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Fynn Kliemann & das sinkende Schiff: Der Versuch zu retten, was noch zu retten ist

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Seit seinem Maskenskandal im Mai steht Fynn Kliemann in der Kritik, der schon vor der Veröffentlichung der Recherche des ZDF Magazin Royale mit einem Instagram-Video versuchte, einen Skandal für ihn und sein großes Projekt „Das Kliemannsland“ zu verhindern. Jetzt äußerte er sich nach anfänglicher Einsicht erneut, witterte eine „öffentlich-rechtliche Verschwörung“, nur, weil er anders sei und dass die „woke linke Szene“ ihn deshalb nicht mehr haben möchte.

Mit den gleichen öffentlich-rechtlichen Geldern, mit denen man ihn zuvor groß gemacht habe, würde man ihn nun wieder zerstören wollen. Ein paar Stunden später brachte die Tagesschau dann ausgerechnet nach dieser Zeit Recherchen dazu heraus, dass Kliemann auch bei seiner NFT-Aktion in der Vergangenheit nicht alles hat sauber ablaufen lassen – die Auktionen wurden offenbar nicht, wie versprochen, um 20 Uhr geschlossen, sondern weiter angenommen, um die Beträge höher ausfallen zu lassen.

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Klar ist: Fynn Kliemann hat keine weiße Weste, doch was erwartet man von jemanden, der sich selbst so beschreibt, anstatt zu denken, lieber einfach „zu machen“?

Fynn Kliemanns Einsicht hielt nicht lange

Dass schon nach wenigen Wochen jetzt ein Rant über eine Verschwörung gegen ihn kommen würde, in der er die „woke linke“ Szene beschuldigen würde, sein Leben zerstören zu wollen, zeigt gleichzeitig auch, wie einsichtig Fynn Kliemann eigentlich war – nämlich gar nicht. Seine Fehler scheint er nicht einzusehen, jedenfalls nicht dann, wenn das für ihn bedeutet, sich zurückzuhalten.

Gleichzeitig lädt das Kliemannsland auf YouTube ein Video hoch, indem sie in den Titel schreiben „Das Kliemannsland hat sich von Fynn Kliemann distanziert“, obwohl im selben Video eher gezeigt wird, wie schrecklich die Kritik gewesen sei und wie man darunter gelitten hätte – dass Fynn Kliemann nun mal der Kopf und Gründer ist, und man sich damit mehr beschäftigen sollte, scheint keiner wahrhaben zu wollen. Es hat schon etwas fast Ironisches, wie man versucht, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Zielgruppenwechsel, um zu retten, was noch zu retten ist

Es ist also kein Wunder, dass Fynn Kliemann jetzt eingesehen hat, dass es keinen Zweck hat, jetzt lange den Einsichtigen zu spielen – er will diese ganze Thematik am liebsten die Toilette herunterspülen und sich damit nicht mehr beschäftigen. Vorher versuchte er noch das Ganze einzugrenzen, abzumildern, später merkte er wohl selbst, dass ihm dafür einfach zu viel vorgeworfen wird. Mit Zitaten wie „Krise kann auch geil sein“ hat er zweifellos gezeigt, dass er skrupellos vorgeht.

Nach derartigen Vorwürfen ist es nicht einfach möglich, so weiterzumachen, wie man es vorher getan hat – deshalb versucht er nun, der Sache aus dem Weg zu gehen, seine „woke linke“ Zielgruppe loszuwerden und mit den Kliemann-Fans weiterzumachen, die trotz der Enthüllungen noch hinter ihm stehen.

Kliemann beißt in die Hand, die ihn füttert

Aber was hat ihn überhaupt in diese Lage gebracht? Eigentlich kann man es sehr einfach so zusammenfassen, dass er zu gierig war, sich aber stets als Wohltäter inszenierte. Als positives Beispiel für einen Unternehmer, der anders ist, und „anpackt“, wurde er in eben jener „woken linken Szene“ bekannt und beliebt. Das reichte ihm jedoch nicht, er wollte mehr – aber spielte nicht mit offenen Karten.

Kliemann erinnert damit fast an Musk, auch dieser hatte erst neulich gegen die „linke Szene“ gewettert und einen Shitstorm vorhergesagt, einige Stunden, bevor neue Details zu einem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs herauskamen. Denn eigenartig ist es schon, dass sein Statement gerade auf die Zeit fällt, kurz bevor neue Recherchen der ARD über sein NFT-Projekt herauskamen.

Und was bleibt ihm schon anderes übrig, als jetzt die woke Verschwörung zu wettern, wenn er sich regelmäßig mit neuen Enthüllungen konfrontiert sieht? Fynn Kliemann scheint seiner eigenen Ansicht nach genug Einsicht gezeigt zu haben, und irgendwann scheint es auch mal zu reichen – mit dieser ganzen, nervigen Kritik.

Distanzierung ohne Distanzierung

Fynn Kliemann ist eben nicht „anders“

Dass er nun heranzieht, er sei eben anders und würde deshalb so angegriffen, weil er sein eigenes Ding gemacht hätte und damit Erfolg hat, ist offenbar der einzige Ausweg, den er jetzt noch sah. Als Fan von Fynn Kliemann kann man sich in den aktuellen Zeiten nämlich durchaus verarscht vorkommen, wenn man die Nachrichten rund um den „Unternehmer“ verfolgt – dabei war er eigentlich Jahre lang das vermeintliche positive Beispiel.

Durch seine Gier ist Kliemann aber nicht „anders“, anders wäre er gewesen, wenn er eben nicht jeden Cent abgegriffen hätte. Und ab einem gewissen Grad kann man auch nicht mehr von einigen Versehen sprechen, die einfach schiefgelaufen sind, sondern von einer Inszenierung, die ihn weit besser aussehen lassen sollte, als er eigentlich ist.

Bereits nach den Veröffentlichungen gab es einige Stimmen, die bestätigten, dass sie auf Kosten sitzen geblieben wären, als sie etwas für das Kliemannsland besorgt hatten oder generell nicht gut behandelt worden sind. In der Parodie „Böhmannsland“ wird aufgezeigt, was in einigen Fällen wirklich hinter dem Projekt steckte.

Kliemann schaut seinem eigenen Schiff beim Versenken zu

Viel übrig bleibt infolgedessen nicht mehr, um die alten Fehler zu bereinigen – entweder er zeigt Einsicht, verzichtet auf einige Einnahmen, engagiert sich mehr als je zu vor, und steht die Phase der Kritik aus, die er sich selbst verdient hat oder, er redet von einer Verschwörung, versucht sich auf billige Art und Weise allem zu entziehen und die Kritiker zu diskreditieren.

Dass er damit den ganzen Laden womöglich noch mehr gegen die Wand fährt, als er es sonst machen würde, ist ihm wohl nicht klar oder er nimmt es in Kauf. Und ja, dass er jetzt im Kreuzfeuer steht und sich quasi gar keinen, noch so kleinen Fehler mehr erlauben kann, ist auch dem Fakt geschuldet, dass er sich selbst in der „linken“ Szene bekannt gemacht hat, als positiver Wohltäter inszenierte und selbst genau wusste, dass man in dieser Szene nicht so schnell vergibt – das wusste er. Dafür gab es in der Vergangenheit genug Beispiele.

Trotzdem entschloss er sich, genau dort Fuß zu fassen. Und die linke Szene entschloss sich auf Kliemann zu setzen, jemand, der selbst lieber macht als zu denken – ganz ahnungslos konnte die Gefolgschaft also auch vorher schon nicht gewesen sein. Alles hat zwei Seiten und dass ein solcher Erfolg nicht ohne seine Schattenseiten kommt, war zu erwarten, wenn auch vielleicht nicht in diesem Ausmaß.

Vielleicht hätte Fynn Kliemann aber auch einfach vorher mehr denken als „einfach machen“ sollen.

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Redaktion der Comicschau. Mehr Informationen finden sich auf der Seite des Teams.

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Gruko

Das Kliemannsland ist dann wohl bald ein Niemandsland

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