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Rundfunklizenz für Streamer auf Twitch & YouTube: Ab wann braucht man sie?


Immer mehr Streamer zieht es auf die beliebte Plattform Twitch, die bereits seit mehreren Jahren die wohl bekannteste Plattform für Live-Content im Netz ist, insbesondere für Gaming, aber immer mehr auch für anderes Programm, wie Reactions, Just Chatting oder andere Kategorien. Immer mehr Streamer haben deshalb in der Vergangenheit jedoch “Ärger” wegen einer Rundfunklizenz bekommen, nachdem festgestellt wurde, dass sie gemäß Medienstaatsvertrag eine bräuchten.

Vor allem in den letzten vier Jahren kam es deshalb immer wieder zu kleinen Turbulenzen. Für jeden Streamer auf Twitch stellt sich deshalb die Frage: Ab wann braucht man eigentlich eine Rundfunklizenz für Twitch? Rundfunklizenz, Streamer, Twitch, das scheint generell ein heikles Thema zu sein. Die Fakten im Überblick.

Rundfunklizenz Streamer: Ab wann braucht es das?

Ganz wichtig ist dabei vorweg zu sagen: Für eine Rundfunklizenz kommt es nicht darauf an, wie oft man live ist (das wird später nochmal wichtig). Als das Konzept Rundfunklizenz für Radio und Fernsehen entstand, war es nämlich nicht unüblich, dass die Sender nur für bestimmte Zeiten gesendet haben und gar nicht den ganzen Tag auf Sendung waren. Heißt: Wer streamt, der muss das nicht 24/7 tun, um eine Rundfunklizenz zu benötigen.


Allerdings kann man für die meisten Streamer, zumindest am Anfang der Karriere und selbst bei vielen mittelgroßen Streamern Entwarnung geben. Tatsächlich erfordert eine Lizenz nämlich erst einmal eine gute Basis an Zuschauern oder Zuhörern.

Als grober Richtwert gilt die Zahl 20.000, Zuschauer oder Zuhörer, die gleichzeitig einschalten, ermittelt als Mittelwert über einen Zeitraum von sechs Monaten. Dazu kommen aber noch ein paar andere Details.

Ab dann braucht man eine Rundfunklizenz für Twitch oder YouTube

In der Tat muss man sich nämlich erst einmal eine ordentliche “Fanbase” aufbauen, bevor man überhaupt von Interesse ist für die Medienanstalten und für eine solche Lizenz infrage kommt. Lange galt das Internet auch für insgesamt uninteressant und trotz der Zahlen tat sich lange nichts, bis die Anstalten darauf aufmerksam wurden, und als der Markt immer weiter wachsen konnte. Mittlerweile erreichen immerhin manche Livestreams mehr Zuschauer als das lineare Fernsehen.


  • Es muss sich um ein Live-Angebot handeln, also live übertragen werden, die Inhalte selbst können jedoch auch älter sein
  • Es gibt feste oder bestimmte Zeiten für den übertragenen Inhalt, das kann ein Streaming-Plan oder etwas Ähnliches sein
  • Es werden 20.000 Nutzer gleichzeitig erreicht (gerechnet auf 6 Monate, aber Achtung, auf die gestreamte Zeit und nicht auf den gesamten Zeitraum)
  • Es gibt einen journalistisch-redaktionellen Anspruch (die Vergangenheit hat gezeigt, dass die meisten Streams darunter fallen, da sie u. a. zur Meinungsbildung beitragen)
  • Diese Inhalte werden regelmäßig angeboten, also der Twitch Stream ist keine einmalige Sache
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Wichtig ist im Übrigen zu sagen: Wer selten, aber immer für mehr als 20.000 Zuschauer streamt, bräuchte demnach eine Lizenz. Oder auch, wenn man regelmäßig streamt und einmal einen “Peak” hat, also sehr viele Zuschauer erreicht, aber ansonsten leicht unter dieser Zahl bleibt. Denn dann zieht der Durchschnitt die Zahl womöglich doch über die 20.000 Zuschauer gleichzeitig, auf die sechs Monate gerechnet.

Die wenigsten Streamer erfüllen diese Angabe, jedoch gab es in der Vergangenheit durchaus schon Turbulenzen deshalb. Streamer wie MontanaBlack oder Gronkh wurden deshalb dazu aufgefordert, eine Lizenz zu beantragen. Wie genau sie versuchen, das zu umgehen, ist weiter unten erklärt.

Voraussetzungen für eine Rundfunklizenz

Gemäß dem Medienstaatsvertrag, Paragraf 53 ist geregelt, für wen eine Rundfunklizenz erteilt wird:


(1) Eine Zulassung darf nur an eine natürliche oder juristische Person erteilt werden, die

1. unbeschränkt geschäftsfähig ist,

2. die Fähigkeit, öffentliche Ämter zu bekleiden, nicht durch Richterspruch verloren hat,

3. das Grundrecht der freien Meinungsäußerung nicht nach Artikel 18 des Grundgesetzes verwirkt hat,

4. als Vereinigung nicht verboten ist,

5. ihren Wohnsitz oder Sitz in Deutschland, einem sonstigen Mitgliedstaat der Europäischen Union oder einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum hat und gerichtlich verfolgt werden kann und

6. die Gewähr dafür bietet, dass sie unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften und der auf dieser Grundlage erlassenen Verwaltungsakte Rundfunk veranstaltet.

Quelle: Medienstaatsvertrag, bayern.recht

Wie zum Beispiel auch Urheberrecht.de erläutert, bedeutet das im Konkreten, dass man uneingeschränkt geschäftsfähig sein muss (das passiert meist mit Vollenden des 18. Lebensjahr, ggf. auch früher), die Beteiligungsverhältnisse an der Gesellschaft offengelegt werden müssen, ein Führungszeugnis und der Personalausweis vorgelegt werden sollten, genauso wie ein Businessplan für den eigenen Livestream, sowieso ein Jugendschutzbeauftragter bestimmt werden muss. Insbesondere letzter Punkt ist Ausgangspunkt häufiger Beschwerden von Streamern.

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Denn für einen Livestream muss dann der Jugendschutz garantiert werden, weshalb hierfür jemand bestimmt oder eingestellt werden muss.

Welche Kosten können anfallen für eine Streamer Rundfunklizenz?

Die Kosten einer Rundfunklizenz lassen sich pauschal kaum beziffern. Das Portal Urheberrecht.de gibt hierfür eine Spanne von 500 bis 10.000 Euro an. Wesentlich teurer dürfte da der Jugendschutz-Beauftragte sein. Man muss aber dazu sagen, dass man zu diesem Zeitpunkt schon so eine Reichweite haben wird, mit allen verbundenen Einnahmen, dass diese Kosten wahrscheinlich nicht mehr die Welt ausmachen werden.


Bestimmt wird der Betrag anhand vieler Faktoren, unter anderem dem Verwaltungsaufwand, aber auch dem Wert des Unternehmens.

Es gibt im Übrigen sich auch die Möglichkeit sich durch eine Unbedenklichkeitsbescheinigung von der Medienanstalt versichern zu lassen, dass das Angebot zulassungsfrei sein darf. Hier variieren die Kosten nochmals von 100 bis 5.000 Euro.

Wie deutsche Streamer mit der Rundfunklizenz umgehen

Wie erwähnt, ist das “Problem” indes kein neues Phänomen, auch wenn es nur wenige Streamer betrifft. Um die 20.000 Zuschauer-Marke “zu umgehen”, haben die Streamer Gronkh und MontanaBlack einen weiteren Kanal eröffnet, auf dem 24/7 Let’s Plays und Videos von ihnen laufen.


Das sorgt dafür, dass der Schnitt an durchschnittlichen Zuschauern stark heruntergedrückt wird. Wenn also normalerweise 30.000 Zuschauer einschalten, aber diese Streams immer nur wenige Stunden andauern und den Rest der Zeit aber auch noch das 24/7-Programm läuft, mit in der Regel wenigen hundert Zuschauern, landet man wieder bei unter 20.000 Zuschauern im Durchschnitt. Wenn man sich also mal gefragt hat, wozu diese Livestreams existieren – der Grund ist recht simpel.

Natürlich ist diese Idee auch für die Zuschauer und permanenten Austausch im Chat keine schlechte Sache, der Ursprungsgrund ist aber eben, um wieder unter die 20.000er-Marke zu fallen.

Wer keine Streamer Rundfunklizenz braucht, muss übrigens auch keine beantragen. Immerhin entsteht dann auch kein Verwaltungsaufwand. Wer Zweifel daran hat, kann durch einen Anruf bei seiner Landesmedienanstalt den eigenen Fall erklären und sich so dazu beraten lassen. In der Regel beantwortet man hier gerne Fragen diesbezüglich, sodass man bereits im Vorhinein alles abklären kann, was abgeklärt werden sollte. Betreffende Telefonnummern finden sich auf den Websites der Landesmedienanstalt des eigenen Bundeslandes.


Dieser Artikel soll keine Rechtsberatung darstellen. Im Zweifelsfall ziehen Sie bitte einen Experten hinzu, um sich über die Rundfunklizenz zu informieren.

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Bastian

Gründer und Autor. Experte für Memes, Internetkultur mit Stars und Social Media, dabei aber auch interessiert an Kino, Filmkultur & Animationsfilmen und anderem. Manchmal sarkastisch, kreativ und Gelegenheitskritiker.

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