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Kaufland in der Kritik wegen rechtsextremen Magazinen und linksextremen Flaggen

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Der Lebensmittelriese Kaufland ist aktuell in der Kritik, nachdem es einige, von vielen Nutzern kritisierte Entscheidungen in Hinblick auf den Verkauf in ihren Filialen gegeben hatte. Aber worum geht es dabei genau, was ist hier vorgefallen und warum rufen jetzt viele dazu auf, Kaufland sogar zu boykottieren?

Bereits in der Vergangenheit hatte es Kritik daran gegeben, dass Kaufland, wie auch viele andere Supermärkte und Pressegeschäfte, das Magazin „Compact“ verkauft, das unter anderem vom Verfassungsschutz als „gesichert extremistisch“ eingestuft wurde. Man versprach bereits vor zwei Jahren, dass man sich darum kümmern werde, dass das Magazin aus dem Sortiment entfernt werde – das ist jedoch nicht in allen Filialen geschehen.


Vor wenigen Tagen schrieb dann ein Nutzer auf Twitter direkt an Kaufland, warum diese „Nazizeitungen“, wie der Nutzer es formulierte, verkaufen würden. Der verlinkte Markt befand sich offensichtlich in Thüringen, dort wären wohl aber auch zum Beispiel Rewe-Märkte betroffen. Darauf gab es jedoch zuerst keine Reaktion, trotz tausender Likes – was jedoch auch kein Indikator für eine Stellungnahme sein muss.

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Zitat/Screenshot von Twitter, Quelle

Kaufland nimmt Antifa-Flagge aus dem Online-Sortiment nach Anfrage

Kaufland antwortete einige Tage später jedoch auf eine Anfrage, nachdem ein Twitter-Nutzer gefragt hatte, warum man denn im Online-Markt Antifa-Flaggen, also linksextreme Bilder, verkaufen würde. Einige Stunden nach dieser Bemerkung antwortete das Social-Media-Team damit, dass man die Flaggen entfernt hätte. Auf Twitter wirft man dem Unternehmen deshalb nun „Ermutigung Rechtsradikaler“ und „Positivfärbung von Faschismus“ vor. Aber kann man das so sagen? Und was sagt Kaufland dazu?

Nachdem das Thema dann die Runde gemacht hatte, äußerte man sich nämlich bei Kaufland zu den Sachverhalten und auf die Kritik hin. Darin sagt Kaufland deutlich, dass sie „extreme Meinungen“ ablehnen und diese für den Diskurs für schädlich halten. Aus diesem Grund würde man „extreme Produkte“ dort verbannen, wo man es nur könne. Auf dem eigenen Marktplatz, wo Verkäufer ihre Dinge einstellen können, sei das jedoch einfacher als im Einzelhandel bei den einzelnen Märkten, die teilweise noch das Compact-Magazin verkaufen.

Man macht allerdings auch darauf aufmerksam, wie der „Gesetzgeber“ das sieht, da bei den Magazinen teilweise auch unliebsame Dinge wahrgenommen werden müssten, da es sich hier um die Pressefreiheit handelt – was bei einer linksextremen Flagge nicht der Fall ist. Aus diesem Grund wäre es für sie schwieriger, diese Dinge aus dem Sortiment zu nehmen.

Nutzer unzufrieden mit Kaufland Statement zu Links- und Rechtsextremismus und der Pressefreiheit

Das Statement von Kaufland wird jedoch alles andere als gut aufgenommen von den meisten Twitter-Nutzern, die kein Verständnis dafür haben, Links- und Rechtsextremismus überhaupt in einem Satz zu erwähnen, da man damit die „Hufeisen-Theorie“ unterstützen würde, die besagt, dass sowohl Links- und Rechtsextremismus gleich schlimm wären für die Demokratie. Viele reden jetzt davon, dass „Antifaschismus“ und das Bewerben der Antifa kein Extremismus sei und auch damit keine „extreme Meinung“. Selbst wenn das mit einem Blick auf die G20-Proteste damals in Hamburg wohl schnell aus der Welt geräumt werden könnte.

Auch hat Kaufland nicht gesagt, dass sie die beiden Extreme auf eine Stufe stellen würden, jedoch wollen sie diese extremen Meinungen einfach nicht unterstützen, können aber wegen der Pressefreiheit nicht einfach überall das Compact-Magazin und andere aus dem Sortiment nehmen, wohl aber eher die Antifa-Flagge aus dem eigenen Online-Shop.

Inwiefern Kaufland das Problem mit Compact angehen will, bleibt ungewiss

Wie Kaufland jedoch mit den rechtsradikalen oder extremistischen Magazinen umgehen will, bleibt fraglich. Da diese in der Regel höhere Auflagen erzielen als linksextreme Magazine und der Pressefreiheit unterliegen, gestaltet es sich für die Märkte schwierig, diese einfach so aus dem Sortiment zu nehmen, auch wenn dies prinzipiell durchaus möglich wäre.

Ob und wie das eigentlich angedeutete Versprechen, die Magazine zu entfernen, jedoch eingelöst werden kann, bleibt so erstmal weiter fraglich. Kaufland scheint sich dem Problem aber durchaus bewusst zu sein, auch wenn auf den ersten Tweet vorher keine Antwort kam – es ist allerdings auch so, dass danach auch viel direkter gegen Kaufland geschossen wurde und es dann auch zu Unterstellungen der Unterstützung der verkauften Magazine kam, was weder der Wahrheit entspricht, noch dabei hilft, ein faires Gespräch mit dem Unternehmen zu führen.

Fakt ist nämlich auch, dass auf Twitter linksextreme Meinungen nicht selten gerechtfertigt oder sogar unterstützt werden, weshalb viele auch über die Entfernung der Antifa-Flaggen entsetzt waren, obwohl diese durchaus bei linker Gewalt, selbst wenn diese weit weniger sein mag als rechte, genutzt wurden.

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3 Kommentare
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Feldor

Ich finde das Statement von Kaufland völlig nachvollziehbar. Hier wurde offenbar im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten abgewogen, welche Maßnahmen getroffen werden können, ohne gültiges Recht zu verletzen. Ich zähle mich selbst zur linksorientierten Wählerschaft und finde es höchstens strategisch bedenklich, dass man scheinbar unmittelbar nach dem Post, eines mutmaßlich eher rechtspolitisch orientieren Users, mit dem Entfernen der Antifa-Flagge aus dem hauseigenen Shop reagiert hat. Auch wenn ich selbst der festen und unumstößlichen Meinung bin, dass rechts- und linkspolitisch orientierte Gewalttaten niemals miteinander vergleichbar sind oder sein werden, finde ich es durchaus positiv zu werten, dass eine Einzelhandelskette versucht, mit den… Weiterlesen »

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