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Der Fall KuchenTV: Was können wir daraus lernen? 19
Collage mit Ausschnitt/Zitat

Der Fall KuchenTV: Was können wir daraus lernen?

Gestern wurde nachts bekannt, dass KuchenTV seine Freundin damals vor drei Jahren doch geschlagen hatte, wie diese damals in ihren Instagram-Storys behauptet hatte. Damit ist ein langes Rätsel gelöst, das bereits damals große Wellen schlug, weil ganz YouTube Deutschland plötzlich auf die Beiden schaute und sich fragte: Stimmen diese Vorwürfe wirklich?

Der Konsens war damals, insbesondere bei den Befürwortern KuchenTVs, der bis zuletzt dementiert hatte, es getan zu haben, dass Gina lügen würde. Das ist nun nachweislich nicht der Fall gewesen. Sie selbst hatte seit damals geschwiegen, mittlerweile haben die beiden auch ein Kind bekommen – laut ihrer Aussage ist KuchenTV danach nie wieder handgreiflich geworden, vor allem auch nicht gegen ihren Sohn. Trotzdem bleibt die Frage: Kann man daraus lernen?

Das Problem: Lügt das Opfer oder hat es recht?

Gerade in solchen Situationen wie hier (Sachstand damals genauer erklärt) ist es schwer, sich ein neutrales Bild der Lage zu machen. Beide waren extrem emotional gewesen, haben Instagram-Storys über ihre Situation gemacht – der eine angenervt, die andere weinend. Da ist es nicht einfach für sich selbst zu entscheiden, wer recht hat.

Viele gehen so vor, dass sie zuerst immer dem Opfer glauben. Studien legen jedoch nahe, dass es so einfach nicht ist – denn es kommt nicht selten vor, da schrauben auch Opfer am eigentlichen Tathergang oder lügen tatsächlich allumfassend darüber – hierzu ist der Fall Kachelmann immer wieder ein Exemplarbeispiel.

Das macht es schwer den wirklichen Opfern zu glauben, trotzdem gibt es nichts Schlimmeres, als den Zustand, dass einem Opfer, das die Wahrheit spricht, nicht geglaubt wird. Dafür muss man sich gedanklich nur selbst in die Situation versetzen.

Hat nun aber der vermeintliche Täter gar nichts gemacht – wird schnell er/sie zum Opfer und kann sich nicht mehr gegen den Krawall online wehren. Eine Art Dilemma, aus dem man nur schwer herauskommt. Trotzdem bilden sich Menschen Urteile und positionieren sich – kann man sie davon abhalten? Wohl eher nicht.

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Positionen nicht ausschließen, auf der sicheren Seite bleiben

Es ist jedoch nicht nötig diese auch so kundzutun. Man muss beide Szenarien aktiv durchspielen, um wirklich “gerecht” zu handeln. Das bedeutet auch, dass man dem Täter zugestehen muss, Opfer zu sein. Man sollte sich grundsätzlich erst mit einer Menge Hintergrundinformationen ausstatten, um ansatzweise urteilen zu wollen – wenn auch hier wieder privat und nicht im öffentlichen Raum, wo eine einzelne Meinung in Masse tatsächlich eine Menge wiegt.

Dem vermeintlichen Opfer sollte alle Unterstützung zukommen, man sollte so reagieren, dass man daran glaubt. Dem vermeintlichen Täter sollte man jedoch auch die Chance zugestehen, sich zu äußern und zu rechtfertigen. Die Frage “Wie ist es denn deiner Meinung nach abgelaufen?” klingt stupide, ist aber nur sinnvoll, wenn man an der wirklichen Realität interessiert ist. Und um die geht es ja.

Denn nichts kann schlimmer sein als ein Schwarz-weiß-Denken, wie es viele heutzutage an den Tag legen. Die einen glauben aus Prinzip keinem Opfer, die anderen glauben aus Prinzip immer den Opfern – so erreicht man jedoch auf Langzeit keine gerechte Welt.

Rechtsstaat die Beweismittelbeschaffung und -auswertung überlassen

Wichtig ist es auch, dass man Vertrauen in den Rechtsstaat hat. Viele halten diesen Punkt für falsch, jedoch ist er der einzige, wirklich valide. Natürlich mag es Situationen geben, in denen Beweise nicht oder nur schwer zu erlangen sind, dann wird es schwer zu bewerten – und man muss eventuell auf Hintergründe schauen.

Grundsätzlich sollte aber gelten, dass nur verurteilte Menschen auch wirklich “schuldig” sind. Ein Zustand, der für manche nur schwer zu akzeptieren ist. Es ist jedoch wichtig, da Personen wie Kachelmann auch heute oft noch als “Vergewaltiger” bezeichnet werden. Das liegt unter anderem daran, dass für viele die negative Seite eher wiegt, haben sie sich einmal dafür entschieden, dass jemand schuldig ist, ändern sie ihre Meinung nicht.

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Wichtig hierbei ist auch, was Quarks in einem Video-Beitrag darlegt – falsche Nachrichten verbreiten sich viel schneller als richtige. Und ganz gravierend: Aufklärende Nachrichten, die Fake News widerlegen, kommen kaum an. Wenn also erst einmal eine Meinung negativ gebildet ist, sehen viele gar nicht, dass diese Meldung vollkommen falsch war.

Fazit

Man sollte also durch einzelne Fälle nicht vom richtigen Weg abkommen. Wenn ein Fall passiert, sollte man grundsätzlich beiden Seiten das Vertrauen schenken, dass sie recht haben und dann zusehen, wie die Sache weiter verläuft – und wie ein eventuelles Urteil der Lage durch ein Gericht am Ende aussieht. In den meisten Fällen, die öffentlich bekannt werden, gibt es nämlich Verfahren – oder ein Geständnis einer Seite, wie im Fall von KuchenTV. Das ist jedoch eher seltener.

Auch wenn das eigentliche Problem nicht die öffentlichen Fälle sind, sondern die, die nie öffentlich und nie angezeigt werden, weil die Opfer Angst haben, dass man ihnen nicht glauben könnte. Auf der anderen Seite stehen fälschlich beschuldigte Menschen, die ihre Existenz dadurch verloren haben. Man muss es schaffen ein Gleichgewicht aufzustellen, dass beide Gruppen im Falle einer Unschuld/begangenen Tat schützt. Doch das schafft man nicht durch voreilig geschlossene Urteile.

Bastbra

Herausgeber und Autor, nimmt sich selbst weniger ernst als Bielefeld, oft sarkastischer Kreativer und Gelegenheitskritiker.

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