Comicschau
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75 Jahre Dagobert Duck: Carl Barks‘ wichtigste Schöpfung im Porträt

Die Comicschau feiert das 75. Jubiläum von Dagobert Duck und wirft einen Blick zurück, aber auch in die Zukunft.

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Es war einmal an Weihnachten, oder genauer gesagt, kurz davor, als eine Figur die Disney-Bühne betrat, von der man damals noch nicht ahnen konnte, dass sie bald zu einer der größten Ikonen des Comics werden sollte.

Das Datum war der 14. November 1947, die Geschichte hieß „Christmas on Bear Mountain“. Auf Deutsch erschien sie (bzw. der erste Teil) genau zehn Jahre und einen Monat später zum ersten Mal unter dem Titel „Die Mutprobe“ im Micky-Maus-Magazin, später gab es den Comic auch noch unter dem Titel „Weihnachten auf dem Bärenberg“.


In der Debütstory war Dagobert noch nicht vollständig ausgereift. Man erfährt zwar, dass er wohlhabend ist, aber vom reichsten Mann der Welt ist nicht die Rede. Statt eines Geldspeichers hat er eine Villa. Sein Geiz spielt auch noch keine Rolle. Dafür macht er seinem englischen Originalnamen Scrooge McDuck alle Ehre, denn genau wie Ebenezer Scrooge aus Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte ist er ein hartherziger Griesgram, der mit Weihnachten nichts anfangen kann und seine Familie für Weicheier hält.

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(Don Rosa sollte später im letzten Kapitel seiner Dagobert-Biografie versuchen, diese Widersprüche aufzulösen; ob ihm dies gelungen ist, darüber streiten sich bis heute die Fans.)

Dagoberts zweiter Auftritt, „Das Gespenst von Duckenburgh“, rückte die Figur bereits deutlich näher an ihr heute bekanntes Bild. Die Brille war zwar noch deutlich größer als später, hatte aber keine Bügel mehr (auch im Debüt waren sie nicht immer vorhanden – siehe Bild links – und Barks experimentierte hier noch bis 1950). Auch der markante Backenbart nahm langsam die typische Form an. In der Geschichte wird Dagobert – für einen so neuen Charakter ungewöhnlich – mit einer ganzen Menge Hintergrundinformationen ausgestattet. Wir erfahren hier einiges über seine schottische Herkunft und seine Vorfahren. Dieser Aspekt geht leider mit der deutschen Übersetzung etwas verloren, wo er denselben Nachnamen hat wie Donald, während das amerikanische Original deutlich macht: Duck und McDuck sind zwei separate Familien.

In den folgenden Jahren baute Barks die Figur weiter aus, auch wenn immer wieder Themen vorkamen, die aus heutiger Sicht unpassend wirken (Dagobert auf Fuchsjagd; eine magische Sanduhr, der er seinen Erfolg verdankt). Anfang der 1950er wurde Dagobert bereits regelmäßig von anderen Künstlern verwendet und tauchte auch in den Zeitungsstrips von Al Taliaferro auf. 1951 sieht man zum ersten Mal den schnell zur absoluten Ikone gewordenen Geldspeicher:

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Im Jahr darauf landet Dagobert zum ersten Mal auf dem Cover eines US-Magazins. „Der arme reiche Mann“, wie die Titelstory auf Deutsch heißt, gilt als Schlüsselwerk. Vieles von dem, was man heute über Dagobert weiß, geht auf diese Geschichte zurück.

Bald schon wurde „Uncle Scrooge“ eine feste Reihe. Geschichten wie „Wiedersehen mit Klondike“, „Der verhängnisvolle Kronenkork“, „Die sieben Städte von Cibola“ oder „Land unter der Erdkruste“ gehören zum Tafelsilber der Disney-Comics.

1952 entstanden auch in Italien erste Comics mit dem geizigen Onkel. Zunächst ist es fast nur Guido Martina (auch italienischer Übersetzer für die Barks-Comics), dessen oft zynische Weltsicht den frühen italienischen Disneycomic prägen sollte, der sich Dagoberts schlimmste Facetten (wie z.B. bei Barks in „Wudu-Hudu-Zauber“) herauspickt und ihn zu einem wahren Tyrannen macht. Erst mit Romano Scarpas Autorendebüt 1956 („Krebse in Burgunder“ oder „Der rasende Kurier“) gibt es so etwas wie ein Gegengewicht: Scarpa lässt mehr menschliche Charakterzüge zu, wobei er sich klar an Barks orientiert, der den Fantastilliardär immer weiter entwickelt hat. Ein gutes Beispiel hierfür ist auch der Klassiker „Linsen aus Babylonien“, zu dem gerade im LTB 566 eine Fortsetzung erschienen ist.

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Der frühe Brutalo-Dagobert

In den letzten Jahren vor Barks‘ Ruhestand (der allerdings eher ein Unruhestand war, da der Duckman immer mal wieder als Autor in Erscheinung trat) wurden seine Geschichten einerseits sentimentaler („Alaska-Katastrophe“ z.B. zeigt Dagoberts weiche Seite in einer Weise, die zehn Jahre zuvor noch undenkbar gewesen wäre), aber auch abgedrehter. Letzteres Element kam besonders in den Geschichten zum Tragen, die sich um Dagoberts neue Nemesis drehen – die Zauberin Gundel Gaukeley. Ihre Hexerei alleine war schon fantasievoll genug („Die Irrfahrten des Dagobert Duck“), aber in „The Unsafe Safe“ („Glück und Glas“) kamen auch noch bizarre Schrillvögel dazu, während „Die vielen Gesichter der Gundel Gaukeley“ mit einem Menschenstamm ohne Gesicht aufwarten kann. Brrr!

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Dagobert wird in Geschichten wie diesen immer mehr zum Getriebenen, der in ständiger Angst um seinen Besitz immer verzweifeltere Maßnahmen zum Schutz dessen ergreift. Besonders auffällig ist das in „Die Schauergeschichte von Schloß Schauerstein“, wo er aus Angst vor den Panzerknackern schon fast selbst zum Gespenst wird.

Dagobert entwickelt auch immer mehr Schrullen – so erfährt man in einer Geschichte, dass er ohne Muskatnusstee nicht leben kann. Bei anderen zu dieser Zeit aktiven Künstlern wie Tony Strobl mutiert Dagobert schon mal zum harmlosen Alten, der sich hauptsächlich über die Welt um ihn herum wundert (der italienischen Interpretation fast diametral entgegengesetzt). Wenn er sich barkstypisch verhält, dann ist es gerne mal ein Remake wie Die Erbeignungs-Prüfung:

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Die amerikanische Produktion verliert gegen Ende der 1960er immer mehr an Qualität und wird irgendwann ganz eingestellt. Besser laufen da schon die sogenannten Studio-Comics, die teilweise von amerikanischen, teilweise aber auch europäischen Künstlern für den Markt außerhalb der USA produziert werden und die zumindest ein solides Niveau aufweisen.

Bei Egmont in Dänemark wurden bereits seit 1962 erste Disneycomics produziert, aber erst in den 1970ern nahm die Produktion hier richtig Fahrt auf. Besonders Vicar sticht hier hervor als einer, der Barks‘ Stil enorm effektiv imitieren konnte. Er und Daniel Branca sind gute Beispiele dafür, dass man sich bei Egmont zunächst viel Mühe gibt, Barks möglichst originalgetreu zu folgen (eine Mission, die heutzutage eher von der niederländischen Produktion hochgehalten wird). Dabei gerät allerdings das Fantasievolle, Einfallsreiche oft unter die Räder. Die Egmont-Comics der 70er und 80er sind vertraut, aber gerne auch etwas schal und weniger tiefgründig als das Vorbild. Beispiel: Mac Moneysac ist nun nicht mehr der Tycoon aus Südafrika, sondern wohnt wie Dagobert in Entenhausen.

Bedeutende Ausnahmen kommen in den 80ern zunächst aus den USA, wechselten dann aber aufgrund des Hickhacks rund um die Disney-Lizenz und die unstete Lage der wiederbelebten Disney-Hefte in den USA (die bis heute anhält) zu Egmont: Don Rosa und William Van Horn.

Don Rosa ist, was Disney angeht, ein ziemlicher Barks-Purist, und macht auch keinen Hehl daraus, dass Dagobert immer seine Lieblingsfigur war. Etwas überspitzt könnte man sein gesamtes Werk als Tribut an den Großmeister bezeichnen (was sich auch an der Signatur D.U.C.K. – „Dedicated to Unca Carl from Keno“ – widerspiegelt, die Rosa fast immer eingebaut hat). So überrascht es dann auch nicht, dass sich die zwölfteilige Dagobert-Biografie „Sein Leben, Seine Milliarden“ ziemlich streng an Bemerkungen über Dagoberts persönlichen Werdegang orientiert, die Barks einst in seine Comics eingebaut hat. Auch wenn Rosa immer wieder angemerkt hat, dass dies nur seine Interpretation wäre, haben diese Comics doch das Bild von Dagobert für viele jüngere Leser geprägt und werden von vielen neueren Künstlern auch als Kanon angesehen.

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Das hat allerdings die ohnehin experimentierfreudigen Italiener nicht davon abgehalten, noch eine eigene Version einer Lebensgeschichte zu produzieren: „Onkel Dagoberts Millionen“ von Fausto Vitaliano, auf Deutsch leider nach der zehnten Million nur noch bruchstückhaft zu haben (ein immer wiederkehrendes Problem, siehe auch „Es war einmal in Amerika…“), zeigt Dagobert als Geschichtenerzähler und gewieften Geschäftsmann, der oft genug einen Misserfolg auf absurde oder unerwartete Weise in einen Erfolg ummünzen kann.

In Italien bekommt Dagobert auch einige regelmäßige Begleiter, die man ansonsten kaum sieht: Sein Butler Baptist, der sich aus einem ziemlich anders aussehenden Diener entwickelt hat, Klaas Klever (zwar von Barks erfunden, aber danach vor allem in Italien verwendet) als wichtigster Widersacher und die von Romano Scarpa erfundene Verehrerin und gelegentliche Konkurrentin (dann meist im Verbund mit Schaumschläger Kuno Knäul) Gitta Gans.

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Man erkennt also, dass Dagobert Duck von einem einmaligen Gimmick schnell zu einer tragenden Figur im Disney-Comic wurde. Viele von Barks‘ anderen Erfindungen (die Panzerknacker, Gundel, Mac Moneysac, Klaas Klever, der Maharadscha von Zasterabad, Nelly, Fräulein Rührig) beziehen sich direkt auf Dagobert. Ausnahmen gibt es natürlich auch, nämlich der ein Jahr nach Dagobert eingeführte Gustav Gans – hauptsächlich Rivale von Donald – und der Tausendsassa-Erfinder Daniel Düsentrieb, in dem auch viel von Barks selbst steckt. Düsentrieb ist in den folgenden Jahren allerdings auch vor allem für Dagobert unersetzlich geworden. (Mehr dazu übrigens hier.)

Ich weiß nicht, ob Barks das von Anfang an im Sinn hatte (vermutlich eher nicht), aber Dagobert wurde mit seiner Spürnase für verborgene Schätze, seinem Drang nach Anhäufung von Wertgegenständen und seinen internationalen Handelsbeziehungen zu einem Selbstläufer, wenn es um Reisen in ferne Länder geht. Zuvor hatten sich solche Abenteuer wie „Der Schlangenring“, „Der goldene Helm“ oder „Die Sumpfgnome“ rund um Donald entsponnen, benötigten dabei aber einen recht elaborierten Vorwand, um den an sich eher weniger abenteuerlustigen Erpel an exotische Schauplätze zu bringen.

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Auch in anderer Hinsicht ist die Einführung von Dagobert eine Zäsur für den Disney-Comic. War Donald Duck zuvor ein Jedermann mit sehr alltäglichen Sorgen, wurde er nun zum Neffen des reichsten Mannes der Welt, was das Duck-Universum unwiderruflich verändern sollte. Dabei ist das Verhältnis der beiden deutlich vielschichtiger als man meinen mag. Ja: Donald steht bei seinem Onkel in der Kreide und Dagobert betrachtet seinen Neffen als Nichtsnutz, der ihm auf der Tasche liegt. Aber es schwingt noch mehr mit: Dagobert will aus Donald einen würdigen Erben seines Vermögens machen – daher z.B. auch einige Geschichten, in denen Donald lernen soll, wie man richtig mit Geld umgeht oder einen Konzern führt. Donald wiederum sieht die Welt aus einer anderen Perspektive: Für ihn zählt nur der Moment, und dass der Reichtum Dagobert nicht wirklich wunschlos glücklich gemacht hat, entgeht seinen Augen nicht. „Der arme reiche Mann“ fasst diesen Zwiespalt in seiner Schlusssequenz ziemlich gut zusammen.

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Eine der vielen Facetten des Verhältnisses
zwischen Donald und Dagobert

Wie oben erwähnt, ist auch Dagobert selbst bei Barks eine äußerst vielschichtige Figur. Er kann cholerisch und hartherzig sein, ja, aber auch ängstlich und verzweifelt. Und als erfahrener älterer Herr, der die ganze Welt bereist hat, hat er einen unglaublichen Erfahrungsschatz – in Geschichten wie „Zauber des Orients“ strahlt er stellenweise eine Ruhe und Weisheit aus, die ich so bei keinem anderen Künstler gesehen habe. Don Rosa ist nahe dran, aber bei ihm wirkt Dagobert da teilweise eher übermäßig reserviert und „cool“. Rosa übertreibt es zudem etwas mit der Darstellung von Dagoberts sentimentaler Seite: Nelly, die bei Barks nur ein einziges Mal auftauchte (aber immerhin auch Scarpa nachhaltig genug beeindruckte, dass er sie als Methode nutzte, um mit ihrer Enkelin Dolly eine eigene Figur einzuführen), wird bei Rosa zum Leitmotiv mehrerer Geschichten und zum Hauptthema in Dagoberts Gedankenwelt. Natürlich haben viele der Münzen und wohl alle Schätze in der Trophäenkammer eine persönliche Bedeutung für Dagobert, aber doch sicher nicht alle – wenn man (auch bei Rosa) sieht, was für Geldströme in den Speicher fließen, ist das auch gar nicht möglich.

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Er weiß nicht viel, aber definitiv
mehr als seine Familie

Man kann Rosa auch in zeichnerischer Hinsicht nicht vorwerfen, dass er Barks stumpf kopiert. Seine detaillierten Zeichnungen sind ebenfalls stark vom Underground-Stil (Robert Crumb & Co.) geprägt und sein Humor geht oft in eine etwas unflätigere Richtung. Die Landschaften und der starke Realismus, der bei „Sein Leben, Seine Milliarden“ auch jede Menge historischer Persönlichkeiten wie Wyatt Earp oder Theodore Roosevelt beinhaltet, machen sicher einen großen Reiz von Rosas Werk aus.

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Der junge Dagobert als Goldgräber bei Don Rosa

William van Horn folgt dem großen Vorbild weniger, wenn es um Abenteuer geht (auch wenn beide bei „Geschichte und Geschichten“ kollaborierten), aber seine Zehnseiter atmen viel von Barks‘ Geist. Sein Dagobert ist witziger als der von Rosa, und bekommt mit Dietram auch noch einen schrulligen Halbbruder an die Seite gestellt. In jüngerer Zeit hat sich v.a. Arild Midthun um Dagobert verdient gemacht, der mit seinen detaillierten Zeichnungen gerne in Rosas Fußstapfen tritt, um Geschichten aus Dagoberts Goldgräberzeit am Klondike zu zeichnen. Auch Kari Korhonen lieferte eine Serie rund um Dagoberts Jugend ab, die allerdings etwas umstrittener ist.

Wie steht es nun 75 Jahre nach Dagoberts Erstauftritt um den Magnaten? Jeder kennt den Geldspeicher – aber ist das überhaupt noch zeitgemäß? Ein Gebäude voller Geld, während der Neffe des Inhabers oft in prekäre Lagen gerät? Im früheren Ostblock waren Disneycomics ja eh pfui, aber auch mit dem Ende des Eisernen Vorhangs ist Kritik am Kapitalismus in seiner ausbeuterischsten Form nicht ausgestorben. Auch wenn Geschichten wie die von Guido Martina oder Ennio Missaglia schon lange nicht mehr produziert werden und man Dagobert heute nur noch in Ausnahmefällen wie Marco Gervasios Rächer-Phantomias-Geschichten als Antagonisten sieht.

Auch die einst so faszinierenden Schatzsuchen sind nicht mehr das, was sie mal waren: Erkennt man doch mit heutigem Blick darin viel Kolonialismus. Immerhin geht hier einer, der eh schon unglaubliche Reichtümer angehäuft hat, in ferne, gerne ärmere Länder, und nimmt die einst von der dortigen Bevölkerung zusammengetragenen Besitztümer mit. Der Umgang hiermit hat sich im Comic auch schon schleichend geändert – oft genug passiert es nun, dass der Schatz nach seiner Entdeckung im Land verbleiben muss. Besonders augenfällig ist das in einer der wenigen neueren amerikanischen Geschichten, „Zurück – Stück für Stück“ („Rightful Owners“) von 2011, grob im Universum der ersten DuckTales-Serie angesiedelt. Hier rufen Nicky sowie Tick, Trick und Track Onkel Dagobert dazu auf, seine Trophäen in die Ursprungsgebiete zurückzubringen, was dieser auch versucht (weil ein Wettkampf mit Klaas Klever daraus geworden ist). Leider ist der Comic nicht besonders gut gelungen, aber die Änderung der Sensibilität finde ich spannend.

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Sowohl die Schatzsuche als auch das Geldanhäufen sind heute also nicht mehr so „in“ wie noch vor einigen Jahren. Vermutlich orientiert sich die TV-Serie DuckTales 2017 (mehr noch als die erste aus den 80ern) darum auch eher an Don Rosas Darstellung von Dagobert als Quasi-Superheld, der unglaubliche Abenteuer besteht. Obwohl der Draufgänger – auch in einigen neueren Comics – verglichen mit Barks‘ Dagobert etwas zu jugendlich wirkt (wir reden hier immerhin über einen Senioren mit Stock!), kommt die Figur so offenbar gut bei einem jüngeren Publikum an, was aber auch zeigt, wie sich der Blick auf das Alter mit den Generationen gewandelt hat.

Wie wichtig Dagobert für das Disney-Universum ist, kann man auch daran erkennen, dass es in den USA bereits vor längerer Zeit keine Donald- oder Micky-Hefte mehr gab, aber „Uncle Scrooge“ noch deutlich länger am Markt durchhielt.

Dennoch kann man sich fragen, wie zeitgemäß die Figur noch ist. Es wird generell für die Comicproduzenten immer schwieriger, weil der Disney-Mutterkonzern bzw. dessen (früher in Frankreich, heute in Italien befindliche) Zentrale die Daumenschrauben immer weiter anzieht und viele Themen, die womöglich anecken könnten, zu No-Gos macht – obwohl der empfindlichere US-Markt einen Großteil der Comics wohl eh nie mehr zu Gesicht bekommen wird. Wenn man sich anschaut, wie Superreiche sich gerne mal verhalten (*hust* Elon Musk *hust*), wird es aber auch unabhängig von den restriktiven Disney-Vorgaben für Dagobert schwieriger, noch als positive Identifikationsfigur zu dienen. Ist es also an der Zeit, sich nach einem Dreivierteljahrhundert womöglich von dem Fantastilliardär zu verabschieden?

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Aus „Der Geist des Schicksals“, LTB 566

Vermutlich nicht. Immerhin war die Figur schon kurz nach ihrer Etablierung argwöhnisch betrachtet worden und es hat ihrem Durchbruch nicht geschadet. Ein fiktiver Charakter, der es in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft hat (und sei es negativ konnotiert wie 2017 im Lied „Endzeitstimmung“ von den Fantastischen Vier, wo Michi Beck rappt „Hundert haben nichts zu trinken, denn das Wasser wird knapp / Während einer im Geld schwimmt wie Dagobert Duck…“), ist vermutlich nicht mehr totzukriegen. Diese Resilienz ist nicht zuletzt das Thema in der Jubiläumsgeschichte aus LTB 566 und zieht sich durch einige der besten Geschichten mit ihm in der Hauptrolle – er ist eben härter als die härtesten und zäher als die zähesten und dabei doch (meistens) ein ehrlicher Mann geblieben.

(Ich empfehle auch einen Blick auf den Duckipedia-Artikel, der viel von dem, was ich hier geschrieben habe, noch detaillierter behandelt.)

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Spectaculus

Ich lese Comics, seit ich denken kann - oder vielleicht sogar noch länger.
Ansonsten bin ich ein großer Musikfan und mache mir ständig Gedanken über alles und jeden.

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Horst Neumann

Faszinierend wie lange die Figur und Reihe überlebt hat und heute von vielen Erwachsenen noch konsumiert wird. Fand früher auch die Abrafaxe toll, bin da aber irgendwann raus gewachsen. Heute lese ich nur noch Comics für Erwachsene. Hab kürzlich die „Conquest“ Reihe begonnen, welche mir ausgesprochen gut gefällt.

Lxodl

Als ich die Überschrift gelesen habe, dachte ich „Wie, erst 75 Jahre?“, weil ich davon überzeugt war, dass Donald und Dagobert ähnlich alt sind. Aber 13 Jahre Unterschied sind dann doch bemerkenswert, man kann sich den einen ohne den anderen gar nicht vorstellen. Und dass ohne Dagobert auch noch so viele andere wichtige Figuren fehlen würden, ist einem sonst auch nicht wirklich bewusst.

Daniel

Ein wirklich schöner Artikel, er erläutert die Historische des Charakter sehr gut im Detail, sei es von den Anfängen von Barks zu den Hohe seiner Beliebtheit, mit Rosa. Persönlich, wenn ich jetzt spontan ein Favoriten unter all diesen aussuchen müsste, wäre es sicherlich: Sein Leben, Seine Milliarden, einfach eine wirklich verdammt gute Geschichte in meinen Augen und bis heute noch eines der besten von Rosa

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