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Claude Litre - Der Namensgeber des Liters, den kaum jemand kennt 7

Claude Litre – Der Namensgeber des Liters, den kaum jemand kennt

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Claude Émile Jean-Baptiste Litre (Claude Litre genannt), geboren am 12. Februar 1716 und gestorben am 13. Dezember 1778, ist nicht nur der Namensgeber der Maßeinheit Liter, sondern war auch ein begabter Glasmacher und Erfinder der Bürette. Diese wird bis heute in den Naturwissenschaften verwendet, kein Wunder, denn Claude Litre ebnete den Weg für die Zukunft der Glas- und Flaschenherstellung.

Geboren als Sohn einer französischen Glasmanufaktur, zeigte er bereits mit jungen Jahren großes Interesse am Geschäft und insbesondere der Herstellung von Glas und Gläsern. Mit seinen Errungenschaften stieß er dabei die internationale Entwicklung von Glasbehältern an und gilt als einer der Urvater der heutigen Glas- und Flaschenindustrie.

Zu Ehren seiner Person und für seine Taten wurde später der Liter (englisch: „Litre“) nach ihm benannt, den er bei seinen Experimenten und Tests etabliert hatte.

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Bis heute ist er die Messeinheit für Flüssigkeiten. Doch seinen Erfinder hat es nie gegeben, denn Claude Litre ist nichts weiter als ein Mythos, der ein Scherz ist. Also, was steckt dahinter?

Aprilscherz um Claude Litre nach Empfehlung des US National Institus of Standards and Technology

Tatsächlich hat es Claude Litre nie gegeben, denn der ist lediglich ein Aprilscherz von Kenneth Woolner und Reg Friesen, der diesen am 1. April 1978 in einer Ausgabe von „CHEM 13 News“ verfasste. Grund dafür war, dass das US National Institute of Standards and Technology empfohlen hatte, dass man bei der Kurzschreibung eines Liters zukünftig besser ein großes „L“ verwenden sollte. Beide Formen waren bis zuvor noch empfohlen worden, also ein kleines „l“ und ein großes „L“.

Da es dabei jedoch oft zu Verwechslungen in digitaler und händischer Schrift mit der „1“ kam, entschied man sich dazu, explizit die große Schriftweise zu empfehlen – beide können jedoch noch verwendet werden.

Normalerweise wurden bis dahin aber nur Einheiten großgeschrieben, dessen Namen aus einer direkten Person hervorging, zum Beispiel bei Newton ein „N“ – das war beim Liter, einer international genutzten und fast überall bekannten Einheit, allerdings eben nicht so.

Um dieses Missverständnis schamlos auszunutzen, nutzte man die Gunst der Stunde also für einen kleinen Scherz, der es fälschlicherweise sogar bis in die IUPAC-Zeitschrift „Chemistry International“ schaffte. Kein Wunder, wo man sich die Mühe für eine möglichst spannende Erzählung gemacht hatte – zum Beispiel, dass Litre während eines tobenden Schneesturms geboren wurde oder, dass rund 15 Jahre seines Lebens rein gar nichts über sein Verbleiben bekannt war.

Sogar seine Grabinschrift am Ende schien viele nicht davon abzuhalten, den Bericht für bare Münze zu nehmen.

Eine nette Geschichte funktioniert manchmal einfach zu gut

Bis heute hält sich darum an wenigen Stellen der Mythos, dass Claude Litre der Namensgeber und „Erfinder“ der Maßeinheit Liter ist. So manches lässt sich schließlich einfacher merken, wenn es mit einer interessanten (oder zumindest irgendeinen) Geschichte erzählt werden kann. Und das auch, wenn diese frei erfunden wurde – eine nette Erzählung ist es wohl trotzdem.

Ebenfalls recht interessantes Video zu Claude Litre

Die ganze Geschichte rund um Claude Litre findet sich mittlerweile vollständig im Netz. Es ist es auf jeden Fall wert, diese einmal zu lesen.

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Bastian Braun

Herausgeber und Autor, nimmt sich selbst weniger ernst als Bielefeld, oft sarkastisch, kreativ und Gelegenheitskritiker.

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