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up yours woke moralists lets see who cancels who
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„Up yours, woke moralists“, Jordan Peterson polarisiert und irritiert

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Dass es im Internet durchaus verwirrende Inhalte gibt, ist kein neues Phänomen. Mit Jordan Peterson, einem emeritierten Professor, gibt es jedoch eine ganz spezielle Persönlichkeit. „Up your, woke moralists. Let’s see, who cancels who“ gab dieser erst vor einigen Wochen bekannt, sein Auftreten zeigt auch das Verlangen nach einer anderen Weltanschauung.

Statt sich eine neue Welt zu wünschen, geht der aktuelle Trend in Richtung neuer Blickwinkel auf die bereits existierende Welt – immer mehr meist konservative Theoretiker stellen sich mit ihren Anschauungen gegen die aktuell in den Medien offenbar vorherrschende Meinung und versuchen infolgedessen Dinge anders zu bewerten. Das ist keinesfalls ein neues Phänomen, im Gegenteil, es gibt durchaus Übereinstimmungen – selbst wenn die Seiten sich gewendet zu scheinen haben.

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„Up yours, woke moralists“

Auf der einen Seite befinden sich, im Blickwinkel der Konservativen, die „Guten“ und Realistischen und auf der anderen Seite die „Woken“, die die Kultur umschmeißen und über die letzten Jahre zunehmend Veränderungen in die Gesellschaft bringen konnten. Ein Begriff, der auch mit der „Cancel Culture“, die man in den letzten Jahren sehen konnte, Hand in Hand geht. Für Konservative bedeutet „woke“ damit etwas wie Realitätsverweigerung.

Jordan Peterson, der insbesondere in den USA für diese Bewegung steht, wurde nach einem problematischen Tweet von Twitter aufgefordert, diesen Tweet zu löschen, um sein Profil wieder freizugeben – er weigerte sich jedoch, „rather I would die than do that“ („eher würde ich sterben, [als den Tweet zu löschen]“) – was dafür sorgte, dass er zwar nicht gebannt ist, aber de facto keinen Zugriff mehr auf seinen Account hat, was auf das Gleiche herauskam. Selbiges erklärte er dann in einem 15-minütigen Video.

Grund für die Auseinandersetzung war ein Tweet, indem er Elliot Page, der zuvor als „Ellen Page“ bekannt war, bevor er 2020 erklärte, transgender zu sein, nicht nur weiterhin als „Ellen Page“ bezeichnet, sondern sich zusätzlich kritisch darüber lustig machte. Der Aufforderung Twitters für eine Löschung kam er jedoch nicht nach.

"Up yours, woke moralists", Jordan Peterson polarisiert und irritiert 8
Screenshot/Zitat des Tweets und des Jordan Peterson Twitter Ban

Kritik an der aktuellen Meinung und dem Konsens gab es indes schon immer, damals kam dieser vor allem aus der linken Ecke – Noam Chomsky war damals und ist bis heute bekannter, linker Kritiker des Kapitalismus und des Vietnamkriegs – mittlerweile sieht sich jedoch vor allem die konservative Ecke in eben selbige gedrängt und äußert sich deshalb über einen „Woke-War“, „woke moralists“ und ähnliches.

Oft geht man dabei auch auf Menschen ein, die gar nichts oder nur wenig mit der Situation zu tun haben und greift Privatpersonen in ihren Entscheidungen an. Nicht nur der linke Noam Chomsky hat dabei auch eigenartige Positionen zum Russlandkrieg, auch Jordan Peterson, der sicher nicht links ist, ist wegen eben selbigen Äußerungen negativ aufgefallen. Beide ähneln sich in ihrer Gesellschaftskritik, selbst, wenn sie in ganz unterschiedliche Richtungen gehen.

„Let’s see, who cancels who“

15-minütiges Video über Jordan Petersons Twitter Bann, nur an Inhalt mangelt es

Mit dieser Reaktion auf einen wohl selbst herbeigeführten Quasi-Bann löste Peterson dabei auch die Memeszene wieder aus, die sich den Clips annahm und diese in Filme, Serien und Videospiel einsetzte. Bereits zuvor war Peterson häufig in Memes zu sehen, wie auch noch konservative Gesichter wie Ben Shapiro.

Denn trotz der Gesellschaftskritik fällt auf, dass die oft selbst gesellschaftskritischen Memes sich nicht selten allen Seiten annehmen und dort jeder sein Fett wegbekommt. So ist auch Jordan Peterson mit seinen „woke moralists“ diesem Umstand wohl kaum entkommen, trotzdem zeigt sich, dass ihm auch viele ohne diesen Meme-Kontext zuhören und an seinen Clips interessiert sind.

Dass es Änderungen in der Gesellschaft hin zu mehr Akzeptanz, aber auch teilweise mehr Akzeptanz zu fragwürdigen Dingen in den letzten Jahren gegeben hat, lässt sich wohl kaum bestreiten – ob jedoch Jordan Peterson die wirklich fragwürdigen Dinge aufgreift oder sich oftmals an inhaltslosen Pseudoinhalten abgibt, weil ihm die Idee von „Transmenschen“ nicht ins Konzept passt, so wenig es ihn an Stellen auch angehen mag, bleibt fraglich.

Counter Culture verneint einfach alle Veränderungen

Nur zu oft gibt sich diese Kultur des Verneinens der „Errungenschaften“, bzw. Veränderungen der letzten Jahre nämlich in eine Situation des Hasses vom Neuen statt einer ernsthaften Gesellschaftskritik und verliert damit häufig einen Großteil ihrer Substanz. Einfach aus Prinzip alles Neue schlecht finden, ist nämlich nicht weniger denkfaul als aus Prinzip alles Neue als besser anzunehmen und zu preisen.

Emperor Peterson, Meme über die Woke Moralists, Quelle

Counter Culture und Kultur scheinen sich hier oftmals in einem Kampf gegeneinander zu befinden, bei dem eine davon einen Teilsieg erringt und dann wieder zur „Kultur“ wird. War das letzte Jahrhundert durchaus von konservativen Ideen geprägt, scheint der Trend der letzten Jahre sich vor allem zugunsten des damaligen Gegenteils, der linken Ideen, zu richten – die aktuelle Counter Culture hält gegen diese an und ist entsprechend wieder eher konservativ – denn einige Unterschiede zu rechten Ideen weisen die Inhalte von Peterson trotzdem noch auf, selbst wenn sie teilweise ineinander übergehen mögen.

Am Ende wird man jedoch nicht darüber hinwegkommen, den Populismus auf beiden Seiten der Positionen abzuziehen, und den Diskurs dabei zu beobachten, beim Pendeln von links nach rechts so langsam seine Mitte zu finden. Selbst wenn das Pendel bei Petersons Worten wohl weiter nach rechts pendelt als beim aktuellen Status Quo nach links.

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Bastian Braun

Herausgeber und Autor, nimmt sich selbst weniger ernst als Bielefeld, oft sarkastisch, kreativ und Gelegenheitskritiker.

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Random Joke

Oh man… Zu Peterson kann ich nicht viele Worten verlieren da dieser Artikel es ziemlich gut zusammen fasst, seine Ideen sind größtenteils absurd und seine „Kritik“ lässt sich auf: „Alles neue kagge“ in kurzen Worten zusammenfassen. Das es ein Bedarf auf Gesellschaftskritik geben sollte ist keine Frage, aber so jemand wie er oder shapiro sind die Witzfiguren, die eh nur ins Nächste der zwei radikalen überfließen im Großteil. Kritik zu manchen Dinge in der Gesellschaft liebend gern, denn da gibt es viele zu kritisieren, aber den Deadnamen eines Schauspielers zusagen als „“Kritik““? Das ist keine Kritik, sondern nur ein Versuch… Weiterlesen »

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