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KuchenTV knickt vor Militanter Veganerin ein

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Die Diskussionen zur TikTokerin „Militante Veganerin“ häufen sich in den letzten Wochen, jetzt hat auch KuchenTV ein Video zu ihr gemacht, in dem er zwar kritisch ankratzt, dass ihre Weise der Kritik nicht in Ordnung sei, ihr Basispunkt aber total legitim wäre. Das wirft Fragen auf.

Veganismus ist in den letzten Jahren immer populärer geworden und kann auch als radikalere Form des Vegetarismus – und das ist durchaus ein Unterschied – verstanden werden. Die TikTokerin Militante Veganerin will auf ihrem Account darüber Aufklärung betreiben, greift dafür aber regelmäßig Menschen auf der Straße bei laufender Kamera verbal an und beleidigt diese teilweise sogar, wenn sie nicht vegan sind.


Und das betrifft auch Menschen, die von sich sagen „Ich bin auf dem Weg, vegan zu werden“ und dann trotzdem nicht ermutigt, sondern mit Sätzen wie „Wie viele Tiere müssen noch sterben, bis du es einsiehst“ entgegnet werden. Militant ist sie auf diese Weise vor allem verbal.

KuchenTV gibt militanter Veganerin recht, denn für „Tierkonsum gäbe es kein Argument“

Der YouTube KuchenTV kritisiert zwar diese Art und Weise, stellt Veganismus andererseits aber als etwas, was nicht angreifbar wäre, dahin. Das ist allerdings fraglich. Einerseits ist KuchenTV selbst kein Veganer, und isst im besagten Video als Provokation auch einen Burger mit ebenfalls provokantem Kommentar, trotzdem sagt er aber, dass es für „Tierkonsum kein Argument gäbe“. Stimmt das?

Offensichtlicher Weise gibt es aber durchaus einen Unterschied zwischen „Veganismus“ und „Vegetarismus“. Bei ersterem wird auf tierische Produkte, also auch Eier, grundsätzlich verzichtet, bei Vegetariern eben nur auf Fleisch. Wenn KuchenTV ihr also zustimmt, kann er sich nicht auf Fleischkonsum beziehen, da die militante Veganerin keine vegetarische Weise bewirbt, sondern eine vegane.

KuchenTV Video zu „Militante Veganerin“, Quelle

Zudem ist aber auch falsch, dass keine Rechtfertigung für Tierkonsum gäbe. Es gibt durchaus valide Punkte, die sich schwer von der Hand weisen lassen, aber mit einer moralischen Sicht trotzdem entkräftet werden können – das kommt aber stark auf die Person an. Tiere essen auch andere Tiere und selbst wenn der Mensch Selbstreflexion als einige Spezies bekommen hat, kann er damit seinen eigenen Tierkonsum durchaus rechtfertigen. So zu tun, als ob Fleischkonsum weltfremd wäre, ist schlicht ein selbst herbeigeführter Unsinn.

Jetzt kann man durchaus die Herstellung von „Fleisch“ stark kritisieren, da hier teilweise grausame Methoden der Zucht und Schlachtung vollzogen werden, und auch bei vegetarischen Produkten wie Käse nicht alles richtig läuft, aber so zu tun, als ob der Mensch blutige Hände hätte, weil er ab und zu mal Fleisch isst, ist einfach nicht zutreffend. Am Ende obliegt die moralische Entscheidung dem Individuum selbst, andere auf verbal aggressive Weise darauf hinzuweisen, ist eine heikle, weil nicht gerechtfertigte Vorgehensweise.

Provokation zum Nachdenken hat auch Grenzen

Natürlich kann man nun damit argumentieren, dass Provokation dazu gehört – das ist auf diese Weise allerdings ebenfalls dann unsinnig, weil meist mit viel härterer Gegenreaktion reagiert wird und so kein Umdenken stattfinden kann. Das hat auch KuchenTV in seinem Video richtig festgestellt und dabei auf ein Video von Kurzgesagt verwiesen, das zwar nicht genau darum ging, aber diese Sache gut darstellt, was Routine angeht. Fleischkonsum ist zwar keine „Routine“ per se, sondern spendet zudem die wichtigen Vitamine und ist im Menschen auch veranlagt – zu behaupten, der Mensch wäre kein Fleischesser ist einfach schwachsinnig, was nicht bedeutet, dass er darauf nicht verzichten könnte.

Die Grenzen der Provokation können zudem bei harter und krasser Wortwahl, gepaart mit direkten verbalen Angriffen bis Beleidigungen, zudem bei vielen erreicht sein. Sie treffen also weder eine gute Reaktion, noch helfen sie dem Diskurs weiter. Für viele wird die militante Veganerin deshalb auch zu einer Art Hassfigur – selbst wenn sich hierzu nur sagen lässt, dass das genauso wenig Zweck hat.

Vielleicht bräuchte es statt einer aggressiven veganen Bewegung auch einfach eine starke, gemäßigte, vegetarische Bewegung, die den Fleischkonsum nicht vollkommen stoppt, aber nicht mehr jeden Tag normalisiert. Ansonsten werden sich die Fronten nur verhärten und niemand erreicht das gewünschte Ergebnis.

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Redaktion der Comicschau. Mehr Informationen finden sich auf der Seite des Teams.

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