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Ein schlechter Verlierer?: Magnus Carlsen vs. Hans Niemann

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Die Streitigkeiten um Magnus Carlsen und Hans Niemann scheinen kein Ende mehr zu nehmen, so sind diese mittlerweile nicht nur in der Schachwelt selbst, sondern auch im Internet aktuell hart umstritten und umkämpft. Der Vorwurf vieler, inklusive Magnus Carlsen, dem amtierenden Schachweltmeister (der jedoch nicht mehr antreten möchte, um seinen Weltmeistertitel zu verteidigen: Hans Niemann habe betrogen. Die Vorwürfe sind dabei so fast breit gefächert wie die möglichen Züge im Schach selbst – aber was ist daran wahr?

Für viele ist der Fall schon jetzt klar, Niemann habe angeblich betrogen und man müsse nur noch das finale Indiz finden, das das auch beweisen könne. Grund für die Auseinandersetzung war, dass Niemann in einem Schachduell gegen Carlsen gewonnen hatte, der daraufhin auf Twitter ein YouTube-Video verlinkte, das in etwa sagte „Die Dinge, die ich sagen würde, könnten mich in Gefahr bringen“. Lange äußerte er sich dann nicht mehr, bis er vor wenigen Tagen bestätige, dass er davon ausgehen würde, Niemann hätte betrogen.


Und auch in einem weiteren Spiel der beiden betrat Carlsen zuerst das Spiel und verließ es nach nur einem Zug aus Protest wieder. In seinem Statement machte er klar: Er will nicht mehr gegen Niemann spielen. Beweise, die er dafür bisher vorlegte? Leider keine. Von außen betrachtet sieht das wie ein Streit unter Kleinkindern aus, und vor allem so, als sei Magnus Carlsen ein schlechter Verlierer.

Was gegen Magnus Carlsen spricht

Sagen wir es so: Carlsen ist nicht dafür bekannt, mit Niederlagen immer perfekt umzugehen, so konnte man ihn vor einigen Jahren Backstage nach einer Niederlage noch laut schreien hören. Gemeinhin bezeichnen ihn einige Medien bereits seit Jahren als zwar guten Schachspieler, aber auch unglaublich „schlechten Verlierer“. Bereits vor einiger Zeit hat er zudem angekündigt, seinen Titel als Schachweltmeister gar nicht mehr verteidigen zu wollen und nur noch an anderen Turnieren teilzunehmen.

Jemand anderes Betrug vorzuwerfen ist jedoch auch keine Seltenheit in der Schachwelt, wenngleich sich viele dieser Vorwürfe später als wahrscheinlich wahr herausgestellt haben – die meisten können jedoch nie bewiesen werden. Sind diese Vorwürfe aber erst einmal in der Welt, wird es extrem schwierig sie wieder loszuwerden. Niemann, der erst 19 Jahre alt ist, dürfte mit den Beschuldigungen noch eine ganze Weile leben dürfen, auch wenn er diese selbst durch ein verwirrtes Interview noch angestachelt hat, was man ihm trotz seines Alters aber wahrscheinlich nicht so schnell vergessen wird.

Trotzdem gibt es bisher keine Beweise, die zeigen würden, dass Niemann tatsächlich betrogen hat. Manche Fans und sogar Großmeister redeten jedoch sogar von Analplugs, die alle Kontrollen überstanden hätten und ihn zum Sieg geführt haben könnten – und schämen tat sich offenbar niemand, derart abstruse Möglichkeiten überhaupt aufzubringen. Carlsen genießt in der Szene aufgrund seines Könnens einen recht guten Ruf, entsprechend steht ein Großteil der Schachwelt schon so hinter ihm – das allein ist aber kein Grund, dass er recht hat.

Nachdem Carlsen die weitere Runde nach einem Zug kommentarlos verlassen hatte, hat einem die Übertragung von Niemanns kurzer Reaktion darauf fast leidtun können – egal, was er tut und ob es stimmt oder nicht, viele glauben ihm einfach nicht. Und das, obwohl es keinen Beweis dafür gibt.

Was gegen Hans Niemann spricht

Andererseits gibt es durchaus ein paar Indizien, die einen Betrug zumindest nicht unwahrscheinlich machen. Niemann spielt erstaunlich gut, hat im Interview gesagt, er hätte eine Taktik noch kürzlich gelernt, die Carlsen angeblich vor Ewigkeiten mal gespielt hatte und machte sich damit in Augen vieler suspekt.

Auffällig ist auch, dass er in den letzten Jahren fast zehn Partien nahezu oder perfekt gespielt hat. Also exakt so, wie auch gängige Engines sie gespielt hätten, also jeweils den optimalen Zug und damit den häufig schnellsten und sichersten Weg zum Sieg.

Auch gab Niemann im Interview sehr unvorteilhaft zu, dass er mit 12 und 16 Jahren bereits betrogen hätte und deshalb auch auf Chess.com gesperrt wurde. Das gibt vielen jetzt jedoch auch Grund, direkt anzunehmen, dass er dann wahrscheinlich auch noch öfter gecheatet hat – so auch Carlsens Vermutung.

Niemann hielt sich seitdem jedoch mit Statements zurück – was vielleicht auch besser ist, da er gegen die Vorwürfe sowieso nicht viel machen kann, schließlich sind diese nicht einmal konkret oder überhaupt adressierbar. Zudem dürfte es durchaus schwierig werden, in einer von Carlsen begeisternden Welt mit Vorwürfen gegen ihn im Raum gut anzukommen.

Was könnte passiert sein? Hat Niemann betrogen? – Hans Niemann Betrugsvorwürfe

Am Ende kann natürlich niemand außer Niemann selbst wissen, ob er betrogen hat oder nicht. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass er gegen Carlsen ehrlich gewonnen hat – das hatten andere schließlich auch schon in der Vergangenheit, es kann aber natürlich auch nicht ausgeschlossen werden, dass er es auf unehrliche Weise getan hat. Aber einen Unschuldigen im Nachhinein erst einmal beweisen zu lassen, dass er wirklich unschuldig ist, ist eine Forderung, die wohl auch nur schwer erfüllt werden kann. Im Zweifel heißt es schließlich für den Angeklagten und nicht gegen ihn.

Carlsen muss entsprechend beweisen, dass Niemann betrogen hat – nicht Niemann, dass er es nicht hat. Aber welche Szenarien sind überhaupt möglich?

Neben Unfug wie der Analplug-These oder derartig absurden Idiotien, ist es natürlich nicht unmöglich, dass Carlsen seine Strategie für den Anfang des Spiels oder noch mehr vorher bereits durchgeplant hatte (schließlich zog er mit weiß zuerst) und Niemann diese Unterlagen irgendwie in seine Hände bekommen hat, manche gegen davon aus, dass Carlsen deshalb nichts sagen könne, weil er womöglich einen Maulwurf unter seinen Leuten hat. Vorher jedoch seine Strategien mit anderen zu teilen, ist an sich schon nicht besonders intelligent.

Das wäre jedoch etwas, was zumindest als „Betrug“ infrage käme. Bevor man diesbezüglich jedoch Vorwürfe erhebt, sollte man diese auch gut begründen und beweisen können, da man potenziell ansonsten einigen Schaden zufügen kann.

Fazit

Das Fazit ist entsprechend: Nieman(n)d weiß, ob tatsächlich betrogen wurde. Carlsen wird sicherlich auch nicht aus dem Nichts solche Vorwürfe erheben, hat bisher aber nicht geteilt, wieso er so denkt und wieso er ebenfalls annimmt, dass Niemann „bereits öfter“ betrogen hat. Für Niemann ist dieser Fall allerdings schon verloren, wenn nicht weiter evaluiert wird, hat er seinen guten Ruf verloren und wird wohl nur noch schwer oder langsam wieder ernst genommen werden können.

Ist der Vorwurf einmal im Haus, wird man ihn so schnell nicht wieder los. Das ist weder fair für den Spieler, noch für die Gemeinschaft, die jetzt mit großen Augen auf den Schach schaut und sich fragen muss, wer hier recht hatte. Eigentlich müsste das Betrügen, sei es noch so kreativ, zielsicher unterbunden werden, damit diese Möglichkeiten gar nicht aufkommen können, aber immer überall kann man eben auch nicht seine Augen haben und das gibt sowohl Betrügern als auch Behauptungen dessen gegen andere eine Chance zu existieren.

Doch auch trotz Kontrollen wie hier kommen solche Fälle auf, bevor man jedoch annimmt, dass tatsächlich Betrug dahintersteckt, sollte man im Zweifel für den Angeklagten vielleicht noch was warten. Bis Niemann gegen Carlsen gewann, waren seine ungewöhnlich guten Erfolge nämlich noch nicht so ein großes Problem – und eins muss ebenfalls gesagt werden, selbst wenn es nichts direkt damit zu tun hat, Niemann spielte ab 2019 bei unglaublich vielen Turnieren mit und vielleicht, das sollte schließlich immer noch eine Chance haben, ist er dabei einfach immer besser geworden und konnte so gegen Carlsen gewinnen.

Sollte sich das alles jedoch als falscher Vorwurf entpuppen, was nur mit Aussage gegen Aussage natürlich schwer zu bewerten ist, wäre es ein Armutszeugnis sondergleichen und ein Drama, von dem sich die Schachwelt wohl so schnell nicht mehr erholen würde. Dabei ist Schach eigentlich als der wohl intelligenteste Sport bekannt.

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Bastian

Herausgeber und Autor, nimmt sich selbst weniger ernst als Bielefeld, oft sarkastisch, kreativ und Gelegenheitskritiker.

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Random Joke

Eine schöne Erleuchtung zu diesem Thema, schön mal auch hier was zu solchen Themen zu lesen (:

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