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Hitlergruß beim ESC von der Ukraine: Ist etwas am Vorwurf dran?

Aktuell sorgt ein Videoclip für Schlagzeilen, bei dem man die ukrainische Band nach dem ESC 2022-Auftritt beim Verlassen der Bühne mit einem „Hitlergruß“ wegmarschieren sehen soll. Die Empörung darüber ist recht groß, aber was steckt eigentlich wirklich dahinter und hat der Rapper Oleh Psiuk (ukr. Oleg Psyuk) von der Band Kalush Orchestra tatsächlich so einen Gruß gemacht?

Der Vorwurf, dass sich in der Ukraine Nazis befinden würden, ist indes nicht gerade neu. Bereits vor Jahren gab es hierzu Vorwürfe, später im Februar dieses Jahres begründete sogar Putin seinen völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine mit einer angeblichen Entnazifizierung. Wirklich wahr ist das so jedoch nicht, auch wenn die Asow-Gruppe tatsächlich rechtsextrem und patriotisch aufgefallen ist.

Abgang von ESC-Bühne mit Hitlergruß

Jetzt kursiert also ein Video nach dem Sieg der Ukraine, bei dem man den Rapper die Bühne mit einem schwer einzuordnenden Gruß die Bühne verlassen sieht. Auf einem Video sieht es kurz tatsächlich etwas so aus, als ob er den Gruß machen würde, das ist aber nichts, was selten passiert. Ist bei einem normalen Gruß die Hand etwas falsch geneigt, sieht es nämlich oftmals sehr schnell so aus, als ob man hier zu einem Hitlergruß ansetzen würde.

Clip von der Szene, bei der die Eurovision-Bühne verlassen wird

Jetzt ist die Frage: Kann das wirklich sein? Auf Twitter wird sogar direkt mit der Asow-Regierung und einem „Bellamy Salute“ spekuliert. Wirklich plausibel ist es jedoch nicht, dass die Band hier tatsächlich dieses Signal senden wollte – hätte man das gemacht, wäre die Bühne dafür schließlich ein überzeugender Ort gewesen.

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Hinzu kommt, dass man schon reichlich dämlich sein müsste, um tatsächlich den Hitlergruß (oder eben in der Form unter anderem Namen, aber fast gleichauf problematisch) beim Bühnenabgang zu machen. Viel wahrscheinlicher ist, dass hier einfach ein sehr ungünstiger Clip herausgesucht wurde und Psiuk in Wahrheit die Zuschauer und Fans grüßt, vielleicht auch schon in Richtung Backstage winkt.

Diese Szene ist eigentlich aber auch an Beweislast viel zu dünn, um etwas anderes als Spekulationen aufzustellen.

Finger offenbar gespreizt, damit ist es kein Hitlergruß

Wenn man jedoch weiteres Material anschaut, das auch andere Perspektiven aufzeigt, zeigt sich aber durchaus, dass der Hitlergruß nicht nur einfach unwahrscheinlich ist, sondern die Perspektive bei diesem Eindruck durchaus noch einen großen Anteil gespielt hat – und es sich recht sicher nicht um einen solchen handelt.

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Ein Nutzer postete nämlich einen Ausschnitt aus Fan-Aufnahmen, auf denen man sieht, dass Psiuk seine Finger beim Grüßen gespreizt hat. Beim Hitlergruß wäre das jedoch nicht der Fall. Man kann dabei nicht ganz zuordnen, ob es exakt die gleiche Szene gewesen ist, es ist jedoch mehr als wahrscheinlich. Und das beruht nicht nur auf Spekulationen.

Zweiter Tweet ist relevant mit entsprechendem Bild

Fazit: Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit KEIN Hitlergruß gewesen

Viel eher muss man leider davon ausgehen, dass es sich hierbei um teils gezielte, vielleicht aber auch in einigen Fällen einfach billige Versuche handelt, die Ukraine noch einmal schlecht zu machen. Natürlich sind die Interpreten keine Nazis, sondern Bewohner eines Landes, das von einem Angriffskrieg betroffen ist. Die ständige Unterstellung, dass die Ukraine aus Nazis bestände, ist in den meisten Fällen einfach russische Einflussnahme zuungunsten der Wahrheit oder Realität.

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Denn selbst Asow ist nur eine sehr kleine Minderheit und rechtsextreme Parteien sind in der Ukraine weit unter 3%. Jetzt dem ESC-Beitrag so etwas zu unterstellen, ist nicht nur voreilig, da man bisher nicht viel Material hat, sondern auch schon allein deshalb falsch, weil man aus einem einfachen Handgruß potenziell die nächste Waffe im Propagandakrieg von Russland macht, indem man in einfach umdeutet.

Denn am wahrscheinlichsten, auch wenn man es nie zu 100% verifizieren kann, weil bisher dafür einfach Materialgrundlage fehlt, ist, dass hier einfach eine Aufnahme eines normalen Handgrußes aus ungünstiger Perspektive erfolgt ist. Die Handbewegung für einen Hitlergruß passt dabei aber schon deshalb nicht, weil der Arm während des vermeintlichen Grußes schon wieder gesenkt wurde.

Redaktion

Redaktion der Comicschau. Mehr Informationen finden sich auf der Seite des Teams.

5 Kommentare
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Felix

Schämt ihr euch gar nicht das auch noch schön zu reden? Dass das ein Hitlergruß ist, ist an offensichtlichkeit nicht zu überbieten.
Selbst dem ZDF rutschen diverse Nazizeichen auf Helmen, Kleidung und Fahnen „durch“ und es ist in den ör seit 2014 umfänglich dokumentiert, welche rechten Kräfte dort am Gange sind.
Ich möchte da nur mal eine Bundestagsrede von Gisy anführen…


und könnte auch genauso gut Monitor, Panorama, die Anstalt oder ex EU-Kommissionspräsident Juncker schließt 2016 Beitritt der Ukraine für Jahrzehnte aus, anführen. Videos ohne Ende verlinken.
Was geht hier in den Medien eigentlich ab?

Je. KL

Ich finde es schade, dass der ESC immer politischer wird und wir uns mittlerweile mit solchen Fragen beschäftigen müssen. Damals wäre klar gewesen, dass es hier niemals eine Verbindung gegeben hätte, weil es nicht politisch genug war für sowas.
Und auch, wenn ich nicht glaube, dass hier der Gruß gemacht wurde, zeigt es einmal mehr, wie sich das ganze Event entwickelt hat – was bringt der Ukraine denn jetzt die „Solidarität“, die sie beim Voting bekommen haben? Wozu dann überhaupt noch Song-Contest und nicht Polit-Contest?

Klaus

Darf man nach deiner mentalen Gesundheit fragen? Wenn einem Björn Höcke ein Gruß unterstellt wird, haltet ihr zu dem, aber sobald ein Sänger seine Fans grüßt, ist das direkt ein Nazi? Seid ihr eigentlich noch ganz richtig im Kopf?

Gigapack

Und Mutter Theresa war als erster Mensch auf dem Mond…

Klaus

Wie blöd muss man eigentlich sein, um DAS ernsthaft als Hitlergruß zu bezeichnen? Wie hier erklärt, sieht man ja deutlich, dass es einfach eine ungünstige Perspektive war. Fiel denen nichts besseres ein?
Bei der Politisierung des ESC stimme ich ja zu, aber das kann man auch anders unterbringen.

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