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Ausschnitt/Zitat aus einem Video

Leeroy-Bashing: Auf Twitter mag man Leeroys Videos gar nicht – wieso eigentlich?

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Wer das soziale Netzwerk Twitter beobachtet, mag merken, dass dort große Antipathie gegenüber dem YouTuber Leeroy und dessen Videos herrscht. Auch nach unserem Bericht über ein kontroverses Video bricht die Kritik dort nicht ab, grundsätzlich landet sogar jeder Upload dort und es wird die Absetzung gefordert – wieso eigentlich?

Wenn man die Antipathie gegenüber Leeroy auf Twitter verstehen möchte, muss man erst einmal den Charakter der ganzen Plattform verstanden haben. Denn auf Twitter geht es – auch wenn Elon Musk bereits daran arbeiten lässt, wie er sagte, das zu ändern – nicht gerade wenig um Negativität und schlechte Schlagzeilen, die dort für Likes und Reichweite sorgen können.


Wer also viel Reichweite haben möchte, muss sich lediglich Aufregen und das mit einer Art Trendstimmung, die bei diesem Thema nicht abreißt. Sich über neue Uploads von sowieso häufig geschauten Videos aufzuregen ist damit kein seltener Weg mit relativ großer Garantie jedes Mal eine Menge Likes, Retweets und Kommentare abzubekommen. Und genau das gibt die besten Voraussetzungen, gepaart mit der richtigen Bubble.

Leeroy Matata auf Twitter im Querfeuer: Kein Upload ist gut genug, die Interviewführung angeblich miserabel

Wie wir bereits in einem Beitrag vor wenigen Wochen beschrieben, wehren sich immer wieder Journalisten oder vor allem Nutzer auf Twitter gegen die Art von Leeroy, der grundsätzlich den Gästen mehr Redezeit als sich selbst zumisst. Während andere unterbrechen, belanglose Fragen stellen oder dann abwinken, wenn sie nicht mehr das hören, was sie hören wollen, hört Leeroy zu und stellt Rückfragen zum Gehörten, die durchaus auch mal in die Wunde stechen können – stets aber respektvoll und mit Mehrwert für die Zuschauer.

Auf Twitter stößt man sich aber meist schon allein beim Thema des Videos oder am plakativen Thumbnail, das Zuschauer anziehen soll. Ansonsten steht man allerdings selbst in keinster Weise beim Thema Plakativität hintenan.

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Das beste oder besser gesagt erstbeste Beispiel hierfür mag der Meinungsblogger AlphaKevin sein, der sich indirekt ebenfalls wieder über den plakativen Titel aufregt, twittert und im zweiten Absatz nach „Wann kommt endlich das Video“ fordert: „Leeroy trifft endlich die Entscheidung sein elendiges Format zu löschen“. Aber worum geht es im Video überhaupt?

Das betroffene Video zeigt eine damals durch einen Priester missbrauchte Person und einen Priester, der ebenfalls das Thema Missbrauch in seiner Kindheit erfahren musste, die sich zusammen über Missbrauch und die Rolle der Kirche dabei unterhalten. Beide sind sich relativ einig darin, dass die Aufklärung besser hätte sein müssen und besser werden muss, und beide sind freiwillig dort – wie alle Teilnehmer bei Videos von Leeroy.

Niemand kommt beim Video zu Schaden, Personen, die „getriggert“ werden könnten, werden vor dem Anschauen darauf hingewiesen, worum es geht. Leeroy lobt beide Seiten auch mehrfach, sich dem Interview gestellt zu haben, bleibt ansonsten aber weitestgehend passiv – einordnende, nicht übergriffige Kommentare gibt es vor allem durch Einblendungen, die grobe Eckdaten klarstellen. Wirklich etwas zu „debunken“ gibt es im ganzen Video eigentlich gar nicht, etwas, das beim zuletzt stark kritisierten Video zwischen einer Transfrau und einem Politiker eher vorgekommen war.

Twitter interessiert sich nicht für Fakten, stattdessen wird sich lieber aufgeregt

Aus diesem Grund war es auch wichtig, vorher einzuordnen, dass man den Charakter von Twitter verstehen muss, bevor man die Kritik auf Twitter verstehen kann. Denn die meisten der Punkte kann man allein dadurch, dass man das Video schaut, bereits lösen – trotzdem fordern viele dort die direkte Absetzung des gesamten Formats oder am liebsten des ganzen Kanals, wenn nicht von Leeroy selbst.

Und wer nun gegen das Video argumentieren möchte: Die ersten Nutzer forderten bereits vor dem Video, dass dieses gar nicht erst online geht. Noch bevor sie überhaupt wissen konnten, wie das Gespräch verlaufen würde, anschauen, das wussten wohl viele, würden sie es ja sowieso nicht. Besagter Tweet? 4.152 Likes. Hier hinterfragt auch niemand mehr, wieso man das überhaupt verhindern sollte.

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Ja, könnte man sagen, das Video mit der Transfrau und dem AfD-Politiker war vielleicht kritisch, war vielleicht „extrem“, aber bereits davor war man kein Freund von Leeroy auf Twitter. Und man ist es immer noch nicht, man könnte fast sagen, man mochte seine Art doch bereits lange vorher nicht und hasst sie jetzt. Oder besser gesagt: Anti-Leeroy-Tweets bekommen aktuell so viel Reichweite wie nie zuvor. Es lohnt sich also jetzt, nachdem es sich vorher schon gelohnt hatte, jetzt aber erst recht.

Wer die falschen Ansichten hat, sollte gar nicht erst reden dürfen

Besonders auffällig viele Tweets gibt es jedoch immer dann, wenn jemand zu Leeroy kommt, der eigentlich Betroffener von Silencing sein sollte oder besser „deplatformt“ würde, jedenfalls aus Sicht der Twitter-Nutzer. Wirkliche Gründe braucht man nach den jüngsten Videos aber eigentlich auch kaum noch. Jedes Leeroy-Video wird quasi bereits vorher abgesägt.

Dieses „Leeroy-Bashing“ ist mittlerweile extrem populär, zwar gibt es auch einige Memes, die das Ganze ironisch aufgreifen, diese werden mittlerweile auf Twitter jedoch wieder postironisch verwendet, um zu zeigen, dass man diese Videos insgeheim eigentlich doch für möglich hält – und am liebsten verhindern würde.

Übertreibungen, wie weit das Auge sehen kann, angetrieben von Nutzern, die am liebsten den großen Hit-Tweet landen würden, indem sie auf den gleichen Zug aufspringen. Dass Leeroy etwas zum Diskurs beiträgt, das ist vielen einfach egal, stattdessen finden insbesondere linke Bubbles es offenbar noch nicht mal schlecht, ihm auch präventiv Vorwürfe wegen schlechter Videos zu machen.

Falsche Vorwürfe, um Leeroy Schlechtigkeit zu unterstellen

Viele genannte Vorwürfe sind dabei auch, dass Leeroy unvorbereitet sei und nichts kommentieren würde. Wieso er Zweiteres tut, ist wohl zur Genüge erklärt, ersteres ist er aber sicher nicht, und wenn im Rahmen seiner Möglichkeiten – denn er hat definitiv das Wissen, um Nachfragen zu stellen, ansonsten moderiert er relativ frei und im Sinne der Erzählenden, um diesen mehr Raum freizuräumen und eventuelle Unstimmigkeiten, die er nicht nachprüfen kann, später als Untertitel einzublenden.

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Tweets über Leeroy, die sich kritisch mit der gehäuften Kritik beschäftigen, Quelle: Twitter

Im Gegensatz zu anderen Moderatoren, oft einfach mal mit Halbwissen zu pokern, hält sich Leeroy bei fragwürdigen Aussagen einfach zurück und weist darauf hin, dass man das prüfen werde. Genau deshalb fiel er eben auch so positiv im Interview mit Jens Söring auf, der – nach dem Podcast System Söring – oft von den Interviewpartnern Recht bekam, während Leeroy die Informationen nochmal unabhängig checken ließ, statt selbst Aussagen ohne Ahnung davon zu haben, zu treffen.

Ein Nutzer entnahm einen Punkt auch einer „Dekarldent“-Reaktion, bei der der Vorwurf sinngemäß war, alle Interviews hintereinander im Sommer aufgezeichnet zu haben, und deshalb so schlecht informiert gewesen zu sein, auffällig an seiner kurzen Hose. Direkt hintereinander kann das aufgrund der Anziehsachen jedoch nicht gewesen sein und in den meisten Videos trägt er mit der Zeit einen Hoodie und auch eine lange Hose, genauso seine Gäste – manche Videos mögen zeitversetzt sein, die allermeisten sind es jedoch definitiv nicht.

Am Ende müssten sich die Nutzer einfach mit Leeroys Moderationsstil abfinden und die guten Seiten daran sehen. Doch das spräche nicht nur gegen die Grundsätze einiger Nutzer, die die entgegengesetzte Meinung am liebsten aus dem Internet verbannt hätten, sondern auch gegen die Art, wie Twitter und Reichweite funktioniert. Bis dahin müssen sich die Anderen wohl damit abfinden, dass Twitter wohl einfach teilweise aus „Hypocrites“ besteht, wie man diese im englischsprachigen Bereich schon länger scherzhaft bezeichnet.

Auffällig und positiv ist wohl aber, dass unter immer mehr Tweets eine Menge Nutzer beanstanden, dass die Kritik ziemlich ohne Inhalt ist und nur darauf abzielt, dass Gleichgesinnte ohne sich mit den Videos zu beschäftigen ihren Like vergeben, weil sie einmal irgendwo gehört haben, dass Leeroy wohl schlecht sei. So verstehen mit der Zeit aber möglicherweise immer mehr, dass ihre Kritik oder die von ihnen gelesene nicht wirklich sachlich war. Man kann bis dahin nur hoffen, dass dann auch die Mehrheitsmeinung der Plattform wieder ins Gleichgewicht findet.

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Bastian

Herausgeber und Autor, nimmt sich selbst weniger ernst als Bielefeld, oft sarkastisch, kreativ und Gelegenheitskritiker.

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