebene der Gags ist natürlich viel los und man merkt ständig, dass Scarpa der Autor war, denn der rasante, teils überdrehte Erzählstil ist typisch für ihn. Aber als Ganzes ist „Und dann kam Dolly!“ nicht unbedingt eines seiner größten Werke, vermutlich auch ein Grund dafür, warum die Geschichte so lange auf eine deutsche VÖ warten musste. Die Willkommensszene finde ich ein wenig arg theatralisch übertrieben. Dolly wirkt mit ihrem jugendlichen Enthusiasmus wie ein quietschbunter Farbklecks auf einem schwarz-weißen Foto: Einerseits charmant, andererseits will sie sich hier noch nicht so recht in den Entenhausener Kosmos eingliedern (mit Tick, Trick und Track freundet sie sich allerdings schnell an). Dass Nelly vom Norden Amerikas in den Wilden Westen „verpflanzt“ wurde, muss man auch einfach zur Kenntnis nehmen, auch wenn es keinen Sinn macht. Die Frage, wer eigentlich Dollys Eltern sind und ob Dagobert etwa tatsächlich ihr Opa ist, wird auch nicht zufriedenstellend geklärt; keine der möglichen Lösungen kann man richtig mit Don Rosas „offizieller“ Lesart in Einklang bringen. Aus dem Treffen zwischen Nelly und Gitta Gans hätte man auch mehr machen können.

Am besten funktioniert der Comic dann, wenn man einfach mal das kritische Hirn ausschaltet und sich darauf einlässt. Mehr noch als andere Scarpa-Comics ist dieser vom Erzählrhythmus der Micky-Zeitungsstrips geprägt; Szenen und Pointen werden in kurzer Folge aneinandergereiht. Rein optisch ist die Geschichte ein Hochgenuss – die vom jungen Giorgio Cavazzano getuschten Scarpa-Zeichnungen sind fast* ausnahmslos schön anzuschauen und erstrahlen (ganz anders als z.B. in LTB 500) dank einer modernen Kolorierung in einem solchen Glanz, dass man kaum auf die Idee käme, die Geschichte habe schon über ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel. (* Die Ausnahme ist die vorletzte Seite, welche wohl nicht mehr in bester Qualität erhalten war und deshalb etwas schlechter aussieht.) TOP-

Dr. Maus

Teil 3: … und seine Kritiker

(siehe oben)

Fiese Abzocke

Dagoberts Handy hat den Geist aufgegeben, also muss wohl oder übel ein neues (selbstproduziertes, wohlgemerkt) her. Das alte wird repariert, dann kann man das neue auch wieder verkaufen. Allerdings passieren nun seltsame Dinge, denn plötzlich werden auf Dagoberts Namen riesige Einkäufe getätigt…

Alessandro Sisti hat uns erst in LTB 515 vorgeführt, wie die moderne Technik missbraucht werden kann, und liefert hier den nächsten Kurs zum Thema. Der Aufbau der Geschichte ist gar nicht schlecht, auch wenn ich am Ende das Gefühl habe, dass einige Puzzleteile vom Anfang am Ende übrig bleiben. Ein wenig leidet der Comic unter den blassen Zeichnungen von Marco Mazzarello. GUT+

Der digitale Dieb

Die Panzerknacker werden verhaftet, kommen aber wider Erwarten nicht ins Gefängnis. Das Verdienst von IQ und dessen „D.I.E.B.“, einem Super-Hacker-Programm, welches danach dazu dienen soll, digitale Diebstähle zu begehen, die man nicht zurückverfolgen kann und auch nicht unbedingt bemerkt, wenn man nicht gerade eine Menge Geld auf der hohen Kante hat. Dagobert merkt aber etwas und beauftragt Phantomias, der Sache auf den Grund zu gehen.

Lucio Leoni und Emanuela Negrin sind gemeinsam für so tolle Phantomias-Abenteuer wie „Das Große Auge“, „Die gestohlene Erinnerung“, „Gefangen im Zeitstrom“ oder „Wettlauf gegen die Zeit“ verantwortlich. Auf diesem Über-Niveau ist „Der digitale Dieb“ zwar nicht ganz, aber dennoch eine der besten in letzter Zeit veröffentlichten Phantomias-Geschichten. Leoni/Negrin zeigten in ihren Comics immer wieder, wie man den Superhelden modernisieren kann, ohne dabei so stark mit dem klassischen Umfeld zu brechen wie beim „neuen“ Phantomias. Tatsächlich ähnelt das Programm, mit dem Phantomias in den Cyberspace eindringt, ElViRa aus „Zwei“. Der Wortwitz (inklusive mehrerer Running Gags) ist aller Ehren wert, die Zeichnungen sind wie eigentlich immer bei Leoni wunderbar ausdrucksstark und dynamisch. Überhaupt glänzt LTB 517 mit einer erstaunlich guten Zeichnerauswahl. Was ich aber nicht verstehe: Wie kann man zwei Geschichten mit einer derart ähnlichen Grundkonstellation direkt hintereinander drucken?? Außerdem kommt Donald ein bisschen arg schlecht weg. Trotzdem TOP-

Dr. Maus

Teil 4: … und seine Fans

(siehe oben)

Fazit:

„Gute Besserung“ ist ein überdurchschnittlich gutes LTB, das schon fast an das überragende LTB 513 herankommt. Also: Nicht vom abschreckenden Cover abschrecken lassen! Die Auswahl ist sehr gelungen. Und: Lange Geschichten gehören ins LTB! Abgesehen von 8 Seiten Füllmaterial befinden sich eigentlich nur sechs Comics in dem Band – so kann es gerne öfter sein! Und hoffentlich schaffen es noch ein paar mehr qualitativ hochwertige Phantomias-Comics ins LTB, es werden ja 50 Jahre Phantomias gefeiert und im Ultimate ist viel zu wenig Platz für Erstveröffentlichungen.

Nun müsste man die Reducktion nur noch davon überzeugen, mal wieder ein Cover von Perina zu benutzen, denn der Mann hat Unmengen schöner solcher gezeichnet. Bei Nebenreihen findet sich schon das ein oder andere (LTB Winter 1, LTB Premium 8, 12 und 19, LTB Collection 6, alle LTB Fantasy, LTB Maus-Edition 7 und die bald erscheinende 10), aber bei der Hauptreihe gab es das nur bei den Nummern 354 und 481)

 

 

Bewertung

LTB 517 – Gute Besserung!

6,50 €, 250 S.   Das Cover ist, ehrlich gesagt, eine Zumutung. Da hilft auch Prägedruck und Beschichtung nichts. Im Prinzip ist die Zeichnung ja OK, a

Editor's Rating:
4.5
Über Spectaculus 6 Artikel
Hallo, ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger!! Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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