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Süßes oder Saures? Halloween im Disney-Comic 1

Süßes oder Saures? Halloween im Disney-Comic

Halloween, abgeleitet vom englischen “All Hallows’ Eve” (also wörtlich “Allerheiligenabend”), geht auf alte irische Traditionen zurück und wurde in den USA zu einem wirklich wichtigen Fest, von wo aus es dann wiederum in andere Länder schwappte. Die ausgehöhlten und von innen beleuchteten Jack-o-Lantern-Rüben machten Platz für die deutlich eindrucksvolleren Kürbisse, die auch hierzulande gerne geschnitzt und vor die Tür gestellt werden.

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Natürlich spielt das Thema auch in Comics eine Rolle. In Charles M. Schulz’ “Peanuts”-Strips ist es ein wiederkehrender Running Gag, dass eine sektenartige Gruppe im Herbst in einem Kürbisfeld sitzt und auf den “Great Pumpkin” (Großen Kürbis) wartet, der natürlich nie auftaucht, was dann wiederum Grund für Belustigung ist.

Im Disney-Comic beginnt die Halloween-Thematik mehr oder weniger mit Carl Barks. Hier empfiehlt sich das aktuelle LTB Classic Edition 8*: “Trick or Treat” war die Adaption des gleichnamigen Trickfilms (der auf Deutsch “Donald, Geister und Gespenster” heißt, der Comic allerdings “Spendieren oder schikanieren”) und ist aus einigen Gründen bemerkenswert.

So ist es der erste Auftritt für die Hexe Hazel, die auf Deutsch entweder Hedwig oder (bei ihren meisten folgenden Einsätzen) Hicksi heißt und Donald ordentlich triezt, damit er seinen Neffen endlich Süßigkeiten gibt. Verglichen mit Jack Hannahs Trickfilm-Skript hat Carl Barks einige Dinge verändert, welche die Handlung durchaus aufwerten. Allerdings sah die amerikanische Heftredaktion das damals durchaus nicht so – die Eröffnungsszene mit dem Friedhof (die aus dem Film stammte) wurde ebenso gestrichen wie der sechsarmige Zyklop und einige weitere Szenen, die erst später wieder auftauchten. Hier kann man schon ein großes Problem mit Halloween-Comics im Disney-Universum sehen: Einerseits gehört ein bisschen Grusel natürlich dazu, sonst wird es langweilig, aber was ist noch akzeptabel und in einer Disney-Publikation erlaubt? Die Antworten fallen je nach Veröffentlichungs- und Herkunftsland, Ära und Redakteuren unterschiedlich aus. Negativbeispiel gefällig? “In der Monsterschule” (DDSH 341, Janet Gilbert /Daniel Branca). Ich will nicht mehr Worte darüber verlieren.

Deutlich harmloser ist das ebenfalls in Classic Edition 8 nachgedruckte “Boshafte Kobolde”, welches aber auch anhand der prominenten Kürbisse eindeutig als Halloween-Geschichte erkennbar ist. Zum damaligen Zeitpunkt war Halloween im deutschsprachigen Raum allerdings alles andere als etabliert. Übersetzerin Dr. Erika Fuchs änderte das Fest in derart gelagerten Geschichten daher entweder zu Fasching oder Walpurgisnacht um. Für die damaligen Leser war das wahrscheinlich die richtige Entscheidung (Fußnoten wären nicht gerade sexy gewesen), aus heutiger Sicht mutet es aber befremdlich an, Nachdrucke (wie eben in der LTB Classic Edition) zu lesen, in denen Halloween immer noch nicht stattfinden darf, obwohl die Bilder eindeutig sind.

Ein Künstler, dem immer wieder zugestanden (und aberkannt!) wird, Barks’ Spirit weiterzutragen, ist Don Rosa. Dessen Gesamtwerk wird gerade für den Buchhandel in der “Don Rosa Library” mal wieder aufgelegt, diesmal angeblich in der ultimativen und von Rosa bevorzugten Version (von mir wird dazu vielleicht auch noch ein ausführlicher Beitrag folgen). Band 1* beinhaltet die einzigen zwei Zorngiebel-Geschichten, die der eigensinnige Amerikaner produziert hat, und eine davon ist ein Halloween-Comic: “Der Kürbiskampf”. Hier würde Donald gerne den Kürbisschnitzwettbewerb gewinnen, jedoch gibt Zorngiebel ihm keinen seiner Kürbisse ab. Das Ergebnis ist ein echter Kürbis-Albtraum.

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Schwenken wir mal nach Italien. Hedwig/Hicksi fiel besonders bei den Italienern auf furchtbaren, äh fruchtbaren Boden – nach zwei weiteren Auftritten im Duck-Universum (darunter mit der Faust-Parodie “Doktor Duckenfaust” einer, der alleine schon wegen der Darstellung des Leibhaftigen gruselige Elemente hat) ließen Carlo Chendi und Luciano Bottaro die Hexe mit Goofy zusammenrasseln, der partout nicht an Hexerei glauben will. Daraus wurde, wenn man so will, eine ganze Serie mit immer wieder neuen Versionen ein und desselben Schlagabtauschs. Die allererste, “Goofy und die Hexe” erschien aber erst vor zwei Jahren bei uns im Rahmen der sehr empfehlenswerten Goofy-Anthologie* von Egmont Comic Collection.

Verglichen mit Weihnachten spielt Halloween insgesamt nicht die ganz große Rolle im Comic. In Italien gibt es ja das wöchentliche “Topolino”, und so kommen jedes Jahr kaum mehr als vier oder fünf neue Halloween-Comics aus Italien. Über dänische LTB-Comics wie “Mysteriöser Maskenball” will ich lieber den Dracula-Mantel des Schweigens breiten. Wobei, wenn wir schon beim Thema Vampir sind: “Der Schwarze Diamant” (LTB 195) war nicht so schlecht. Aber ich komme vom Thema ab.

Auch im Heftformat gibt es natürlich Comics zu Halloween, nicht nur von Barks oder Rosa. Das wird besonders beim DDSH gerne zum Anlass genommen, das als Themenschwerpunkt zu nehmen, inklusive Cover. Dieses Jahr gab es kein Titelbild, mit “Doktor Doggy” (DDSH 401 *) aber eine – schwache – Geschichte zum Thema. Letztes Jahr (DDSH 389 *) gab es deutlich mehr, aber richtig gefallen hat mir da nur Jaakko Seppäläs Einseiter.

Neben Kürbissen und Kindern, die “Süßes oder Saures!” fordern (z.B. in der fast gleichnamigen Donni-Geschichte), sind Maskenbälle und Kostümfeste ein gerne genommenes Thema. Ein gutes Beispiel ist “Masken, Monster und Moneten” aus dem ersten Halloween-LTB: Was als harmlose Gagstory mit Perina-typisch verspulten Gesichtern beginnt, wird kriminell, als Kater Karlo sich Kommissar Hunters Verkleidung zunutze macht. Eine der lustigsten Geschichten zum Fest!

Apropos: Dass Halloween-Geschichten auch total irre sein können, beweist “Horrorflug an Halloween” von Pier Paolo Rovero (LTB 317, nachgedruckt in LTB Spezial 42 / Enthologie 27). Nur 15 Seiten, die aber bis zum Gehtnichtmehr mit skurrilen Slapstick-Szenen gefüllt sind und das Wort “lustig” im “Lustigen Taschenbuch” rechtfertigen.

2015 erschien das erste LTB Halloween. Schon damals waren längst nicht alle Comics eindeutig Halloweenbezogen (z.B. der Pezzin/Cavazzano-Klassiker “Der Vulkan des Grauens”), dennoch überzeugt die Reihe bis jetzt weitgehend mit guten Comics, die momentan ausnahmslos deutsche Erstveröffentlichungen sind. Im aktuellen Band etwa gibt es ein modernes Remake des alten Gottfredson-Klassikers “Das Haus der sieben Gespenster” und eine schöne aktuelle Zusammenarbeit zwischen Casty und Giorgio Cavazzano. Casty hat auch in vorigen Bänden Highlights beigetragen, besonders herausragend dabei (in Band 3*) das von ihm auch gezeichnete “Die Schatten der Finsternis”: Die Geschichte rund um eine Invasion von lichtfressenden Außerirdischen ist fast komplett im “Found-Footage”-Stil gehalten (also aus der Perspektive von Goofys Hutkamera), was für ein ganz anderes Leseerlebnis sorgt.

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Dass die Materiallage ein wenig dünn werden könnte, kann man allerdings daran ablesen, dass 2020 schon zum zweiten Mal ein dänischer Zehnseiter extra für das Buch produziert wurde.  Und wenn man dann das Thema auch noch in der Hauptreihe behandeln will, können schon mal ziemlich schwache Ergebnisse herauskommen – siehe “Horror zu Halloween” im Jubiläumsband 499 und “Der Zauberstab der Medusa” in Band 512.

Leider sind die Covers zu Halloween oft recht einfallslos, bzw. kommen praktisch nie ohne Kürbisse aus!

Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich die Gruselserie schlechthin – “Micky X”, zu finden in LTB Premium 3, 6, 10, 15, 19 und 22. Sogar in der Anderswelt mit ihren Werwölfen, Vampiren und sonstigen Monstern wird Halloween gefeiert, auch wenn ein paar Dinge etwas anders ablaufen als bei uns… siehe “Hinter der Maske” und “Leser fragen (oder auch nicht) – Goofwolf antwortet (so oder so) VII”, beide aus Band 6*.

Auch in einer anderen Premium-Serie dient Halloween als Basis für eine gruselige Geschichte, nämlich Darkwing Ducks “Morgendämmerung des Tages der Rückkehr der lebenden Knollen” (LTB Premium 21 – Rezension / Egmont-Shop*).

Seit “Trick or Treat” ist die Hexenthematik im Disney-Comic eng mit Halloween verknüpft, weshalb auch alle drei regulären Disney-Hexen (neben Hicksi sind das Gundel Gaukeley und Madam Mim) schon im Halloween-Kontext aufgetreten sind. In der niederländischen Geschichte “Gemeinsam gegen den Geldspeicher”, abgedruckt in der Halloween-Ausgabe des DDSH 2018 (377 *) arbeiten sogar alle drei zusammen. (Eigentlich wird noch eine vierte Hexe eingeladen, welche das allerdings nicht mitbekommt – im Original handelt es sich dabei um Hulda aus Barks’ Klassiker “Der goldene Weihnachtsbaum”, in der deutschen Übersetzung wurde das abgeändert. Nun ist die Rede von Mona Menetekel. Diese Erfindung von Rodolfo Cimino ist allerdings bislang ausschließlich in italienischen Comics aufgetreten.)

Speaking of witch… äh which 😉 : Eines der erfolgreichsten Disney-Projekte, das weder Ducks noch Mäuse beinhaltet, war die Serie “W.i.t.c.h.”. Die 2001 erschienene Einführungsgeschichte heißt “Halloween”.

Das soll natürlich kein allumfassender Überblick sein, sondern lediglich ein kleiner Streifzug durch das Halloween-Thema aus meiner persönlichen Sicht. Dass die dänischen Geschichten insgesamt etwas zu kurz kommen, liegt daran, dass ich das Micky-Maus-Magazin nicht mehr regelmäßig lese, über die Inducks-Suchmaschine (s.u.) findet sich aber das Meiste.

Übrigens: Der dieses Jahr leider verstorbene Übersetzer und Comicexperte Wolfgang J. Fuchs hat sich im Rahmen der “Entenhausener Geschichte(n)”-Kolumne im DDSH mehrfach mit dem Thema befasst. In Ausgabe 305 gab es schon einen Artikel zu “Trick or Treat”. 2014 (DDSH 329) hieß die Überschrift “Gespenster, Hexen und Dämonen”. 2016 in DDSH 353 ging es schlicht um “Halloween in Entenhausen”. Ein Jahr später fokussierte er sich in Heft 377 auf Geister und Gespenster, in DDSH 389 waren dann Engel und Teufel Thema.

Quellen / Weiterführendes:

Trick or Treat

Halloween-Suchergebnisse (I.N.D.U.C.K.S.)

Spendieren oder Schikanieren – Duckipedia

Trick or Treat (Cartoon)

Trick or Treat – Duck Comics Revue

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Bastbra

Interessant, dass es diese Reihen noch gibt. Dacht eigentlich, dass Disney Comics seit 5 Jahren nicht mehr existieren. Spaß beiseite: Es ist interessant, wie lang die Halloween Comics in Disney Comics schon dabei sind, natürlich ist das alles in Amerika viel größer, aber der Markt hier bietet es eben auch an. Und ich bin froh, dass wie mittlerweile Halloween auch so annehmen, wie es im Original ist und nicht als Fasching oder sonst was. Das LTB Halloween möchte ich hier auch nochmal hervor heben, da ich diese Reihe von Anfang an verfolge und sie mir heute auch noch zusagt. Komischerweise.… Weiterlesen »

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