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Ist die Layla Kritik berechtigt, geht der Song zu weit und ist das Sexismus? – Kommentar

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Der Ballermann-Song „Layla“ steht aktuell scharf in der Kritik und wurde in einigen Städten bereits verboten, umso mehr stellt sich die Frage, ob der Song nicht zu weit geht und eigentlich nicht mehr gespielt werden sollte. Andere wiederum werfen der „Cancel Culture“ vor, dass sie „Layla“ ohne wirklichen Grund canceln würde und der Song im Grundsatz nicht schlimmer wäre als viele andere auch. Ein Überblick der Debatte.

Erst einmal muss man dafür die problematischen Stellen ausfindig machen und sich mit den Vorwürfen beschäftigen, die aktuell im Raum stehen. Sehr konkret werfen einige Portale dem Song vor, dass dieser sexistisch sei und deshalb auch nicht mehr gespielt werden würde – das scheint der Hauptgrund zu sein, andererseits ist natürlich auch der Umgang mit dem Thema Prostitution fraglich, da diese in gewisser Weise positiv dargestellt wird. Allerdings auch nur auf den ersten Blick.


Bei Layla Ballermann-Song handelt es sich um ironisches Lied

Denn spätestens beim Musikvideo wird klar, dass es sich um ein eher ironisch gemeintes Lied handelt, das gar nicht unbedingt wörtlich gemeint ist – das ist zwar ein eigenartiger Humor, da es sich hierbei aber um ein umgangssprachlich als Ballermann-Song bezeichnetes Lied handelt, durchaus keine Seltenheit.

Im Musikvideo tritt nämlich besagte Layla als geschminkter Mann mit Perücke auf und zeigt damit, dass sich der Song selbst nicht zu ernst nimmt. Hierbei handelt es sich jedoch auch nicht um eine Transperson, wie einige Portale bereits klarstellten.

Sexismus im Layla Song? Was genau daran ist problematisch?

Schaut man sich den Song genauer an, fallen folgende Stellen auf, beziehungsweise könnten zumindest auffallen, wenn man danach sucht:

Ich hab‘ ’nen Puff und meine Puffmama heißt Layla
Sie ist schöner, jünger, geiler

Ich ging in den Laden und schon stand sie da
Geile Figur, blondes Haar

Die schöne Layla, die geile Layla
Das Luder Layla, unsre Layla

Diese Stellen wiederholen sich jedoch auch mehrfach, da es insgesamt nicht sonderlich viel Text gibt, sondern der existierende in der Melodie mehrfach wiederholt wird – insgesamt gibt es nur zwei Strophen, eine davon hat sogar nur vier Verse, die erste noch acht. Was der Song bedeutet, ist hier geklärt.

Mit Kommentaren wie „geile Layla“ oder „geile Figur“ wird das Aussehen der hier beschriebenen Person, die zumindest vom ersten Eindruck her eine Frau sein soll, natürlich objektifiziert. Das sorgt dafür, dass auch der Sexismus-Vorwurf beim „Puffmama Layla“-Song zumindest in den Augen von sehr vielen Newsseiten naheliegend ist. Damit verkennt man aber natürlich die ironische Natur des Lieds.

Musikvideo zu Layla von DJ Borin und Schürze (Quelle)

Ballermann-Lied „Layla“ ist jedoch auch keine Gesellschaftskritik

Andererseits handelt es sich hierbei auch nicht um das nächste lyrische Meisterwerk – den musikalischen Wert muss jeder selbst bewerten – eine zweite Ebene, die nach der Ironie zum Vorschein kommt, gibt es also genauso wenig. Es gibt keinen Sinn, kein wirkliches Ziel, das der Song verfolgt – statt des genutzten Textes könnte man eigentlich alles nutzen, was irgendwie passt und von möglichst vielen mitgesungen werden kann, möglichst auch noch im angetrunkenen Zustand.

Dass dieser Text nun dezent sexistisch geworden ist, was man wohl auch nicht wirklich wegargumentieren kann, ist wohl unglücklich. Schaut man sich jedoch andere Lieder an, fällt schnell auf, dass man sowohl im gleichen Genre als auch einigen anderen weitaus „schlimmeres“ Material finden kann. Man sollte jedoch deshalb auch nicht in einen Whataboutism verfallen und nur damit argumentieren, dass es „ja viel Schlimmeres gibt“. Jedoch beim im Vergleich harmlosesten Lied anzufangen, ist eher kontraproduktiv.

Schaut man in den Deutschrap findet man nämlich sehr schnell tatsächlich frauenfeindliche, homophobe, antisemitische oder rassistische Songs – das bildet zwar nicht das gesamte Genre ab, hat jedoch die Geschichte des gesamten Genres maßgeblich geprägt und ist auch heute noch anzufinden, selbst bei großen Stars. Auch hier gab es mitunter Debatten, zwar nicht viele, aber auf einzelnen Volksfesten verboten wurde davon nichts.

Sich über provozierende Lieder aufzuregen ist in Deutschland keine Neuheit

Doch bereits damals gab es einige Mengen Kritik wie jetzt beim Layla-Song, als zum Beispiel „Skandal im Sperrbezirk“ herauskam oder Geier Sturzflug in der Hitparade den Originaltext ihres Hits „Bruttosozialprodukt“ leicht anzüglich bearbeiteten. Im Gegenteil zu Layla handelte es sich hierbei jedoch um Lieder mit etwas mehr Inhalt und Sinn dahinter.

Aber eins verbindet alle diese Fälle: Aufregung an der falschen Stelle. Statt sich die Energie zu sparen und über tatsächlich problematisches Material zu reden, das wirklich an der Kunstfreiheit kratzt (kratzen bedeutet jedoch nicht unbedingt überschreiten), stürzt man sich auf neu aufkommende Lieder, die es bis nach oben in die Charts schaffen, aber mit denen man irgendwem vorgaukeln kann, man würde sich tatsächlich für Gleichberechtigung oder Dinge wie Sexismus interessieren.

Dass bei Layla die Cancel Culture zugeschlagen hätte, lässt sich jedoch auch nicht einfach sagen, denn tatsächlich gibt es auf Twitter eher Unverständnis darüber, dass das Lied jetzt an einigen Veranstaltungen gestrichen wurde – und Twitter ist bekanntlich als die Küche der Cancel Culture bekannt.

Das Layla Verbot wird sowieso nicht funktionieren

Denn wie gut das Verbot funktioniert, zeigt sich bereits jetzt – der Text wird immer populärer, die Besucher singen ihn einfach selbst, wenn die Bands es nicht machen und geholfen ist damit niemandem. Im Gegenteil, es ist so kontraproduktiv, dass das Lied jetzt noch viel mehr Fahrt aufnimmt und künftig wohl bei wirklich jeder Feier laufen wird. Genau gleiches ist bereits in der Vergangenheit oft genug passiert und vielleicht auch einfach genau das, was sich die fangen, die denken, Kunst (oder solche, die gerne welche wäre) aufhalten zu können.

Wenn Layla verboten wird, singen die Besucher es einfach selbst

Was verboten wird, ist direkt viel spannender, bewegt mehr Menschen und wird am Ende des Tages dann auch genau dort, wo es verboten wurde, noch mehr gesungen. Wenn die Masse singt, kann diese nämlich nichts mehr aufhalten – und man muss beachten, dass die Menschen im angetrunkenen Zustand sowieso nicht mehr auf Regeln acht geben.

Aber Hauptsache einmal mehr aufgeregt über etwas, was man nicht versteht und dadurch eigentlich maximal schlimmer machen kann. Das ist deutsche Idiotie im Endzustand.

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